Chapter 1. Ankunft in Thailand

Bangkok.

Flughafen.

Zahlreiche Neuankömmlinge strömen zu den Schaltern, welche jene letzte Barriere markieren, bevor es mal wieder heißt; es wird heiß im Land des Lächelns. Denn draußen erwartet dich die Hitze der Nacht, die schwüle Brise der Hauptstadt, meist bestehend aus einer Mischung aus Abgasen, Müllgestank, exotischen Gewürzen und Tiger Balsam.

Ich bin zurück. Zurück in meinem Traum, mir schien es ein ganzes Leben her zu sein, doch ist es anscheinend präsenter als ich dachte.

Die Neuankömmlinge rücken langsam vor, Schritt für Schritt ins Paradies. Aus meinen Kopfhörern schwingt der sanfte Klang des ersten Albums von Ulrich Schnauss in meine Ohren, ein Prickeln fährt durch meinen Körper, warm und angenehm, ich bin gleich dran.

Dann geht alles sehr schnell, so schnell wie nie, und ich warte auch nur geringfügig lange auf meinen Rucksack.

Glorreiche Brise, die du durch meine Nasenlöcher strömst direkt ins verwirrte Hirn, dass noch nicht so richtig weiß, was eigentlich los ist im Hause Jones.

Das Unübliche, doch Übliche, da schon zum zweiten male, dummes Hirn.

Ankunft in Thailand.

Ja, diesmal ging alles viel schneller, musste ich doch beim letzten Trip fast einen halben Tag in Doha zubringen, weil ich erst so spät gebucht hatte.

Diesmal gab es nur zwei Stunden, die wie im Fluge vergingen, in der Zwischenwelt Abu Dhabis… und in den Maschinen selbst konnte ich mir die Zeit einmal mit Liebesgrüßen aus Moskau und das andere mal dem neuesten Batman vertreiben, nur unterbrochen von leichten Turbulenzen hier und da, was dem Film durchaus entsprach.

Nun, nach 16 Stunden letztendlich, mit etwas Verspätung also…

Bangkok.

Flughafen.

Ich spreche zwei Deutsche an, ob sie eine Ahnung haben, welcher Wechselkurs der richtige auf der Anzeige ist, also der, den man am Automaten ausgezahlt bekommt, und sie scheinen noch weniger irgendeinen Schimmer zu haben, als ich, aber so ist das eben mit Schimmern, auf die ist kein Verlass, verdammte Saubande.

Was solls, ich komme also mit Moe und seinem Kumpel ins Gespräch, die zur Kao San wollen, aber schon wieder kleinen blassen Schimmer haben, wie, in diesem Falle aber ich. Mit dem Zug nämlich, nicht mehr mit dem Bus, der wurde abgeschafft.

Nun, ist auch viel bequemer, preiswerter, schneller und überhaupt, da weiß man doch wie der Hase läuft und woran man ist.

Schon bald stehen wir auf dem Endbahnhof und treffen auf zwei weitere Deutsche, ein Pärchen, dass etwas älter ist als wir es sind, die sich ein Taxi bestellen möchten, wo wir uns natürlich sofort dranhängen und bääm – Kao San Road.

Wie habe ich die gehasst beim ersten mal, völlig überfordert war ich von den Eindrücken, all die übertriebenen Lichter, die wahnsinnigen besoffenen Engländer und all die Leute die einem was verkaufen wollen – ganz besonders die verdammte Pussy Show.

Irgendwie vermisse ich die Aufregung, ja ich bin gut drauf, alles super glatt gegangen, kaum was bezahlt für den Weg bis zu Kao San und interessante Gespräche innerhalb der kleinen Reisegruppe, die sich gebildet hat. Aber irgendwie ohne diese prickelnde pochende mächtige Aufregung vom ersten mal, was nur eins heißen kann; es ist wie beim Sex!

Nun, ich weiß wo ich hin will und es ist kurioserweise direkt gegenüber von dem Hotel welches sich die beiden Jungs ausgeguckt haben. Dieses ist jedoch viel zu teuer und sie riskieren einen Versuch mir zu folgen in das; Peachy Guesthouse.

Dies hat Doppelbettzimmer mit Fan für 160 Baht (ziemlich genau 4 Euro), was das Langzeit-Backpaper-Herz doch mehr als erfreut, junges Volk da draußen, oder wie oder wer oder watt oder wieso eigentlich oder nich?

Dafür sind die Betten hart wie Beton, aber es ist dafür ein wenig abseits gelegen von den totalen Tourimeilen.

Also, die folgenden zwei Tage und drei Nächte insgesamt verbinge ich in Bangkok und gegenüber dem ersten male muss ich doch sagen, gibt es zwar weniger prickelnde Aufregung, dafür aber umso mehr Gelassenheit, die dem jungfräulich empörten Chaos entschieden entgegen tritt mit einem HaHa! Erschrecken tust du mich nicht mehr, du alte Hauptstadt-Sau! Ja, wirklich, ich bin geradezu überstürzt geflohen vor zwei Jahren aus diesem Moloch, dass mich fressen wollte wie hungrige Monsterspinnen eine kleine sensible Ladyboy-Fliege.

Doch nun, ich genieße die Zeit, gehe abends noch mit der Kurzzeit-Reisegruppe ins Jazz Happens! wo eine Funky Band guten Sound zum Besten gibt und schlendere mit den beiden Jungs sogar über die Kao San, wo Pad Thai mir den Abend zu versüßen versteht.

Am nächsten Tag gibt es dann weiteres Schlendern, und eine wirklich gelungene belebende liebliche Thai-Massage, woraufhin der zweite Tag zum Ausflug ruft: Besichtigung des Grand Palace und Wat Pho, des Tempels, der den liegenden Buddha zu bieten hat und dieser Trip ist wirklich sein Versprechen wert; golden schimmernde und in allen Farben strahlende buddhistische Bauten, die einen so vereinnahmen, dass man eigentlich gar nicht mehr weg will, so geht es mir jedenfalls immer, zumindest kann man sich daran wahrhaftig nicht satt sehen, so viel steht fest.

Ich habe früher Tomb Raider gespielt, ich war süchtig nach diesem Computerspiel, und die Realität sieht definitiv besser aus. Nur fehlen mir leider ein bisschen die Rätsel, die ich lösen muss, der Ruf des schicksalshaften Abenteuers, bei dem es verborgene Schätze und längst vergessene Artefakte zu entdecken gibt.

Nun, es ist auch kein Wunder, bei all den Touristen, das gleiche Problem hatte ich schon in Angkor Wat, Kambodscha. All diese Assis… oh, ich meine natürlich Touris.

Am wohlsten fühle ich mich immer wenn ich alleine neues entdecken kann, da wo keiner sonst hingeht, verweile und alles in Ruhe beschaue. Ja, das ist es. Den einen Abend in Bangkok lief ich durch einen andere Tempelanlage nahe der Kao San, da schien schon geschlossen zu sein, es gab allerdings eine Pforte, die geöffnet war und ich stürzte mich ins Vergnügen… es war schon dunkel und der Hauch des Geheimnisvollen haftete der Szenerie an, es war schön, ja das hat Spass gemacht.

Und kurz darauf durfte ich Teil einer chinesischen Zeremonie werden, bei der etwa hundert Menschen einmal um den Block liefen, angeführt von ein paar Mönchen und die schließlich endete an einem hübschen chinesischen Wat. Das war beeindruckend.

Also…

Ich erkundete Angkor mit dem Fahrrad, was kaum ein anderer Irrer sonst allen Erntes machen möchte denn der Wankende wird dabei seinen Verstand verlieren, ich entdeckte eine Volunteer Farm in Pai, auf die ich zurückkehre um mein dort verlorenes Herz zurückzuholen, ich schwang den Feuerstab wie ein tollwütiges Eichhörnchen an einem pornösen und nicht mehr ganz legalen Strand und flitzte todesmutig über die Full Moon Party – der wohl mit Abstand abartigsten Feier aller Welten, ich kletterte über eine halb nicht mehr existente Brücke mit einem 20meter Abgrund darunter und was mag wohl als nächstes kommen… bleibt dran wenn es wieder heißt; Paolo Jones macht Südostasien unsicher und alle englischen Mädchen müssen entsetzt fliehen, denn sie haben keine Chance!

Chapter 8. Bangkok Time.

 

tuk tuk time

Und auf einmal kann alles sehr schnell gehen.

Die Sonne hat sich bereits wieder unter das Meer geschoben, was bedeutet dass du viel zu spät erwacht bist und einmal mehr komplett aus dem Rhythmus geraten bist.

Wenn du auf Koh Phangan eine weile verbracht hast und dein Plan vorsieht, weiter zu ziehen, kann das nach Sonnenuntergang nur bedeuten, dass dir eine sehr schlaflose Nacht bevorsteht und du am nächsten Tag eine Menge um die Ohren haben wirst.

Und so packst du deinen Krempel zusammen, checkst alles doppelt und dreifach, merkst, ohh nein, du kannst noch nicht auf dein neues Geld zugreifen, gerätst in Panik, rufst alle an, die du kennst und alle die im Telefonbuch stehen, dass sie eine Expressüberweisung machen, was dann zum Glück jemand tut, woraufhin du dich freust keinen Herzinfarkt bekommen zu haben und auch noch die Finanzplanung durcharbeitest.

Dann ist schon fünf vor zwölf und du hechtest auf zum Hafen, wirst dabei auf halber Strecke vom Besitzer des Internetcafes indem du immer gewesen bist auf sein Motorroller gehievt und gelangst viel zu pünktlich dort an – Warten ist in Thailand übrigens so normal wie herzhaftes dunkles Brot in Deutschland, Geduld jedoch hast du mittlerweile im Gepäck.

Schließlich sitzt du nach langer Zeit mal wieder eine lange Zeit auf einem Schiff, im typischen Reisehalbschlaf und daraufhin in einem Bus, der dich zu einer Zwischenstation bringt, wo du zwei Stunden am Daumen nuckeln darfst während sich besonders durchgeknallte Köter eine Schlacht liefern, wobei drei gegen einen nicht sehr fair ist, wie man bemerken sollte.

Der nächste Bus kommt, bringt dich nach Bangkok und du bist froh vier Plaetzte für dich zu haben, denn mittlerweile sind mal eben vierundzwanzig Stunden vergangen und du knackst sofort in einen todesähnlichen Tiefschlaf weg.

Und auf einmal kann alles sehr schnell gehen.

Damit meine ich, dass deine Seele immer irgendwie hinterherhinkt.

Mein Körper ist in Bangkok, Ortszeit gerade 20.30, aber der Rest von mir?

Der begreift schon wieder gar nichts mehr, zu viele Eindrücke auf einmal, ich weiß nur, es war im Grunde ein seltsam wundervoller Tag seitdem ich aus der Totenstarre gerissen wurde, weil der Bus kurz vor sechs in der Frühe am Ziel eintraf.

Beziehungsweise seit ich mich an zwei Mitreisende gehangen habe und wir zu dritt ein Zimmer gefunden haben.

 

Denn es ist so:

Immer wenn du irgendein Vehikel in Thailand mit dem Reiserucksack verlässt, stürzen sich alle existierenden Taxifahrer des Landes auf dich, um Geld zu ziehen wie aus einem Bankautomaten und du hast keine Chance dich zu sortieren, besonders dann nicht, wenn noch nicht einmal die Sonne aufgegangen ist nach einer 12stuendigen Busfahrt.

Übrigens, da fällt mir ein: Die Taximafia ist sehr erpicht darauf, ihren Teil der Kohle einzukassieren, zumindest war das auf Phangan so, dass geschieht auch ganz offensichtlich, du kannst es beobachten. Und die Summe ist nicht unerheblich, wenn man bedenkt, dass die Fahrer eh schon so wenig bekommen.

Nun, aber wo war ich stehen geblieben?

Ja, also nachdem wir das überlebt und zahlreiche ausgebuchte Hostels abgeklappert hatten, darf ich vorstellen> Der Fel.X., James The Chatter Box und ich, das Dreamteam, begann ein wunderbarer Tag und ich komme damit zum nächsten Punkt.

Ich spreche jetzt wieder über die Khausan Road.

Die Khausan Road kann ganz seltsam positiv berauschend sein, aber wahrscheinlich eher dann, wenn du nicht alleine unterwegs, ein Insider oder gerade aus der Psychatrie geflohen bist, oder um es kurz zu machen> wenn du ich bist.

So war es geradezu witzig sich heute auf ihr zu bewegen. Ganz früh am morgen schlich ich noch alleine über sie hinweg, denn zwei Drittel des Dreamteams hatte nicht das Glück gehabt, hundert Meter Freiraum im Bus genießen zu können und musste sich deshalb noch ausruhen.

Ich spazierte weiter, in die Seitenstraßen von der Khausan weg und befand mich plötzlich in einer ganz anderen Welt, jenseits jedweder Touristen, nur zwischen Thais und sah spürte das Fremdsein auf eine tiefe eindringliche weise, also recht tief, aber vielleicht nicht so tief wie manch anderer, da ich mir schon immer etwas fremd und wie ein Alien gegenüber den meisten Menschen vor kam. Trotz allem, bewegende Gefühle in mir.

Eine staubige, dreckige, stinkende Metropole und ich befinde mich mittendrin.

Motorroller, Tuk Tuks, Taxen, Busse und Lastwagen rasten scheinbar ineinander hinein und durcheinander durch und die ersten Läden begannen zu öffnen.

Mönche gingen langsam an Ständen entlang, hinter denen Frauen sehr schnell Essen fertig verpackten um es ihnen zu reichen. So bald sie dies getan hatten, pressten sie ihre Hände aneinander und hielten sie an ihren Kopf, um ihren Respekt zu erweisen.

Arme Leute strickten in dunklen Ecken oder organisierten ihre Waren, was genau alles, puhh, einfach alles mögliche, alles.

Ich lief weiter und kam in einen Park am Fluss, wovon man die riesige Brücke sehen konnte, die Rama V (oder VI?), die gigantisch ist. Der Hammer. Ich starrte sie eine Zeitlang an, guckte wieder weg und starrte sie wieder an. Wow.

Nun, ich ging nach meinem Rundgang frühstücken, hatte das beste Fruehstueck seit Beginn meiner Reise, was aber auch etwas teurer war, aber in Ordnung geht, weil ich ja sehr preiswert schlafe und auch sonst keine großen Ausgaben habe.

Aber egal, jedenfalls danach dann schließlich war ich nicht länger alleine, wurde ins Dreamteam assimiliert.

Wir als Dreamteam hatten richtig viel Spaß und ergänzten uns ganz wunderprächtig.

Fel.X wollte Klamotten und wusste wo diese ekelhaft riesige Supermall steht, während James dass gleiche wollte und nicht wusste wo sie steht und ich die Kamera begehrte, die ich so lange nicht zu meinem Eigen zählen konnte, was schon verrät dass ich sie jetzt habe, aber wir können ja so tun, als sei es weiter total spannend und so.

Das eigentlich spannende ist ja bekanntlich der Weg und dies trifft auch auf heute zu.

Zuerst ging es ins Taxiboot – ich sage ja lieber Schiff, denn es ist schon recht groß und enorm viele Leute hängen dort herum. Eigentlich ist es wie eine Straßenbahn auf dem Wasser, die mehrere Stationen anfaehrt.

Dabei ist es nahezu unbegreiflich wie schnell die Thais dieses Gefährt anlegen und wieder losmachen, dass ist dermaßen schräg, dass der schiefe Turm von Pisa eine Lachnummer dagegen darstellt.

Irre.

Und während der Fahrt versuchten wir dann staunend zu begreifen wie irre auch eigentlich alles in dieser Stadt, in dieser Metropole, in dieser anderen Welt ist, was wir dann aber sein ließen und nur noch anfingen irre zu grinsen, was dem ja dann sehr passend gegenübersteht, wie ich finde.

Andere Straßenbahnboote kreuzten den Fluss, eine mörderisch fies grinsende Smogwolke schien einfach überall ihren Spaß zu haben und wir erreichten die letzte Station.

Es ging weiter mit dem Sky Train, nicht ganz so irre, aber auch, denn die Sonne knallte wie die Sau und im Sky Train ballerte die Klimaanlage wie bekloppt.

Heavy.

Die Einkaufstournee muss ich aber jetzt nicht noch beschreiben, erstens hasse ich Megaeinkaufszentren und das war eine höllisch riesige Variante davon und zweitens bin ich zweifelsohne gerade richtig am Schlapp machen, eigentlich schon seit ich angefangen habe zu schreiben, was erklärt dass es alles vielleicht an einigen Stellen zu so und so ist, ja ich mache Schlapp, etwa seit dem Aufenthalt in diesem Riesenkomplex, fühle ich mich auch nicht mehr ganz so gut, nun, ich habe ja meine Kamera und das andere Drittel T-Shirts ohne Ende. Also. Mission erfühlt, der Weg ist das Ziel.

Zurück dann ging es mit einem Tuk Tuk zu dritt, das, na, dass war der krönende Abschluss des Tages, und auch völlig irre.

Ach, die sind hier alle verrückt und ich werde es auch langsam.

Ach nein, ich war es ja schon immer, und jetzt wird es erst so richtig gefährlich….

Der gemeinsame Ausflug auf der Khausan Road war dementsprechend medikamentös und wie im Rausch genossen wir unser Dasein, überschwänglich, froh, lebendig, feilschend und oh Shit We are the fucking tourists.

Chapter 1. Rückblick auf den Start der Reise

 

Freitag, 26.11.

Die Aufregung war verflogen.

In einer Donnerstagnacht auf dem Flughafen in Doha herumzuhängen ist ziemlich ermüdend, weil es außer Duty Free Shops, Raucherräumen, Gates und Restaurants nicht viel zu sehen gibt.

Außer natürlich unzählige Asiaten, vor allem aber Araber und vergleichsweise weniger Westler, die alle das gleiche zu denken scheinen.

Gelangweilte Gesichter allenthalben und viele, viele die auf ihre Uhr starren.

Nachdem ich den angenehmsten Flug meines Lebens mit Qatar Airways hinter mir hatte, lief ich nun mit Musik in den Ohren durch die Duty Free Shops, welche mich außerordentlich schnell langweilten, weil ich mich für diese Art von Konsum nie wirklich begeistert habe.

Zwischendurch schlief ich im Ruheraum und hoffte, meinen Flug dabei nicht zu verpassen.

Nachdem ich wieder zu mir gekommen war, stellte sich heraus, dass es in zwei Stunden endlich weitergehen würde und ich ging mir French Fries plus Coke bestellen, was ich unter normalen Umständen niemals tun würde und freute mich auf den zweiten Flug – auch dies kein normaler Zustand, da ich üblicherweise an Flugangst leide, oder es zumindest dachte, weil ich schon mal dran litt.

Das einzig interessante an Doha waren all die unterschiedlichen Menschen und ich dachte mir, boar, is ja der Hammer, wie viele wir auf dem Planeten sind, aber vor allem wie viele andere es gibt, von denen ich keine Ahnung habe, was Sie von der Welt eigentlich halten oder wie sie wirklich denken.

Auch wenn jeder von uns da schon seine Vorstellungen hat, ist es doch nur eine Vorstellung.

Aber gut.

Das nächste Boarding startete und dabei ging es diesmal mit einem Bus zum Flugzeug. Die Sonne war aufgegangen und wir fuhren über den großen Flughafen.

Irgendwie werde ich auch jetzt das Gefühl nicht los, dass Doha, einzig und allein zu diesem Zweck existiert, nämlich ein riesiger Flughafen – eine skurrile Zwischenstation für Reisende aus aller Welt zu sein.

Wir stiegen aus dem Bus und ich genoss es die Maschine – im Gegensatz zum ersten mal – ganz nah betrachten zu können, weil ich sie wunderschön finde, obwohl sie sie total grau ist. Ich stieg die Treppen hinauf und erinnerte mich an die Szene aus <Fear and Loathing in Las Vegas>, in der Dukes Anwalt gespielt von Benicio del Toro, das gleiche tut, nur dass es dort a. nur eine sehr kleine Maschine war und b. ich keinem durchgeknallten Freund zum Abschied winken durfte.

Der nächste Flug.

Qatar glitt erneut wie der leichtfertigste Vogel der Welt in die Lüfte als wäre es ein Kinderspiel und ich entspannte mich.

Während des Fluges hast du dann so viele Filme, Serien, Musikalben und Spiele zur Verfügung, dass dir gar nicht langweilig werden kann.

Auf Flug 1 hatte ich mir <Soul Kitchen> angesehen und nun sollte es <Salt> werden, beide am Ende des Fluges, so dass ich sie gerade so fertig schauen konnte.

Aber am meisten liebte ich es, mich auf die Route und ihren aktuellen Stand zu fokussieren und zu zoomisieren.

Alsdann.

Die Landung war wieder geschmeidig wie die cremigste Butter draußen auf irgendeiner Veranda mit Blick auf irgendein, sagen wir mal,  Lavendelblütenfeld.

Obwohl Bangkok genau dass nicht ist.

Es dauerte eine aggressive Ewigkeit bis ich durch den Airport und der Passkontrolle durch war, um endlich wieder eine Welt mit Sauerstoff – oder zumindest den Hauch von so etwas – genießen zu können.

Ich fand den Bus zur Khausan Rhoad nach einiger Sucherei und traf auf eine Engländerin, die vom gleichen Schlag wie ich, aber unterwegs nach Koh Pi Pi war, der berühmt-berüchtigten Insel aus dem Film <The Beach>, und plauderte ein bisschen mit ihr.

An der Khausan Road angekommen, freute ich mich riesig und stürzte mich ins Getümmel.

Fürs Erste.

Der Geruch ist ziemlich abstoßend und ich stellte bald fest, dass ich das gleiche für die meisten Touristen empfand.

Und auch für die Einheimischen.

Ach, eigentlich für die gesamte Khausan Road.

Mein Eifer (und auch ein Hochgefühl) alles neue in mich aufsaugen zu wollen, mündete rasch in eine sehr seltene Form des Entsetzens, weil ich prompt in eine Falle lief.

Und das ist der Grund, warum ich jetzt nicht mehr über die Khausan Road spreche.

Nie wieder.

Ich hasse sie.

Nächster Tag. Samstag, der 27.11.

Ich erwachte in Panik, da es schon 16 Uhr war und der Zug nach Chumphon meines Wissens nach in zwei Stunden abfahren müsse.

Ich traf beim Gang zur großen Kreuzung mit den Taxen einen Landsmann, der total angepisst vom Amerikanismus dieser Gegend sei, wie er mir mitteilte. Er wolle nach Goa in Indien, wo alles viel entspannter wäre und die Leute nicht in einem solch enormen Geldwahn stecken würden.

Das Gespräch war insgesamt sehr nach meinem Geschmack, wollte ich doch ebenso aus denselben Gründen abhauen.

Er half mir noch beim Taxisuchen und erklärte mir dabei dass ich hartnäckig bleiben solle beim Handeln, was ich auch tat. Ich zahlte statt 150 Batt (39,49 Batt sind zurzeit ein Euro) am Ende 110, aber auch nur weil ich keine 100 mehr passend geben konnte.

Die Fahrt war ganz interessant aufgrund dessen, weil ich einige Tempel zu Gesicht bekam.

Am Bahnhof schließlich wartete ich erneut (warten war dieser Tage meine Lieblingsbeschäftigung ).

Ein Kaffee, ein Donut: ja wie ich es liebe zu reisen und dabei Dinge essen zu müssen, die ich nicht ausstehen kann, aber was bleibt einem übrig?

Der Nachtzug nach Chumphon brachte mich weg vom Warten und hin zum Schlafen, jedenfalls ein bisschen.

Ach> Die Bahnhöfe und die ganze industrielle Infrastruktur sieht aus wie bei uns in der Vergangenheit. Ich meine, du lernst etwas über eine Art ihrer Entstehung, die dich irritiert wenn du auch so ein verkackter Öko bist wie ich. Oje, ich will gar nicht darüber nachdenken, was dass bedeutet.

So What. Nevermind.

…Und Tag der Ankunft, Sonntag, 28.11.

Morgens in der Frühe traf der Zug in Chumphon ein.

Programm> ordern des Fährentickets, Cookies kaufen & essen und in den Bus, dann warten (großartig!) und mit dem Gefährt nach Sonnenaufgang endlich an Palmen vorbeifahren.

Ja, nun wurde es erstmals richtig spannend.

Auch der Weg zur Fähre war geil, weil es ein sehr sehr langer Steg ist, und die Fahrt mit der Fähre konnte beginnen.

Ich legte mir auf meinem mp3 Spieler Progressiven Psy Trance zurecht und dann preschte das Speeboat von Lomprayah los – der Hammer.

Auf- und ab, nach rechts und links: es war eine magenumdrehende, berauschende Kiste, die rockte.

Drei Engländerinnen kamen so überhaupt gar nicht mehr klar und ließen sich Tüten geben, welche, wie ich annehme, mehr als nicht erfreut darüber waren, dass junge hübsche Engländerinnen in sie hinein kotzen.

Nämlich überhaupt gar nicht.

Yeah. Also eine sehr turbulente Bootsraserei mit mächtig viel Unterhaltungsfaktor, brachte mich nach Koh Tao.

So weit so gut.

Der Countdown: Noch 12 Stunden

Aufregung. Wahnsinn.

Mir rinnt der Schweiß über die Stirn wie die Niagara Fälle und es ist kaum auszuhalten.

Morgen früh geht es zum Flughafen und ich habe keine Ahnung, was mich erwarten wird.

Zweimal sechs Stunden, mit zehn Stunden Zwischenaufenthalt in Doha, um dann in Bangkok

einzutreffen und so schnell es geht einen Schlafplatz zu finden.

Und… erst dann… erst dann soll es in den Zug nach Chumphon gehen, zur Fähre nach Koh Tao,

dem vorläufigen Ziel.

Bis dahin. paolojones für wordpress.