Goa Ecstatic Gathering

Liebes Universum, Geistführer, Schutzengel, Jesus.
Danke für das Ecstatic Dance Festival und das ich dort bin und viel lernen darf und das ich fürs Tanzen geboren bin!
Danke für die Wutkraft, danke fürs Trauma, danke fürs wachsen, diese Wohnung, die Heizung, für Kakao, das Tanzen, die Musik!
Die moderne Musik! Ambient, Dub, Electro, Psychedelic, Sitar, World, India, Space, Tribal.
I AM grateful for everything! I AM grateful for money! I love Money…

Alles hat geklappt.

Aber warum schreibe ich in der Einleitung das der Visakrimi eine Zerreißprobe darstellt? ich meine soll ich ohnmächtig werden, nach allem was ich durchgemacht habe?
Nach der Verwandlung komme ich Schritt für Schritt in die Gänge, erkunde mich bei Freunden und Bekannten erst einmal zwecks möglichen Jobs. Durch einen meiner lieben Freunde, durch den die Geschichte am 19.11. auf das nächste Level angehoben wird (und zwar mittels seiner tatkräftigen Weiterleitung an eine Expertin auf diesem Gebiet), setzt großer Enthusiasmus ein, der mich sechs Tage lang in die Bibliotheken schickt, damit ich im Netz nach Jobs suchen kann. Gleichzeitig gehe ich in die tiefsten Gebete und Affirmationen aller bekannten Zeiten, Räume, Andromedanebel und Cashewkerne, von denen ein Auszug der Dankbarkeitspraxis am Anfang dieses Artikels zeugt, um eine Idee davon zu vermitteln. Fast instantly gelingt dieses Bestreben, indem nach sechs Tagen der Durchbruch folgt. Die folgenden vier Wochen bescheren harte Arbeit, die so ungesund ist, das ich davon krank werde, schließlich sieht es die außerplanetarische Progressivität aus einer Reihe von Leberreinigungen und Darmsanierungen nicht gerne wenn im Anschluss plötzlich Metallstaub, Industriegifte und derlei anderer Annehmlichkeiten auf die Pauke hauen. Besonders wenn sich auch noch ein besonders frecher Kälteeinbruch ins Menü hinzu gesellt.
Die Rettungsanker in der Not hier: Basisches Badesalz, Superfruchtsäfte von dm und einige Tage Ruhe…
Das sind die Gründe jener Zerreißprobe, da sämtliche Nervenbahnen an jedem Punkt aller Körper unter Hochspannung stehen, als der Visakriminalfall sein Feuerwerk entzündet.

And Now For Something Completely Shifting…

Was ist denn nun eigentlich Ecstatic Dance? Ecstatic Dance beschreibt eine Art freies Tanzen. Als Überbegriff wird es ebenso genutzt um transzendentalen und heiligen Tanz zu beschreiben, sowie weitere Praxen der Bewegungsmeditation. Im Grunde gibt es solche Tänze seit jeher in der Geschichte der Menschheit: z.B. den Native American Ghost Dance, Classical Indian Dance, Ritual Dance und viele mehr.
Ecstatic Dance Events sind talk, drug, smoke and alcohol free. Die gespielte Musik füllt ein großes Spektrum elektronischer Musikstile und Weltmusik aus. Gabrielle Roth hauchte dem Begriff „Ecstatic Dance“ neues Leben ein durch ihre in den 70ern erfundenen „5Rhythms“ sowie späterem Tanz und Buch „Sweat Your Prayers“. Der erste dieser Tänze wurde in den 80ern von Rosa Glen Riley umgesetzt. Dies setzte die Grundsteine für die aktuellen Ecstatics, die ohne verbale Anleitung auskommen. Eine der ersten dieser Art erblickte in den 90ern in Austin Texas das Licht der Welt und wurde „Body Choir genannt“, bis Max Fathom, der als Teilnehmer das Konzept Anfang des neuen Jahrtausends nach Hawaii mitnahm. Schließlich entstand ein Ecstatic Dance Event in Oakland, Kalifornien, und dieses Format verbreitet sich jetzt über die ganze Welt.
Es gibt ein Warmup, gefolgt vom Opening Circle, samt Guidelines und Agreements, dem eigentlichen Dance und Closing Circle.

Und das Goa Ecstatic 2018 ist manifestiert.

Am Morgen des neunten Januar zaubere ich mir noch fix ein Müsli, um etwas zu spät beim Meeting einzutreffen.

Die Vorstellungsrunde ist sehr berührend. Strahlende Gesichter in einem großen Kreis.
Alle sind entspannt und voller Vorfreude auf das Kommende – erzählen kurz etwas über sich und wie sie aufs Festival gekommen sind. Die Atmosphäre ist familiär. Ich schätze es handelt sich alles in allem um etwa vierzig Menschen – DJs, Organisatoren, Helpers und Teacher eingeschlossen. „Sunny from the Universe“ tönt es. Alle lachen. Die Stimme gehört einem rothaarigen, quicklebendigen Wesen mit bunter Kleidung. Und ich sage: „I am so absolutely grateful to be here, its a miracle. When I were dancing in Berlin at Ecstatic I discovered this is my life“.

Meine kleine Spaceholding Crew besteht aus sehr liebevollen, bewussten und hochmotivierten Seelen, und wir sind alle miteinander sofort eng verbunden. Meine Dankbarkeit könnte nicht größer sein. Alles geschieht sehr organisch. Unsere Aufgabe ist es in den kommenden Tagen eine gute Energie zu schaffen auf dem Dancefloor: Uns um den Altar zu kümmern, mit Salbei oder Palo Santo den Raum und die Besucher zu räuchern/reinigen, zu schauen das es allen gut geht, und die ersten zu sein, die Tanzen. Dafür finden wir uns immer vor dem allabendlichen Ecstatic eine halbe Stunde vorher zur Besprechung ein.

Und im Anschluss folge ich dem Tip von Biodanza Nataraj bezüglich einer Bleibe ums Eck und es fügt sich ganz hervorragend, denn es ist ein Zimmer in dem entsprechenden Gasthaus frei, was ich innerlich sofort nehme aber noch nicht offiziell entscheide. Zudem entdecke ich einen Kombucha an einem Stand nahe des Forgotten Land, der ohne Umschweife sofort gekauft und getrunken wird (Ginger Lemongrass Himalayan Green Tea). Dann gehe ich wieder zum Zeltplatz am anderen Ende des Strands und kann endlich ausziehen und schleppe die Sachen in die neue Behausung und erfreue mich des Seins. Endlich voll ankommen!!

Bevor es wirklich losgeht, gehe ich noch auf einen Trip mit den Berliner Bekannten in den Jungle, zum Abschied, und das zieht sich bis in die späten Abendstunden hin…

10.1., Tag1

Nach einer demzufolge weiteren kurzen Schlafphase von nur fünfeinhalb Stunden stehe ich um zehn Uhr morgens auf. Ich mag den Raum mit seinen pink-gestrichenen Wänden und einer halbwegs passablen Matratze und genieße die erste Papaya; eine riesen Papaya; mit Gersten- und Weizengraspulver in Cashewmilch, und im Anschluss den ersten Kakao (30g Paste). Samt folgendem Kombucha tunen diese weisen Helfer mich zärtlich ein, für den grandiosen ersten Tag.

Es ist für alles gesorgt – alles synchronisiert.

Die von der Küche „Smiling Nepalese“ zur Verfügung gestellten Speisen – Lunch und Dinner – sind der reinste Segen wenn auch mitnichten gesund – für diese Woche genieße ich es einfach mit vollster Dankbarkeit, und selbst ein paar Chapatis sind mit auf dem Speiseplan, allerdings achte ich hier darauf das ich nicht jedes mal eins zu mir nehme. Ja, die Curries sind nicht alle vegan und ich frage immer nach, und esse nur diejenigen wo sie mir sagen das es nur wenig Sahne enthält. Schließlich gibt es immer wieder welche die ganz vegan sind. Die Dals sind die Highlights – und der absolute Höhepunkt eine grüne Pampe mit Spinat. Der Unterschied zu einem Restaurant ist hier, das man sich den Teller vollhauen kann, denn sonst ist es nur wenig Flüssigkeit etwa beim Veg Thali und stattdessen überwiegend weißer Reis und Chapati. Hier kann man so viel nehmen das man ein schön flüssiges Curry hat. Nach dem Festival stelle ich den Brotverzehr wieder ein.
I am just so grateful for everything that i just take it in. Natürlich hat die Sache mit dem -nimm so viel wie du willst- oder -all you can eat- immer den Nachteil das man sich leicht überisst.

12.30Uhr treffe ich ein und arbeite bis zum Opening Circle / Welcoming Dance um 16.30Uhr im Saal. Zuerst hängen Aman und ich gemeinsam die Tücher hinterm DJ Pult auf und danach kümmere ich mich vor allem um den Boden, indem ich viele kleine Löcher und Ritzen mit Tape abdichte und dabei tänzerisch erfühle wo es noch Bedarf an Tape gibt und wo es bereits ausreicht. Die ideale Aufgabe! So sorge ich dafür das alle sicher und komfortabel tanzen können und habe gleichzeitig mein eigenes kleines Warmup!

Dann folgt der Opening Circle.
Die frohgemute Schar tanzwütiger Gleichgesinnter lauscht fleißig den organisatorischen Reden des Pascal und Aruns. Diesmal gibt es keine Vorstellungsrunde, denn das würde den Rahmen deutlich sprengen. Dafür werden wir Spaceholder vorgestellt und dieser Moment ist ein Geschenk, das ich nie vergessen werde – wie wir geschlossen in die Mitte laufen und uns nach allen Seiten allen zeigen und an den Armen fassen! Grinsend, elektrisiert…
Das Complaining about the food eine Sache ist die nicht an den lächelnden Nepalesen sondern bitte direkt an die Heimleitung zu richten ist – wird genauso besprochen wie die heilige Shedule zu Arambol.

Zuerst gibt es also den Welcome Dance, dann das erste Dinner und den ersten Ecstatic Dance. In den kommenden Tagen gibt es immer morgendliches Singen, zwei Workshop-Blöcke, und den allabendlichen Ecstatic. Besonderer Hingucker ist der Nachmittagsblock „Rest & Digest“ – eher als lustiger Hinweis eingebaut, das kleine Geflunker der heiteren Art.
Nun, seht selbst in der Grafik, und auf dem Foto.

shedule

Ecstatic_Shedule_Board

Irgend wie wirkt es doch wie der bessere Schulunterricht – jetzt noch Meditation, Yoga, Qi Gong, Ernährung, Sprachen, Permakultur, Theater und ein paar andere Fächer dazu, und wir haben die ultimative Schule… ach Zauberei natürlich nicht zu vergessen.

Der erste Tanz im Saal ist ein unerwartet intensiver, reichhaltiger Auftakt und eine offene ausgelassene Stimmung breitet sich im Raum aus.

Um 19.00 findet sich meine Spaceholding Crew vor dem Ecstatic ein, das ist dann jedoch das letzte Highlight des Tages, denn den Ecstatic nehme ich nicht mehr mit, da ich schlicht zu erschöpft bin. Er ist nicht schlecht, doch ich bleibe nur zur Hälfte.

Das Vaping reduziert sich und wird dafür in den Momenten am Abend und mitunter morgens besonders genossen. An diesem ersten Tag nehme ich vier Gelegenheiten wahr, fernab der heiligen Stätte.

11.1., Tag2

Die Entscheidung besser einen längeren Schlaf zu haben, und die Kräfte zu schonen, wird von einschlägigen Experten mit besonderer Hingabe als äußerst ratsam, heilend, zukunftsorientiert und -du machst das jetzt, oder s gibt was aufn Hintern, du Frosch- eingestuft. Renommierte Beobachter der elften Koboldkaste loben zudem das hausgemachte papaya´sche Gerstengras-Gedöns in Cashewmilch und den Qi Gong Auftakt der Siebenfaltigkeit zur subtropischen Dachterrasse. Ja, das Dach gibt einiges her. Inmitten schillernd-bunter Häuser des arambolschen Viertels San Pedro ist geschäftiges Treiben zu hören, Hundebellen, Affen, Vogelgesang und Gekrächze (ja das indische Pondon zu den deutschen Raben ist hier vertreten), sowie gesprochene Gebete und mitunter das donnernde Knallen einer tödlichen Waffe, Kaliber Kokosnuss. Es dauert ein bisschen bis die Klarsicht darüber einsetzt, das es eben kein Inder, Russe oder Terrorist aus dem weißen Haus ist, der da seinen Erzfeind ins Jenseits befördert. Nun, der Blick über die Dächer des Viertels ist ein Vergnügen, irgendwie weder urban noch ländlich, sondern irgendwas dazwischen. Palmen drängen sich zwischen die Bauten, der offene Stil ist erfrischend. Ich muss sagen, doch, irgendwie mediterran.
Ein kleines Geheimnis ist vor Ort, das unerlaubtes warmmachen von Limonenwasser beinhaltet – in der kleinen Küche des gegenüberliegenden Hauses, die zwecks dessen über das dementsprechende Dach erreicht wird.

Ankommen.

Die erste Session am Vormittag: 5 Rhythms, die nur als absoluter Knallkörper der aberheimlichen Sorte bezeichnet werden kann.
Hier transformiert das Chaos zur Stille, und an diesem Punkt der tollwütigen Stimulanz fließen nicht wenige Tränen. Die Realisierung meiner tief empfundenen Dankbarkeit lässt auch mich weinen. I AM SO GRATEFUL! I AM GRATEFUL FOR EVERYTHING! Its all happening now, a dream comes true…
Die ganze Session wird so wunderbar geleitet wie es sich ein jeder hier nur wünschen kann, mit einer superben Einleitung und permanenten Kurve hinein ins Staccato, wo wir aufgefordert werden uns Partner zu suchen. Eine tiefe Begegnung mit der kleinen Italienerin Solé wird mir zuteil, ein heißer, erotischer Moment, verspielt und exotisch – wild und frei. So sexy das ich mich direkt verknalle. Wir beide, die Speedies, und hochenergetischen, sexy Lover, kommen uns nahe beim Tanz.
In absolut organischer Transformierung kommt es zum Übergang ins Chaos, nun finden sich erst Gruppen aus vier, dann acht. Und dann noch einmal multipliziert. Einer oder mehrere tanzen aus dem Kreise in die Mitte hinein, und/oder es wird in den Kreis hinein geschrien, gelacht, gefiebert, wir lassen alles raus. Im Support des Tribes. Ausbruch. Release. Wahnsinn.
Schweiß. Juicyness. Juicy.
Und aus der Stille gelange ich, elektrisiert, gereinigt und so wach wie erstaunt, endlich ins Meer. Ganz langsam, wie in Zeitlupe, nur um den Moment auszudehnen wie Kaugummi, zu ziehen, zu strecken, laufe ich hinein, und lache und lache und lache – und spüre es mit dem ganzen Körper. Dabei erinnert es mich stark an die Szene aus „The Beach“, wo die drei Protagonisten nach ihrer Ankunft das erste mal mit der Gruppe gemeinsam ins Wasser laufen. Das Paradies! Und das zu teilen macht so viel mehr Spaß als immer nur alleine zu sein.

Und die anderen genießen ebenso tief…

Im Anschluss ans Mittagessen folgt am ersten Nachmittag: Das Authentic Relating.
Dieser Workshop wartet mit einigen ganz großartigen Spielen auf. Da ist z.B. das Channeling des Higher Self zu nennen, das erstaunliches zum Vorschein bringt.

Lasst die Spiele beginnen!

In der großen Gruppe mit 16 geht es los mit der Frage: What if… i would be music, sage ich. Und what if i was music, responded Pascal. When i dance i am in my full energy, i am balanced and grounded.
Channeling Higher Self. I cant bare the addict and higher self says, youre alright, also with the negative side.
Dann mit einem Partner und einem weiteren werden die Fragen gestellt: When i show you my joy we… und ich sage… dancing in the rain, und da gleiche dann mit sadness und love…
Diese Spiele haben mich so inspiriert, ich möchte sie unbedingt mitnehmen und mit anderen Menschen, Freunden, praktizieren. Es ist eine großartige Praxis to connect. Vor allem das Eye Gazing ist tief und intensiv.

Beim zweiten Ecstatic am Abend gibt es dann u.a. knackigen Drum&Bass, Martyn aus Holland bedient hier die Audience. Nach wie vor macht sich der Schlafmangel bemerkbar, die volle Kraft ist noch nicht da. Der Tag endet mit dem Verlust meines Handys, das irgend jemand spaßeshalber eingesteckt hat – wie das passiert ist, ist mir schleierhaft, spielt aber auch keine Rolle, denn everything happens for a reason. Da waren noch einige für mich bedeutende Notizen gesammelt, auch Ideen für neue Tracks – es dauert ein wenig das zu akzeptieren und loszulassen, aber es geht gleichzeitig schneller als erwartet. Dafür gibt es einen schönen Spaziergang mit Solé.

12.1., Tag3

Endlich gelingt es neun volle Stunden durchzuschlafen, ich beginne den Tag um 10Uhr morgens. Ich lasse den ersten Workshop des Tages ausfallen, nehme mir die Zeit die ich brauche – der Körper freut sich. Das Menü des Morgens bringt Qi Gong, Lemon Water, frisches Kokoswasser, Ingwertee, Acerola-Natron-Mix und fünf Gramm Zeolith aufs Tablett. Die Routine wird also neu etabliert und meine Kräfte kehren zurück. Dazu etwas Blueberry Cake Vape in Moderation. Die achtsame Ernährung freut sich wieder bei mir zu sein. Bevor der dritte Tag so richtig in Fahrt kommt, trifft auch meine Kleidung frisch gewaschen ein, gerade rechtzeitig. Meine russischen Nachbarn einen Stock über mir erlauben mir bei sich was zu kochen, besonders den Kakao am Abend für das Set von Tikki in, und das ist wirklich außerordentlich, oder wie sollte es auch anders sein, The Source. In Exchange gebe ich ihm ne gute Portion Musik von meinem Stick. Wäre das Handy nicht verloren wäre ich vermutlich wieder so früh aufgestanden und hätte hätte Fahrradkette weniger Erholung erfahren. Mein Nachbar ist so lieb und schaut für mich auf die Uhr – es ist 13:13. Trotzdem bekomme ich noch etwas zu essen in der heiligen Stätte, obwohl Lunchtime eigentlich schon abgelaufen ist.
Nun wird mir klar das die Inspiration so stark wirkt das ich ohne Laptop dumm dran bin, denn ich habe beschlossen länger in Arambol zu bleiben und in Source zu spielen wäre eine großartige Geschichte.
Fluent Body Workshop: Die grandiose spanische Tänzerin weiht uns ein in ihre Geheimnisse: juicy, sweet and fluently. Lets get back to more juicyness, more authentic and more aliveness. Das Wort „Juicy“ wurde von Arun ins Feld geführt – das ist bei mir stark hängengeblieben. Logo: Dr.Mango, juicy and sweet. Es geht darum die Bewegungen des Körpers fließend zu gestalten, sich hinzugeben, oder wie Bruce Lee es so treffend formulierte: be water, my friend. Mit dem Körper im Fluss zu sein beim Tanz, sich zu biegen, und sich zu trauen das schelmische herauszulassen. Definitiv sexy, definitiv frisch, und sehr lebendig!

Source-Peak; 20-22.30:

Mit etwas Verspätung treffe ich in Source ein und das Set beginnt gerade hochzufahren.
Tikki Masala und Martijn spielen ein Ping Pong Set der besonderen Art und heizen uns richtig ein. Source ist richtig voll.
Mein Kakao entfaltet seine Wirkung. Die Mischung: Etwa 50g unfermentierte Masse aus Belize, frischer Ingwer, Vanille, Kardamom, Zimt, Cayenne und Kokosblütenzucker in selbstgemachter Hafer-Hanfmilch.
Irgendwann kommt der absolute Burner des Abends: International Velvet – Stargazer (Mo Horizons Freestyle Remix) und ich fliege durch Source wie ein junger Gott, springe und renne durch die Masse hindurch, im Rausch der Freiheit. Drum & Bass, Dubstep, Indian Electronic Music Style, Explosion.
Doch den wahre Höhepunkt bildet unser Tribe Dance, eine Gruppe vom Festival die im Kreis wie die Indianer tanzt – ich muss dazu sagen das an diesem Abend viele Tanzwillige zugegen sind, die nicht Teil des Festivals sind. Unsere kleine Gruppe tanzt also umeinander herum und durcheinander durch wie wir es beim 5 Rhythms praktiziert haben.
Intensity, Clarity, Grounding, Flying, Crazyness. Holy Shitness.
Das habe ich mir, so denke ich, immer gewünscht. Das ist was wir brauchen, das gemeinsame Rauslassen, Loslassen…
Dance – Release – Dance – Release
Hohohoho Hu Ha Om Shiva Da

Hätte nicht gedacht das ich doch so schnell bei der Quelle sein würde!
Es ist der absolute Blast! Real Connection, Powerful Gathering, Awesome Togetherness.
Und im Anschluss gibt es die limitierte, einzigartige und nicht vegane Spaceholding Cream. Dieses abenteuerliche halbe Kilo Cashew Kardamom Mandel Eis wird von drei Mitgliedern meiner Crew (mich eingeschlossen) und Solé mit Genuss verzehrt. Wow, wenn das noch vegan wäre – was für eine Mischung! Time goes by in slow-mo this evening, like melting honey, syrupish and creamy as shifting timeline like on the 2.11. when Tikki played in Berlin. Ich wusste einfach das ich auf diesem Festival bin. Und here I AM!
Wir sind total im Jetzt, im Moment, und diese Momentaufnahme ist festgehalten, als wir am Ausgang von Source den Tanz beendet haben.

13.1., Tag4

Angesichts der Tatsache das mein Telefon gestohlen wurde, kann ich mir sehr gut einen neues Musikstück mit dem Namen „Phoneless“ vorstellen. Das ist es was die Menschen um mich herum die nächsten Tage zu hören bekommen. „I am Phoneless“.
Der Körper bedankt sich diesmal sogar für zehn Stunden Schlaf. Und für einen sehr ruhigen Tag. Keine Vormittagssession, und auch die Nachmittagssession fällt aus da es der freie Nachmittag für alle ist.
Das Meeting am Abend mit der Crew ist wieder tief, wir geben uns gegenseitig Energie und bilden eine geschlossene Formation. Der Ecstatic Dance dieses Samstags ist ein offener Dance, der von Arun Ji begleitet wird. Ich bin viel bewusster an diesem Abend, total präsent, und tanze mich quasi richtig ins Spaceholding hinein, wachsam, schaue das die Energie stimmt an allen Ecken und Enden, bei den anderen. Da es ein offener Abend ist haben wir da die besondere Verantwortung. Ich bin überall, wie eine Katze, wachsam.
Und schließlich gerate ich Full on in den Tanz hinein, drehe mich tausendmal um mich selbst und gerate in tiefe Trance. Wieder beweist die Kombination aus CBD und Kakao ihre Stärke. Ich tanze mir ein Stück Nagel blutig.
Arun Ji ist ein saftiger DJ, mit seinem spanischen Temperament feurig und zugleich warmherzig. Auf alle Fälle funky und knackig. Der wahrscheinlich ekstatischste Dance des Festivals für mich. Die Umdrehungen sind teilweise in einer Geschwindigkeit und Intensivität: Rasanter Turbogang des tollwütigen Eichhörnchens von Arambolika 777.
Und die anderen toben nicht unähnlich übers Parkett dieser Stunde – Wirbelwinde sind wir, Wirbelwinde im Sog der Musik!

14.1., Tag5

Rhythmus taucht aus der Versenkung auf und meldet sich zum Dienst. Er galt als verschollen, aber die Polizei war mit Stillstand beschäftigt, dem schwer erfassbaren…, nun, er soll wohl eine Kuh davon abgehalten haben, die Straße freizuräumen..
Das bedeutet das ich diesmal um 7 Uhr morgens erwache und sogar mal das Frühstück auf dem Festival probieren kann. Das besteht aus Früchten und Kartoffelbrei – eine magenunfreundliche Kombination sondergleichen. Dieser äußert sich dazu wie folgt: Junge, pass mal auf, normalerweise vertraue ich dir ja, okay, aber wenn du das nochmal machst, werden die Konsequenzen ungeahnte Folgen haben…, du Arsch!“
An diesem Tag gibt es Wataflow und Shakti Dance, sowie das Ecstatic Set von Pascal.

Wataflow ist eine innovative, überaus spannende Sache. Nach einer Einleitung begeben wir uns ins Meer, wo jeder einen Partner hat, den er unterstützt und von dem er unterstützt wird. Es fällt mir nicht leicht Raphael zu unterstützen, vor allem weil er ein stattliches Gewicht hat und ich wenig… Er aber sagt das es gut funktioniert hat.

Als mich Raphael beginnt zu halten und ins Wasser taucht, verliere ich scheinbar das Bewusstsein, ich bin erst wieder da, als wir das Ufer erreichen. Den Rest des Tages geht es mir deshalb total komisch und ich komme auch nicht mehr richtig rein. Ich habe zu viel erwartet. Springen wir besser zum letzten Tag.

15.1., Tag6

Die Wutkraft kehrt zurück.
Denn der letzte Morgen des Festivals beginnt äußerst verwirrend. Aufgrund von Unstimmigkeiten und Missverständnissen werde ich recht gewaltsam aus dem Gasthaus geworfen. So startet der Tag mit irrem Stress und ich muss so schnell ich kann meine Sachen zusammenpacken. Eigentlich wollte ich unbedingt zum Singing Circle, da ich sonst nicht hingegangen bin. Mit vollbepackten Sachen laufe ich los und erinnere mich daran, das Laura ein neues Appartment gemietet hat aber nicht eingezogen ist, weil sie ihr altes doch nicht aufgeben wollte. Ich meldete mich kurz an und zog rasch ein, um sogleich ins Forgotten Land zu gehen. So hat sich alles auf wundersame und recht verrückte Art gefügt… die riesige Wut in mir kann ich nutzen und transformieren als ich zur zweiten Hälfte der abschließenden Vormittagssession 5 Rhythms hinzustoße (die erste musste ich ja leider verpassen).
Die folgende Transformation ist fett, und ich verwandle mich wieder in den Schwan. Die gleiche Atmung, der gleiche Puls, die gleiche Wutkraft (danke für die Wutkraft, danke fürs Trauma).
Und das hochgradig infizierende Finale – das Source Game – ist ein abartiger Spaß: in der Mitte ein Ball aus Leuten die Source sind und ein jeder kann zu jeder Zeit immer wieder rausfliegen und auf reisen gehen und dann zurückkehren. Schweiß, und beim rumfliegen bin ich in der vollen zweiten Verwandlung. Rasend durch den Raum … totale Freiheit wie nie zuvor. Wir sind wie im Fieber – diese Session ist der krönende Rausch.

Und nachdem ich einen weiteren hochpotenten Kakao mit einer lebensgefährlichen Überdosis Vanilla und etwas Honig in Cashewmilch genieße, kommt das knusprige warme, herzensfrohe Finale. With such an intensity – der letzte Tanz mit Tikki, und alle laufen singend und tanzend aus dem Forgotten Land hinaus ans Meer, der Sonne entgegen, dem Sonnenuntergang, howling, singing and hugging the holy shitness of it all: Ich verbinde mich tief mit meiner kleinen Berliner Gruppe, durch sehr langes Umarmen und sehr langes Teilen – wie schon zuvor bei einer der Sessions es zum Teilen unserer Leidenschaften kam.

Das Festival übertrifft alle Erwartungen die möglicherweise dagewesen sind, doch in Wirklichkeit ist es so, das ich Erwartung und dessen kleine Schwester Vorstellung vor dem Start in die Wüste geschickt habe, wo sie einer Familie von Skorpionen möglicherweise ganz schöne Verwunderung beschert haben. Stattdessen habe ich den immer öfter bestellten Weisen =Mal Gucken Was Passiert= eingeladen, der mich seinen Namen getreu in heilige Überraschungsmomente geführt hat. Die mit Abstand intensivste Woche die ich wahrlich je erlebt habe. Es hat sich alles gelohnt! Alles! Alles!
So viel Liebe, Bliss, Sharing, Verbindung, Berührung, Intensität, Freiheit, Prozess, Learning, Abundance – und natürlich Tanz gab es seit Jahren nicht mehr, oder sogar noch nie?

Und das witzige am Ende des Festivals:

Nun habe ich plötzlich zwei Zimmer, Küche, Bad und das zu einem Superpreis von zehn Euro pro Nacht (liebevoll heruntergehandelt). Und der werte Jesus wacht über meinem Bett.

I AM Grateful for Everything. Ich danke allen Supportern und Freunden die an mich glauben und unterstützen!

Ich bin voll angekommen.

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Von Berlin nach Arambol

Ja, ja… auch dieses Kapitel sollte früher das Licht des Blogs erblicken, ich weiß, ich weiß.
Ziemlich knapp dran mal wieder.
Ich hetze von der Bushaltestelle zurück zur Oma, um das dicke Schuhwerk abzustoßen, der Blick auf die Uhr im Handy lässt den Schweiß nicht weniger werden. Und verpasse den Bus. Laufe zur Bahn. Fahre zum Flughafen, telefoniere mit dem Cluster. Der wünscht alles gute und freut sich sehr.
Warum immer so knapp? Die Nerven liegen blank. Beim Herauslaufen aus dem Bahnhof Beusselstraße will der Busfahrer bereits die Türe schließen, sieht mich aber losrennen wie den jungen Kojoten und wartet bis ich bei ihm bin, und los gehts, Beep Beep…
Europa ist wahrhaftig die Kathedrale des Stresses. Geheiligt werde sein Name.

Und Dr.Insomnia will nicht weichen – diese Infusion ist eine dreifache Dosis und stellt wirklich alles in den Schatten.
Siebenundfünfzig Stunden. Über den Daumen gepeilt, sind es am Ende…
Zehn Uhr morgens.
Die Turkish Airlines Flüge sind sanft, ja fast zärtlich, und die Verpflegung ist eine einzige Überraschung. Reis mit Curry und Hummus, total vegan? Ich kann es kaum glauben. Der Film ist atemberaubend und ordnet sich geradezu unanständig in die tatsächlichen aktuellen Begebenheiten der so called Reality ein. Es ist der neue von Luc Besson. Verspuhlt, spirituell, psychedelisch, atemberaubend…
Die Verbindung ist so zackig gelegt das ich richtig ins Schwitzen komme als ich in Istanbul zur Boeing 777 hasten muss. Der erste Flieger hatte etwas Verspätung gehabt. Ist hetzen denn eigentlich das Supermotto, oder was?
Start und Landung weich wie Watte, und ich betrete Indien um sieben Uhr morgens.
Es gibt keine Wechselstuben außerhalb des Flughafens, aber das sagt einem irgendwie keiner, und dann lassen sie einen nicht wieder einkehren.
Hm, irgendwie der Wurm drin heute und dieses Internetcafé ist viel zu kalt ich muss rausgehen. Tja was soll’s… dann morgen wieder. Moment mal, das darf hier gar nicht stehen, das ist nur eine Notiz für mich, das hast du nicht gesehen!
Setze mich erst einmal hin, neben eine kleine Palme an einer verwinkelten Ecke am Rand eines Beetes, und dampfe etwas Blaubärkuchen. Die Luft ist angenehm mild, aber es ist nicht besonders warm (und um ehrlich zu sein, frischer als erwartet). Genau richtig. Aaah, mal n Moment entspannen. Durchatmen. Kleidung wechseln. Kakaobohnen snacken. Das ich keinen Schlaf gefunden habe, macht sich jetzt nur in dem Sinne bemerkbar, das ich sehr gedämpft bin, sehr ruhig. Nun, es ist immer sehr befreiend aus dem Flughafengebäude zu kommen und endlich einen ruhigen Moment für sich zu haben. Besonders, wenn der Winter, zahlreiche Check-ins und Check-outs, Passkontrollen und Warteschlangen hinter einem liegen. Ja, das ist immer ein fast heiliger Moment.
Ich gehe ein wenig umher und schaue wer alles durch die Gegend streift und stelle fest das es nicht viele sind. Scheinbar niemand der mir mal erklären könnte, wo es zu einer Wechselstube geht. Ein etwas absurder Start – in Thailand kann man Geld wechseln wenn man aus dem Hauptbereich des Flughafens in die Vorhalle kommt, und diesen Bereich auch immer wieder betreten, und fröhlich einkaufen wenn einem der Sinn danach steht, oder, ganz nach unten zum Zug gehen, um in die City zu kommen. Demnach bin ich das also gewöhnt. Aber was solls. Die erste Herausforderung hat begonnen. Schließlich fragt mich jemand ob ich ein Smartphone besäße (natürlich nicht, Smart sein heißt heutzutage so etwas wie den Verstand verlieren) und wir kommen ins Gespräch. Der überaus großzügige Londoner Halb-Inder hat seinen Pass verloren und gibt mir zum einen seine letzten 23 Rupien, und zum anderen eine exakte Beschreibung wie ich von diesem zum Domestic Airport (wo es eine Wechselstube gibt), UND von dort aus weiter bis zum Hauptbahnhof gelange.
Dann begleitet er mich nach draußen, wo wir auf den entsprechenden Bus warten und schiebt mich dort hinein – die Fahrt kostet quasi nichts. Die Sonne geht auf und es wird langsam warm. Ich werde zwischen zwei Kreuzungen – einfach mitten auf der Straße – rausgeschmissen und beeile mich zum Fußgängerweg zu gelangen. Kleine Pause, und ich genehmige mir ein paar meiner Walnüsse, Keimlinge, weitere Kakaobohnen und geschälte Hanfsamen (einfach der perfekte Snack, und ich bin überaus glücklich über meinen wohl bedachten Proviant). Schließlich finde ich den Weg zum Domestic und zur Wechselstube. Der weitere Weg führt mich zurück zu einer der Kreuzungen, wo mich ein paar Inder zu dem Glauben bekehren wollen, das es ein meilenweiter Fußmarsch bis zum nächsten Bahnhof sei, und so was wie Busse hier gar nicht existieren würden. Ihr Taxi, oder das Taxi eines Bekannten, oder das eines Bekannten eines Bekannten, sei hingegen eine ganz wunderbare Möglichkeit diesen wirklich weiten und strapaziösen Weg zu überwinden.
Ich hab zwar nicht geschlafen, aber der Kakao hilft meiner Konzentration. Ich lasse mich nicht beirren. Die Beschreibung meines Londoners stimmt, das ist mein Glauben. Ich überquere also die mehrspurige Straße, werde beinahe überfahren, und gelange nach ein wenig Fragerei zu einer Bushaltestelle keinen Kilometer entfernt auf der linken Seite. Ich erfahre das jeder Bus zur Bahnstation Vile Parla Station fährt und mache ein paar fleißige Dehnübungen (so viel zum Thema Beharrlichkeit). Es dauert nicht lange da kommt auch schon der Bus und es geht so schnell, da esse ich in der Fahrkartenhalle auch schon ein paar Bananen und trinke das erste Wasser seit fünf Stunden im Flugzeug – puuh das war nötig. Die folgende Zugfahrt durch die dreckige, heruntergekommene Stadt ist -da-fällt-doch-dem-jungen-glatt-das-wort-aus-dem-mund-: Arbeiter in Scharen hacken mit allerlei Werkzeugen die Kieselsteine aus den Schienen – warum um alles in der Welt auch immer – der Smog ist mit dem bloßen Auge erkennbar, Ghettos und Wolkenkratzer (offenbar Bürogebäude) nebeneinander und die Sonne steigt langsam auf den Zenit ihrer Kraft. Ich stehe in der Tür und die Zugluft weht mir um die Ohren. Nach etwa einer Stunde trifft der Zug in der Churchgate Station ein, und ich frage mich von dort aus Richtung CST Station durch. Mitten auf dem Fußgängerweg spricht mich schließlich ein Inder an und verwickelt mich in ein Gespräch und wird mich die nächsten vier Stunden komplett begleiten.
Der herzensgute Mann führt mich zur CST Station und zum Fahrkartenschalter. Die CST Station ist eine britische Burg! Ein riesiger Bau mit Türmen und Stuck, und wirklich ansehnlich! Fünf Stunden hat es bis hierher gedauert mit Verunsicherungen, Stress, und gefährlichen Straßenüberquerungen.
Der Mann am Schalter gibt mir einen Zettel zum Ausfüllen der Formulare und ich erhalte dann das allerletzte Ticket für den Nachtzug mit der Nummer 10111 im Schlafabteil.
„Lucky Man!“ sagt der Beamte zu mir. Ich fahre also wirklich gleich weiter nach Goa und brauche keinen Bus zu nehmen (well, ich würde auch keinen einzigen Tag länger in diesem Moloch Mumbai verweilen!).
Jetzt noch fix den Rucksack in die wohl behütete Bahnhofsverwahrung gegeben…
Mein Begleiter führt mich hinaus aus dem überdimensionierten Bahnhofsgebäude in die verwinkelten Gassen des nahen Marktes, welche von dem Gebäude abgehen. Es riecht nach Gewürzen und anderen Dingen. Jetzt erschüttert mich meine Schlaflosigkeit mit voller Härte. Ich kann mich kaum noch konzentrieren und bin sehr ruhelos. Das bemerke ich besonders als ich vier Pakete Curry und ein Paket Kardamom kaufe, obwohl das merklich auf mein Budget schlägt da ich erst einmal nur 25 Euro gewechselt habe – und nun mit Hilfe meines Begleiters noch etwas nachwechseln muss. Kopfschmerzen kommen hinzu.
Ich lade meinen Begleiter noch auf einen Chai und an einem anderen Ort auf ein Veg Thali ein und gebe ihm am Ende, als er mich nahe des kleinen Restaurants an einem Hostel (das eigentlich nur für Inder gedacht ist) verlässt, noch 300 Rupien in die Hand. Er ist enttäuscht, doch andererseits hätte er wirklich von Anfang an sagen können das es ihm ums Geld geht. Es ist irgendwie zweischneidig: Ich bin mir nicht sicher ob es nur deswegen war oder ob er die Zeit mit mir, wie ich dachte, auch ohne Hintergedanken genossen hat. Nun, in dem Hostel kann ich nicht schlafen, weil die Inder die dort herumhängen unglaublich laut sind, aber immerhin kann ich mich hinlegen, ausruhen, meditieren und duschen. Diese Dusche hilft und bringt mich wieder ein wenig auf Trab. Ich entspanne mich und denke das die Gewürze doch schließlich eine dufte Sache sind und ich sehr dankbar für meine herzensguten Helfer des Tages bin ohne die ich jetzt nicht schon den Nachtzug nach Goa nehmen würde. Also los jetzt ab zum Bahnhof. Es fügt sich alles ganz wunderbar, in meinem Abteil sind die ersten Touristen mit denen ich mich austauschen kann. Jeweils drei Betten sind übereinander gereiht, und es gibt keine Bettwäsche oder Vorhänge. Dies ist offenbar die günstige Klasse…
Es gelingt mir dennoch endlich zu schlafen, immerhin sechs Stunden.
Am Morgen geselle ich mich zu dem Engländer auf die andere Seite, und wir trinken etwas Kaffee und Chai (ja, nicht vegan). Ich schmökere ein bisschen in seinem Lonely Planet. Und dann sagt er er würde mich ins Schlepptau nehmen und das Taxi bezahlen, was mich nach Mapusa bringt und ihn woandershin. Die morgendliche Stimmung ist ganz angenehm. Als wir aus dem Zug steigen, hat die Sonne bereits ordentlich Kraft – wir überqueren eine Brücke und der erfahrene Indienreisende verhandelt mit den Taxifahrern auf der anderen Seite ohne Gnade. Die Fahrt ist erfrischend und nun löst sich der industrielle Wahnsinn der Flughäfen, Städte, Bahnhöfe und Autos in palmengesäumtes Wohlgefallen auf. Die Natur kehrt endlich zurück.
Nach einer allerletzten überfüllten Busfahrt werden mein neuer deutscher Begleiter und ich in Arambol an der Busstation (die es nicht gibt) abgesetzt.
Wir laufen los Richtung Strand. Meine Stimmung steigt massiv an und mein Gesicht erhält das Lächeln das der neuen Situation gebührt. Und dann, nicht allzu lange Zeit ist vergangen, als wir gerade an einem Kokosnusstand halten und die Lage checken wollen, genau dort wo sich die Straße nach rechts verabschiedet und auf der andere Seite ein Weg wohl Richtung Strand führt, wird mein Name gerufen. „Paolo?“ erst relativ zaghaft, ich nehme es kaum wahr. Noch einmal. „Paolo!“ ein Ausrufezeichen versetzt dem Ruf einen merklich lauteren Ton. Wer kann mich hier rufen? Ist es der Pascal vom Ecstatic? Hä? „Paolo!!“ Ich drehe mich nach allen Seiten. Und da sehe ich sie: Zwei Berliner Bekannte, aus der Kreuzberger WG. Ich fasse es nicht. Mein Grinsen wächst und wird so breit wie ein Sumoringer. What the?
7.Januar, 12.30Uhr.
„Was um alles in der Welt macht ihr denn hier?“ Ich laufe hinüber. „Hast du schon gefrühstückt?“ Perfekt, hey. Auch mein Begleiter gesellt sich hinzu und wir bestellen etwas das kleine Bohnen enthält für unfassbar wenige 20 Rupien und haben das Glück das sogar noch zwei Extraportionen nur halb angerührt worden sind, die wir uns schon reinpfeifen bevor unsere eigentliche Bestellung eintrifft. Und wir reden und reden und reden. Diese Synchronizität ist außerordentlich und nach dem entspannten Frühstück weisen mich Flo und Eva direkt mal in die Wunder Arambols ein. Also so etwas habe ich auch noch nicht erlebt. Die hohe Schwingung ist bemerkenswert. Wir laufen über die Hauptstraße entlang, zahlreiche Geschäfte links und rechts, die alle Art Waren wie Gewürze, Kleidung, Stoffe, oder Musikinstrumente anbieten. Ich sehe Stahltrommeln. Wie gerne würde ich eine davon kaufen. Ein Auto kommt uns entgegen mit 777 auf dem Nummernschild. Alles ist gut.
Wir verlassen die Straße in eine kleine Gasse nach rechts, bevor es zum Strand geht, und der Weg schlängelt sich durch eine weitere Gasse und an einem Haus entlang. Dieses Haus hat ein Dach und wir steigen über eine Treppe in die erste Etage, wo Zelte aufgeschlagen sind. Dann setzen wir uns und ich krame die Musik heraus und wir hören „The Souljazz Orchestra“. Und wir reden und reden und reden. Bis ich irgendwann die Poi raushole und feierlich spiele während ich den traumhaften Ausblick auf die Palmen und den Spalt aufs Meer genieße. Wie könnte man sich eine bessere Ankunft vorstellen?

India Introduction

„Dear Sears and Madame,
Herewith I declare that the intention for my travelling to India is purely for touristic reasons. I will be on holidays in Goa.
The main reason for my journey is to be part of a workshop for dancers and meditators called „Goa Ecstatic Festival 2018“ at Arambol Beach, where I am a helper. Ecstatic Dance is a dancing meditation invented by Osho (born as „Rajneesh“ Chandra Mohan Jain), an Indian Yogi and Philosopher.“

Der indische Visaantrag muss über eine Agentur abgewickelt werden und ich bin so spitzbübisch und schreibe das ich Freelancer bei Self-Employed bin, genauer: Writer.
In Kombination mit einem ganz besonderen Anflug von Witz auch noch hinzuzufügen ich sei früher Social Worker/Charity gewesen bringt die pfiffigen Beamten so aus der Fassung, oder besser gesagt auf die Palme, das wir alle miteinander in ein ganz wunderbares Durcheinander geraten. Ja, ist denn erahnbar in welchen Zusammenhang diese Raufbolde solche Dinge bringen? Nun bin ich auf einmal ein sozial engagierter Journalist mit politischem Motiv auf einem Feldzug gegen die Ungerechtigkeit der Welt, diesmal eindeutig das arme Indien im Visier, das gar nichts dafür kann. Ich habe ja schon Thailand und Kambodscha aufgemischt und Revolutionen angezettelt – wegen mir gibt’s nur noch feinstes Porzellan, Marmeladengläser und Bio-Hanf-Kleidung in Bangkok, wohingegen sie in Kambodscha jetzt alle vegan sind und den Müll trennen.
Okay, also ein kleines Feuer bricht aus, mentales Gerangel über die Strippe, oder 3G, als ich ihnen ein bisschen Dampf mache – hab da schon diesen ganz besonderen Silvesterflug im Auge (meine Reiseberaterin war so freundlich) und naja, schaut mal, mich verbindet da was besonderes mit eurem Land, und das nicht erst seit gestern um zweiundzwanzig nach zwölf, bei manchen ganz ausgefuchsten auch Mittagspause genannt.
Das sage ich Ihnen so natürlich nicht, vielmehr drücke ich, aufgrund der Dringlichkeit, pünktlich beim Festival anzukommen zu müssen, auf die Tränendrüse. Eine echte Zerreißprobe! (ich meine soll ich ohnmächtig werden, nach allem was ich durchgemacht habe; der werte Leser wird noch erfahren was genau ich meine). Die Mitarbeiterin gibt auf und mich weiter an eine andere. Die schwingt ihre Stimmbänder brachial durch mein billiges Samsung, das mir fast das Trommelfell platzt.
Ich solle Geduld haben – ich hätte ja draufgeschrieben ich sei ein Writer.
Ja, herrjemine, doch aber nur, weil das so ne flinke Idee war, in Hinblick darauf das euer Paolo Jones nach so langer Zeit aus gegebenem Anlass diesen Blog wieder aktivieren will und das doch ganz gut passe – hätte ich gewusst was fürn Gewitter losbricht, hätte ich meinen Regenschirm mitgenommen und in der größten Pfütze getanzt (dann stände da bei Occupation „Superfoods Doktor. Tänzer. The Living Phenomenon. Handle With Care.“)…

Ja, aus gegebenem Anlass. Feierlichem Anlass. Großartigem Anlass. DEM Anlass.
Denn, liebe Freunde, Indien hat sehr geduldig auf mich gewartet.
Es stand auf der Agenda, dem Plan, der Liste, dem Wunschzettel, der Empore, im Rampenlicht, von Anfang an. Vorhang auf für das große Land. Bühne frei für ein neues Abenteuer, in der Ferne, weit weg vom Bioladen um die Ecke, in einer anderen Dimension… (der fünften)…
Doch ganz ehrlich, so ganz genau weiß ich selbst nicht mehr wie das damals alles begann…

Anno 2009…
Eine Gruppe junger Wilder bester Laune erfreut sich des Sonnenscheins und stürmt geradewegs auf die Eisdiele zu, zur Feier des Tages, mitten in Berlin.
Es ist Hochsommer und die Energie ist hoch. Vorfreude und Spannung geben sich das Stelldichein, tanzen gemeinsam in der Hitze des Moments, und Neugier winkt von weitem mit einer Kugel Kokoseis, feierlich, als wolle sie sagen: Ich möchte bei der großen Sause dabei sein, kann ich mich zu euch geselligen?
In der Tat steht eine Sause bevor, eine massive, dicke, fette, geheime, nur von Eingeweihten besuchte, Sause. Das Sea U Site 2009. Die unglaubliche, dreizehnte Fusion ist gerade mal ein paar Wochen her, wo Michael Jackson sich verabschiedet hat und die selbsternannten Würfel Mutanten ihm die letzte Ehre erwiesen haben, indem sie die gesamte letzte Nacht auf grün beleuchteten Wassertanks spielten – und zwar mit Stöcken, Campinglehnen, Flaschen, Füßen und was sie nicht noch alles auftreiben konnten. Das Sea U Site hingegen beginnt am gleichen Ort, dem Kulturkosmos-Gelände, mit einer Schnippseljagd. Wo ist die Sea U Site? Folgt den Zeichen und nicht dem weißen Kaninchen, ihr Trottel. Ist hier der Grundstein gelegt worden?
Die Inspiration kommt seitens einer ganz besonderen Frau, oder sie bringt nur den entscheidenden Wink und die Idee befand sich bereits in meinem Kopf oder dem Herzen; weise und geduldig wartend auf den Moment der Aktivierung.
Fakt ist, das wir beide uns von Anfang an lieben und gemeinsam nach Indien fahren wollen. Wir verleben ein ganz besonders Festival miteinander, das uns eng verbindet – wann genau das Thema Indien zur Sprache kommt kann ich nicht mehr sagen, doch es wird in den kommenden Monaten nach dem Festival geschehen sein.
Ich kann auch nicht mehr sagen ob sie bereits selbst hinflog und dann im kommenden Jahr nach ihrem Trip bei mir einzog, sicher ist nur, das ich nach meinem ersten großen Reiseziel suche und sie bei mir den Sommer über wohnt, bis wir uns hart zerstreiten und ich aufgrund von psychischem Stress im Herbst des selben Jahres (wir reden jetzt von 2010, meine werten Leser, nur um keine Verwirrung zu stiften. Verwirrung schummelt sich gerne unters Volk, in Kneipen und nicht selten in unfertige Texte), mithilfe eines plötzlich aus dem Nichts auftauchenden Fremden, der einmal als Steward bei Lufthansa gearbeitet hat, für ein anderes Land entscheide. Wie die Geschichte weitergeht, wissen alle die diesen Blog gelesen haben, mich mal zufällig in einem merkwürdigen Winkel dieser Erde getroffen haben oder sich gut aufs Raten verstehen. Es gilt die Devise: Psychatrie oder Ferne. Es geht um Leben und Tod. „Warum nicht alleine nach Indien fliegen?“, Hey, hey hey, Zuhörer in der elften Reihe, Sitz 11, du auf dem billigen Platz, ich muss dir sagen: Gute Frage.
Es hat zutun mit der Intuition nehme ich an. Die kommt hier noch öfter vor, mal nebenher bemerkt, sie ist vermutlich sogar die heimliche Hauptrolle, denn sie ist mittlerweile äußerst präsent…
Irgendwie ist da vor sieben Jahren, siebzehn Wochen, und n paar Zerquetschten, Angst im Spiel. Unter anderem. Doch im Grunde ist es ja dieser Fremde der meint: Dieses andere Land da, noch ne Ecke weiter, kann ich mir gut für dich vorstellen.
Das wird dir bestimmt gefallen.
In wie vielen Träumen wandelte ich bereits an einzigartigen, seltsamen, magischen, mystischen oder farbenfrohen, doch in jedem Falle fremden Orten durch Indien. Fremd und doch vielleicht seltsam vertraut? Da gab es diesen einen Traum, in dem ich durch endlose Gänge voller Kleider und anderer Dinge, alles skurril verwinkelt, auf der Suche nach irgendetwas oder jemandem oder überhaupt gar nichts, Teppiche streifend, durch den indischen Traumkosmos wandelte.
Es war immer im Hinterkopf, jahrelang, bis es von diesem anderen Land, und anderen Zielen endgültig verdrängt wurde. Jetzt war es raus aus dem Kopf. Kam nicht mehr in Frage.
Wie gelangte es denn dann nun aber wieder auf die Agenda, den Plan, die Liste, den Wunschzettel, die Empore, das Rampenlicht? Gar nicht. Es brach geradezu gewaltsam, urplötzlich, aus dem Nichts, wieder auf, brach ein, donnernd wie ein Hochgeschwindigkeitszug, als wolle es sagen: Du kannst mir nicht entkommen, du kleiner Wicht! Oder auch: Hey, naa, mich vermisst?
Das es von so einer völlig anderen Ecke reinrast, nachdem ich es bereits losgelassen hatte, ist absolut erstaunlich und überraschend. Ja es überrascht mich sozusagen auf eine wirklich ganz erstaunliche weise. Mir fehlen die Worte. Ich bin sprachlos. Völlig verblüfft.
Was mich mit diesem Zug immer schon verbunden hat, ist die Musik. Der psychedelische Klang der Sitar, damals, nie zuvor gehört, auf dem majestätischen Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band, back in 2003, um, so vermute ich, ganz an den Anfang zu springen. Dann die Ozric Tentacles und Thievery Corporation, auf deren „Cosmic Game“ sich die indische Sängerin direkt in mein Herz singt, mich im Sturm erobert (und später andere, was mich zu dem Schluss bringt das sie für mich zu den besten der Welt zählen).

Die Musik.
Und diese bringt mich auch wieder auf die selben Gleise mit dem Zug – wir prallen erneut aufeinander, verschmelzen in der Musik, dem ekstatischen Tanze, in einer Kollision der Extraklasse, eine Explosion, ach was schreibe ich… Dieser Tag, diese Stunde, dieser Moment als wir aufeinanderprallen, kann nur als hell strahlende, gewaltige, konfetti-lastige Supernova im Sternquadranten Knallbunt 55,77 bezeichnet werden. Mit einem atomaren Vollkacharo stirbt das Alte und wird das Neue geboren. Sonderbare Wesen mit Tentakeln und einem intergalaktischen Sinn für Humor schnappen sich ihre letzten glutenfreien Himalaya-Salzstangen, zart gedünsteten Gemüsechips und Kosmobucha, mit einer Reife die einen an den Rand der Hypersinnlichkeit befördert (Raum der Tetrakraftfelder, nicht zu verwechseln mit der Ultrasinnlichkeit, Anm. der Red.), und genießen die Show.
Wir schreiben den 2.Nov 2017, und seht doch! Die humanplanetarische Leberreinigung nach unserem berühmten Mr. Moritz, sorgt für außergalaktische Progressivität* in Angelegenheiten der Entgiftung und Ernährung, die zu einem enormen Höhepunkt führt, noch durch gleichzeitige Darmsanierung und Nierenreinigung auf die Spitze getrieben! Meine Yings und Yangs, Tentakel und Veganer, das ist hier nicht irgendein Firlefanz aus der achten Dimension, das ist eine neue Folge von „The Living Phenomenon und der Kakao der Dreifaltigkeit! Oder wie der Flummi über den Boden fliegt!“ Ja, genau, seid euch darüber im Klaren, das hier die Gesetze des Außerordentlichen außer Kraft gesetzt werden, und kein Kakao mehr fermentiert wird! Übertragen auf Sirius 5, Beteigeuze 42, dem neunten Quadranten der schleimigen Kröte, Schlaraffenland, Alpha Centauri, den Pleiaden und heute ausnahmsweise sogar einem kleinen Reissack namens Bancha Bio. Eine sich wie Kaugummi hinziehende Woche dauert es bis die außergalaktische Progressivität ihren Höhepunkt erreicht. Involviert sind hier Lord Unruhe, Dr.med phil. Insomnia, Bio-Datteln und ein unheimliches Streitsgespräch. In Folge des Konflikts tritt unsere heiß diskutierte Mrs. Unsicherheit, gerade aus dem Urlaub zurück, aufs Schachbrett und bringt alles noch mehr durcheinander. Nun findet die Befreiung statt. Doc Insomnia gibt nochmal alles, die Dampfe kehrt zurück und großer Rappel geschieht.
Doch schaut selbst.

Alles ist in Bewegung. Schreibtisch und Notizen werden endlich geordnet, er denkt an alles was er jemals wollte, und führt ein langes Telefonat mit seinem Cluster, und findet heraus, findet heraus, findet heraus. Die halbe Nacht in den neuen Monat, zur Halloweenschen Geisterstunde, verbringt er klärend, räumend, ordnend, strukturierend.
Besorgt CBD, und die außergalaktische Progressivität findet endlich ihren Höhepunkt.
Das Menü: CBD, ein kleiner Espresso mit Kokosmilch, die zeremonielle Dosis unfermentierte Kakaomasse aus Belize von Rohkao und 15 Kakaobohnen über den Abend verteilt.
Die Nacht davor kaum ein Auge zu bekommen, er hat. In für ihn typischer Hektik klappt alles im letzten Moment, die Bereitung des Kakaos geschieht etwas hastig und nach dem Abendessen.
Doch alles ist gut, denn alles ist late. Tikki Masala spielt. Hallo, Intuition (ja, hier ist sie wieder) und hab vielen Dank.
Qi Gong und Stretchings bilden den Auftakt, in einer gemütlichen kleinen Ecke am Rand, nahe der Säule.
Jetzt seht ihr es: Alles schüttelt, alles dreht, alles schwitzt, alles tobt. Der indische Breakbeat holterdipoltert durch den Kosmos und lässt alle Sterne leuchten.
Und inmitten der Szenerie die Dampflok, die Kollision, das Innehalten, so hin etwa wie damals bei der Reincarnation 2010, als die halbe Shiva richtig losdonnerte und ihm einen trockenen Orgasmus bescherte, gerade als der Bass von unten zurückkehrte, den Boden unter den Füßen zerschmetternd und alle Gedanken in Stücke zerfetzend.
Ein Innehalten und plötzliches Visualisieren: Alle im Raum anwesenden zerplatzen, zerreißen. Explodierende Köpfe und donnerndes Grollen. Mörderische Wut. Und er denkt einfach nur: „Hey, was ist denn jetzt los? Ich liebe diese Menschen, ich bin gerne hier und dankbar für sie!“ Diese Gegenerkenntnis zu dem was vor seinem inneren Auge geschieht, hebt ihn auf eine andere Ebene. Er beginnt zu weinen.
Seine Schilderung, eine Liebeserklärung: „Da stand ich nun. Im Wechselbad der Gefühle. Auf die mörderische Wut (die seine Seelenpflegerin und jahrelange Begleiterin in existenziellen Angelegenheiten einmal ebenso anstoßend ins Spiel brachte wie das Wort Selbstsabotage), folgen Trauer und Tränen, und auf einmal verändert sich nicht nur meine gesamte Wahrnehmung, sondern auch meine Atmung. Ich verwandle mich.
Es ist mir alles egal. Weder irgendjemand in diesem Raum, noch die Vergangenheit oder Zukunft, oder irgend etwas ist noch von Bedeutung. Das einzige was zählt ist der Tanz. Unheimlich, gar düster, und total im Moment, schaue ich durch den Raum, und die besagte Atmung ist tief und schnell (irgendwo zwischen Feueratmung und Meditation, vielleicht entfernt vergleichbar mit dem Schnauben eines Bullen vor dem roten Tuch). Und ich muss an Black Swan denken. Genauso fühle ich mich. Ja, genau, das ist es. Ich bin der schwarze Schwan. Und ich rase, renne, tolle, drehe, springe durch den gesamten Saal wie es noch kein Irdischer zuvor gesehen hat. Die Säulen sind meine Tanzpartner, die lange Heizung meine Komplizin – alles dient der Beschleunigungshilfe – das der Schwan in den nächsten Gang schalten kann. Wie Katapulte, die ihn höher hinaus schleudern, in die weiten des Kosmos, higher and higher we go. Der Schwan schwimmt nicht länger, er fliegt. Und so geht das eine ganze weile. Die Bestimmung. Die Erinnerung an die Bestimmung. Das innere Kind. Ja, genau, ich wollte immer Tänzer werden, von Anfang an, als Michael Jackson das erste mal auf unserer Mattscheibe erschien, Anfang der 90er. Tikki hält den Musikwaggon kurz an, eine Pause, Durchatmen, es ist ganz schön anstrengend. Gut, das jetzt mal ne Verschnaufpause kommt. Aber während der nächsten Welle liebäugele ich mit der linken Säule am Ende des Saals… Und verwandle mich diesmal in Michael. Erstaunlich viele Bewegungen, Abwechslung und Stile, ich bin selbst erstaunt welch mannigfaltige Kombinationen ich hier zum Besten gebe – ich bin frei und war noch nie so frei. Mal frech, mal sexy, dann überaus witzig und komödiantisch, fast wie ein Clown, und dann wieder ganz seriös, fordernd, cool – und superschnelle Drehungen, nach oben, unten, rechts, links, vorne, hinten, wirbelnd, drehend, schiebend, gleitend, hart, weich…
Ja, das bin ich. Ich bin zurück. Ich bin wieder da.“
Draußen sieht er nach diesem Bombast einen Flyer: Goa Ecstatic Festival.
Und noch einen: Wutkraft.
Er weiß, das er dort ist. Er weiß, das er alles daran setzt, dort zu sein.
Dies wird in Fachkreisen mitunter als Zeitsprung oder Shifting Timeline bezeichnet.

„How is the situation with my Visa, visa Number…“ „Whos there?“ Ich nenne meinen Namen. „We know your name! Its in the work. 3 working days“… Hm, schnell rechnen, aha, das ist ein Samstag, der 30., das wird nichts, aber ich habe ja den Silvesterflug ohnehin längst aufgeben und mich stattdessen mit dem einen besonderen Soulmate verabredet, den ich damit zum ersten mal seit etwas über einem Jahr wieder sehe. Alles ist genau so, wie es sein soll (warum aber ist es so, das wir dazu neigen, dennoch wieder gern auf die Barrikaden zu steigen?).

Vertrauen, Mr. Vertrauen!

Tikki hat fertig gespielt. Der Closing Circle zuende. Alles ist hell erleuchtet. Michael „Black Panther Swan“ Jackson genießt das Jetzt. Ein bisschen ausgepowert, aber nicht zu viel; eine Linsensuppe im Visier. Und unterhält sich feierlich mit Makasi, völlig begeistert von der Tatsache das es gar nicht anders geht als auf diesem Festival zu sein.

Trust!!!
Das neue Jahr ist groß und ich bin ich dankbar es mit meinem Soulmate gemeinsam begrüßen zu dürfen.
„Hush. Its okay. Dry your eye. Soulmate dry your eye. Cause soulmates never die“ singt Brian Molko, als wir Placebo lauschen. Ich bringe sie zum weinen. Seit Jahren habe ich nicht mehr so ein wunderschönes Silvester erlebt. Um genau zu sein sechs Jahre. Da verbrachte ich es mit zwei anderen Soulmates in Marokko am Meer. Ansonsten gab es meistens nur die völlig sinnfreie Suche nach der perfekten Party, und wenn man dort dann tatsächlich mal landete, winkte Professor Überdosis mit seinem Hut und es gab den Absturz. Nein, diesmal sorgen wir dafür das wir uns vor Mitternacht in der Wohnung verbarrikadiert haben, die wir bis auf einen winzigen Gang zur Tankstelle am Neujahrstag, für geschlagene 42 Stunden (oder sogar etwas länger) nicht wieder verlassen.

Trust!!!
„Schick n Stoßgebet ans Universum“ sagt so oder so ähnlich der werte Pascal beim Ecstatic im Dezember. „Das mach ich schon die ganze Zeit!“, sag ich. Die Verzögerung des Visa ist eine Zerreißprobe, wahrlich, doch eigentlich ein weiterer guter Test in Vertrauen und Geduld. Das Universum gibt Rückendeckung. Alles ist gut. „Ich kann den Flug bezahlen, aber nicht das Festival“, sage ich. „Okay, pass auf, wir machen das so; du kommst in die Spaceholding Crew, da is noch genau ein Platz frei und es hat bis jetzt eh n Frauenüberschuss!“
Woah. Danke danke danke!

Trust!!!
Freudig betätige ich die Klingel meiner Postadresse, und ja, sie ist da, sie ist da.
Die Post. Der Pass. Das Visa.

„Aarg – wieso hast du dieses Kapitel mit diesen Worten nicht abgeschlossen?“
Hey, hey hey, Zuhörer in der elften Reihe, Sitz 11, du auf dem billigen Platz, ich muss dir sagen: Wieso gehst du nicht mal eben den Vorflur kehren, der hat schon seit etwa zwei Stunden keinen Besen mehr gesehen, und er ist äußerst Besenabhängig – also, bitte, er freut sich wirklich über deine volle, achtsame, liebevolle Aufmerksamkeit!“
Der Grund? Nun, wie auch bei jedem Ecstatic gibt es immer noch ein paar organisatorische Fragen zu klären…
Zum einen, Osho ist nicht der Erfinder vom Dance, doch das konnte ich zum Zeitpunkt der in äußerster Hektik verfassten E-Mail im Internetcafé Greifswalder Straße noch nicht wissen (ich ging davon aus weil mein erstes mal ein Mandala Dance und Tags darauf die Dynamic Meditation war, beides im Osho Center The Womb, Pai, und außerdem hat es funktioniert, das Wunderschreiben hat in der indischen Botschaft Berlin eingeschlagen wie die Fäuste von Terence Hill, und darauf kommt es an.
Die Frage wer den Dance wirklich erfunden hat, und wenn ja, wie viele, klärt sich im Kapitel über das Festival.

Trust.
Alles hat geklappt, alles ist genau richtig. Der Silvesterflug war eine witzige Idee (meine Reiseberaterin war so nett), doch viel zärtlicher und schöner die gemeinsame Zeit mit meinem Soulmate: Quasi der „Überflieger“…
Mein Dank geht an die äußerst freundliche Dame in der Botschaft für ihre tatkräftige Unterstützung, Geduld und Ruhe inmitten des Gewitters, und euch, werte Leser, die ihr noch viel geduldiger seid… schließlich war angedacht dieses Kapitel im Januar zu veröffentlichen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Chapter4. Trip zum Pambok Wasserfall

Kraft der Natur! Öffne dich mir! Ich gebe mich dir hin und atme deine Klarheit, lasse sie sich in mir ausbreiten wie eine kalte Kompresse auf dem unruhigen Geist des Großstädters, o Wonne der Frischluft, Reinheit des Baches, die den Göttern entsprungen sein muss.

Seht doch! Ein Spalt öffnet sich zwischen den massiven Felsen und das Wasser prescht triumphierend hinab in eine natürliche Badewanne ohne Quietsche-Entchen, kratergleich! Ein Schauspiel, gleichermaßen friedlich und gewaltig, entgeht dem Betrachter nicht ohne Jauchzer, und wenn doch, möge ihn sofort und ohne Umwege, also gewissermaßen auf der Stelle ein Frosch bepieseln für dieses Verhalten, denn es ist schändlich, oh himmlische Achtfaltigkeit, die du kreislich geschlossen die Ewigkeit umspannst, mit deiner Güte und Herrlichkeit!

Da kommt er, eingehüllt in Stein, stolz und mit Hall, der rauscht durch die Umgebung, der Pambok Wasserfall!

Sein beruhigendes Rauschen umspült die stressgeplagten Ohren sanft, schenkt Entspannung in einer sonst so lauten Welt, lässt einen innehalten und sich besinnen.

Mein Ausflug dorthin lohnte alle Mühe. Alle Mühe, nachdem ich mit dem Fahrrad bergauf und bergab gedüst bin.

Die Landschaft von Nordthailand ist überwältigend.

Überall Wald, Wiesen, Bäume, Palmen. Und diese massiven Berge mit ihren fruchtbaren Tälern. Die Vegetation ist reichhaltig und das Klima ist weniger feucht. Nur die Temperaturunterschiede sind etwas anstrengend. Denn nachts kann es sehr kalt werden, während es tagsüber heiß ist.

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Die Straße vor mir zog sich endlos in die Höhe, ich versuchte alles herauszuholen aus meiner Fitness, doch die Kraft reichte nicht aus. Ich musste mal wieder absteigen und schieben. Mal wieder, weil dies keine Seltenheit ist, denn mein Fahrrad war zwar gar nicht mal so schlecht, aber seine Gangschaltung reichte bei weitem nicht für diese steilen Straßen aus. Doch bei aller Anstrengung: Die Belohnung ist jedes mal atemberaubend. Denn bei dieser Abfahrt erreicht man eine solche Geschwindigkeit, dass einem die Ohren schlackern. Ich liebe das. Da spüre ich die ganze Freiheit des Reisens und des Lebens – ja, durch die Berge heizen mit dem Rad ist himmlisch. Dem Himmel so nah.

Auf diesem Weg ging es viele male auf und ab, nur unterbrochen von Zwischenstopps, um die Weite der Landschaft einzuatmen. Schließlich traf ich am Parkplatz vor den Toren des Wasserfalls ein und ging zu Fuß weiter. Dem Flusslauf folgend, über eine niedliche, typischerweise schon halb zerfetzte Dschungelbrücke, lief ich in Richtung des Pambok, aber hob ihn mir noch für später auf, folgte stattdessen nach rechts oben einem Pfad, der hinter den Wasserfall führte, wo der Fluss seinen Weg fortsetzte.

Dort entdeckte ich zwei Becken, in die man eintauchen kann, süße kleinere Wasserfälle und die ganze Schönheit dieser Welt. Nun, ich war etwas spät aufgebrochen, was ein bisschen Schade ist, denn es lohnt sicher am Fluss noch weiter entlang zu wandern und mehr von der Gegend zu erkunden, bei all der Pracht!

Ja, ich war etwas spät und es würde bald die Dämmerung einsetzen. Deshalb musste ich rechtzeitig wieder zurückfahren.

Doch vorher…

Herrliche Kraft des Bergwassers, versorge mich mit neuer Lebensenergie, spende Klarheit, lass mich erwachen im Körper, Geiste und der Seele!

Zwar hatte ich das so lebenswichtige Handtuch vergessen, aber ich war ja nicht per Anhalter unterwegs und lasse mich auch gerne mal von der Luft trocknen.

Nachdem ich also eingetaucht war in dieses herrliche klare Becken, war ich bereit mir Pambok anzuschauen.

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Und im Anschluss daran ging es wieder zurück durch die Landschaft mit dem Rad, aber noch nicht nach Pai, erst stattete ich noch dem Rice Harvest Festival in Tacome Pai unweit der Stelle, an der man Richtung Wasserfall einbiegen muss, meinen respektvollen Besuch ab, der etwa zwei Stunden andauerte und wo ich u.a. wieder auf Pontes stieß.

Das Rice Harvest Festival fand vom 26. – 28.12. auf der Organic Farm statt, die übrigens auch eine Volunteering Farm ist mit einem recht preisgünstigen Angebot für die ersten vier Wochen und danach kostenfreiem Aufenthalt.

Nun, mir war nicht nach viel Trubel zumute, war ich doch gerade ausgiebig durch die Landschaft gerauscht. Aber eine schöne Farm, dass muss man sagen. Ich genoss das Abendessen dort, führte ein paar Unterhaltungen und zog dann wieder ab.

Insgesamt ein guter belebender Tag, den ich morgens mit dem Wechsel vom Giant Guesthouse ins KK Hut begann, nachdem mir James aus der Zirkus Schule dazu geraten hatte. Das KK Hut wird von sehr herzlichen, lieben Thais geführt und die Preise sind fast schon zu gut um wahr zu sein. Dabei ist sogar Frühstück inklusive.

Zudem traf ich vor dem Trip in Pai noch auf einen Traveller, der mir von etwas speziellem berichtete; Dem Wat Tam Wua, einer Tempelanlage auf dem Highway Richtung Mae Hong Son, der unbegrenzte Retreats auf Spendenbasis anbietet, d.h. man kann kommen, so lange bleiben und so viel geben wie man möchte. Großartig! Genau was ich gesucht habe.

So wurde an diesem 27.12. nicht nur Klarheit in meinem Kopf geschaffen, sondern auch ein weiterer Grundstein für diese Reise gelegt, ich sagte ja im letzten Kapitel dass die Sache mit der Meditation als einziges noch fehle (und eine angenehme preisgünstigere Unterkunft).

Kraft der Natur! Eröffne dich mir! Spende mir Gelassenheit und neue Kraft! O Wonne der Frischluft, Reinheit des Baches, die den Göttern entsprungen sein muss!

Chapter 3. Das Reisen, das Universum und der ganze Rest

!!! Dies ist nicht der vollständige Artikel!

Ja, das ist wahr, auch wenn er so schon verdammt lang ist.

Aufgrund dessen dass er eben sonst zu lang ist, aber auch wegen dem ein- oder anderen brisanten Material wird er in dieser kürzeren Version veröffentlicht.

Bei Interesse könnt ihr euch bei mir melden und ich schicke dann gern die Komplettfassung per e-mail an euch.

Well… insgesamt ist sicher noch nicht alles ganz rund, aber ich bin froh, dass dieses Kapitel nun abgeschlossen ist und wünsche viel Vergnügen beim Lesen. Konstruktive Kritik und alles andere bitte auch gern an mich. Kommentare kann man hier ganz einfach hinterlassen.

Love+Light !!!

Endlich angekommen.

Viele Strapazen liegen hinter mir und ich bin äußerst erleichtert, dass diese nun vorüber sind.

Meine Gefühle zu den Dingen waren im allgemeinen eher unbefriedigend und hinzu kommt dass ich ja diese Krankheit auskurieren musste.

Die Zugfahrt nach Chiang Mai brachte einen ersten richtigen Höhepunkt und eine Wende mit sich, diese Zugfahrt war ziemlich witzig.

Man nehme einen alten Zug, der wirklich langsam fährt, vielmals Pausen einlegt und über einen wir-lassens-hier-mal-so-richtig-krachen-während-wir-frühstücken-waggon verfügt und Türen enthält, die am Tage nicht so ganz wissen oder vielmehr mit nachdrücklichem Wohlwollen vergessen haben, dass sie eigentlich geschlossen sein müssten. Nun packe man dieses Gefährt in ein exotisches Land und lasse es durch enorm beeindruckende hohe Berge brettern. Nun, es ist ein gewisses Happening, und diese Türen von denen ich hier voller Respekt spreche, sind keine gewöhnlichen Türen…

Sie sind intelligente Wesen aus Trotz-Dem-Metal, die genau wissen, dass es dem Schaffner missfällt, wenn sich durchgeknallte Backpaper zu weit hinaushängen während der Fahrt. Wobei sich-zu-weit-hinaushängen definitiv ein adrenalin-ausschüttendes und glückshormon aktivierendes Spektakel darstellt, wenn es über Brücken fetzt, an Schildern vorbeirauscht, Palmen den Weg säumen und verrückte Hunde mit interessanten Namen wie hat-n-knall oder spinnt-n-bisschen schwer beschäftigt damit sind, wie sie nun auf die andere Seite der Gleise kommen mögen.

Nun hat der geneigte Leser womöglich eine gewisse Vorstellung erhalten und dem hinzugefügt werden muss sicher dass diese absolut spektakuläre Landschaft, die einem auf diesem Weg kurz vor Chiang Mai am frühen kühlen Morgen geboten wird, eine wahrhaft eindrückliche Erfahrung hinterlässt, wenn man von Sinnen berauscht in der nördlichen Hauptstadt Thailands eingetroffen ist.

Und aus dem Äther schießt eine Stimme, die da verkündet; „You wanna die?“, es ist kein geringerer als der Schaffner, der zu später Stunde dann doch noch was mitbekommen hat und des weiteren gezielt darum bittet, man solle doch das Feld räumen, woraufhin sich natürlich die Tür einen abfreut, im siebten Himmel schwebt, denn sie hat gewonnen.

In Chiang Mai eingetroffen, gerade den Bahnhof verlassen, ruft mich eine Stimme zu sich, und es ist keine geringere als eine von jenen Stimmen, die einen auffordert ein Taxi zu nehmen, in diesem Falle eines der roten preisgünstigen, und eines dass bereits völlig überfüllt ist. Ich erkläre mich bereit und steige hinzu, habe gerade genug Platz um einigermaßen zu sitzen und genieße im folgenden die Fahrt in die Innenstadt.

Auf dieser, meiner zweiten Reise durch das Land bin ich außerordentlich gut gerüstet, habe alles dabei, was ich benötige oder benötigen könnte und so habe ich auch eine Visitenkarte des Gasthauses in dass ich gebracht werden möchte; Diva Guesthouse im alten Stadtviertel. Allerdings habe ich keinerlei Reservierung getätigt und so erfahre ich vor Ort, dass alles restlos ausgebucht ist bis zum Ende des Jahres, was aber auch kein Problem darstellt, da ich direkt nebenan im Same Same Guesthouse eine gleichwertige gute Unterkunft finde, um ein paar Tage zu bleiben. Ein Dormitory für 120 Baht die Nacht. Was will ich mehr?

Nun, gesund werden.

Denn diese bescheuerte Krankheit hält sich hartnäckig, traktiert mich mit ihren unangenehmen Schmerzen, welche hauptsächlich an der linken Seite meines Kopfes Party feiern, sich einen eisgekühlten Drink in meinem Ohr genehmigen und darüber hinaus ab und zu im Hals einen Tango tanzen und selbst vor oralem Sex in meinem Kopf nicht zwangsläufig zurückschrecken. Auch wenn das Trainsurfing atemberaubend gewesen war, so gut für mein Immunsystem war es wohl nicht aufgrund der morgendlich sehr kühlen Brise, die mir um die Ohren peitschte.

Ich halte aber tapfer durch. Sage den Schmerzen weiterhin den Kampf an und erlaube es dem Herrn Ibuprofen mir weiter Unterstützung zu leisten.

Der erste Abend in Chiang Mai ist erquicklich in der Gesellschaft einer Schweizerin und wir drehen eine Runde um den Block zum lokalen Markt, der allerhand Früchte und warme Kost zu bieten hat und ich kaue auf einer Reihe Guave Stengel herum. Die kühle Brise ist eine willkommene Abwechslung gegenüber der Hitze Koh Samets. Seltsam, wie sich das Empfinden ändert, wenn man nüchternen Geistes durch die Welt schreitet.

Am nächsten Morgen gibt es wieder einmal Porrige im populären Julies Guesthouse, welches einst von den Leuten vom Diva gegründet wurde, diesmal mit Soja Milch. Beim Genuss eines weiteren Cyber-Smoke Pina Colada treffe ich auf einen Schweden mit Dreads; Pontes, der wie auch ich nach Pai weiterreisen will und wir unterhalten uns ein bisschen. Ich sollte ihn später dort wieder treffen.

Doch zurück zum Porrige und zum Essen im allgemeinen.

Dieses zählt nun mit zu meinem Frühstücksrepertoire und stellt eine gesunde Alternative zum American Breakfast dar, ich meine, hier in Thailand gibt es so viel Ei, überall ist es präsent und ich liebe Ei. Es schummelt sich in die vegetarischen Reis- und Nudelgerichte, ins Frühstück, in die sehr nützlichen Banana Cakes (gut fürs Trekking) und auf meiner ersten Reise habe ich es dauerhaft in mich hineingestopft. Doch nun bin ich bewusster und pendele zwischen Porrige und dieser Möglichkeit.

Das Thai Food ist großartig, keine Frage, und im Norden des Landes kommt man als Vegetarier voll auf seine Kosten – in Chiang Mai hieß meine erste Wahl Yellow Curry with Tofu (Suppe mit Kartoffeln und serviert mit Reis). Gewisse Rituale pegeln sich bei mir an jedem Ort immer ein, so saß ich in Chiang Mai dieser Tage morgens meistens im Julies mit meinem Porrige.

Die Thais essen gerne Suppe, morgens gibt es die traditionelle Reissuppe mit Hühnchen oder Schwein, die ohne Fleisch nach gar nichts schmeckt, wie ich feststellen musste. Mal sehen wie es in Laos zugeht.

Was die Getränke angeht… unschlagbar, da ja die bekannten Früchte alle in Thailand wachsen, ich für meinen Teil mag Mango Shake am liebsten, aber natürlich ist Kokosnuss ein absoluter Hammer, wobei mir da nur der Shake mit der Kokosnussmilch zusagt, nicht der mit dem reinen Direktsaft.

Im allgemeinen ist die Ernährung definitiv ein Hit, denn es ist alles frisch und vieles gesünder als bei uns in Deutschland.

Nach dem Frühstück steht er dann an; Der Gang ins Krankenhaus zu einem Arzt (bzw. die etwas anstrengende Fahrt mit dem gerade ausgeliehenen Fahrrad, anstrengend weil es bei den Chaoten die hinter unzähligen Steuern sitzen ein nahezu unmöglicher Akt ist, sich wieder in den Verkehr einzugliedern wenn man von der einen Seite kommt und wieder auf die andere Seite des zwischen den beiden Straßen fließenden Flusses wechseln möchte, aber egal, die Sonne scheint und das finde ich fein, es muss doch irgendwie schon Sommer sein, sorry, dass ist leider kein Buch, sonst würden solche Zwischenbemerkungen die hier in Klammern stehen wie bei Pratchett Fußnoten sein und dann könnte ich z.B. auch erklären dass die Chiang Maier Altstadt von einer Straße umkreist wird und sich zwischen beiden Richtungen der Fluss befindet, nun, jetzt habt ihr vielleicht den Faden verloren, einfach noch mal lesen und den Text in Klammern der keine Fußnote ist, ausblenden, ha, ich liebe Penetranz!), um herauszufinden, was für mysteriöse Dinge es da ohne Aufenthaltsgenehmigung in meinem Körper wagen, auf den Putz zu hauen.

Nach der Klärung der Formalitäten im Eingangsbereich darf ich mich in einen Warteraum setzen, wo auf einem dieser Domestikationsapparate etwas irritierende, überbunte Serien und Werbespots flimmern und ich denke mir, hmm, in einigen Punkten sind die Menschen alle gleich bescheuert und das trifft definitiv auf den Schwachsinn zu, der da läuft… welch Glück ist es da doch, dass ich nicht den blassesten Schimmer einer Ahnung davon habe, was die da quasseln.

Nun, der Arzt erlöst mich schließlich und untersucht meine Ohren, Nasenlöcher, sowie den Rachenraum und stellt im Anschluss daran fest, dass mein Ohr in Ordnung ist (ich hatte nämlich vermutet, dass es eine Mittelohrentzündung ist).

Die Konversation gestaltet sich schwierig und ich bin danach wenig schlauer als vorher, da ich immer noch nicht weiß, was für Dinge da in mir Schabernack treiben, nur so viel, dass es wohl irgendeine Entzündung ist und ich nicht so hart essen solle, inklusive Weiterbehandlung mit Herrn Ibuprofen. Zumindest hat er mich etwas beruhigt, scheint wohl nur halb so wild zu sein das ganze.

Was allerdings nur bedingt gegen den Faktor hilft, nicht ganz auf der Höhe zu sein – ich muss es wohl hinnehmen.

An dieser Stelle springe ich mal etwas weiter und lasse einen Tag aus, dieser Bericht würde sonst jeden Rahmen sprengen und alle Rekorde brechen, was er ohnehin schon tut, weil er wohl der längste aller Zeiten wird.

Deshalb und da er in der Kürze manchmal die Würze liegt: An diesem nächsten Tag besuchte ich zwei kleinere und den größten Tempel in der Altstadt (und hatte dabei mehr Ruhe als beim ersten Tempelausflug in Bangkok), was auch seinen Reiz hatte, aber viel spannender war der darauffolgende Ausflug…

In Chiang Mai, 21.12.2012

Die Welt ist nicht untergegangen.

Die Welt existiert nach wie vor und die Mayas haben dennoch recht behalten, denn es ist der Beginn einer neuen Zeit … Wir sind mittendrin in diesem Prozess.

Wat Doi Suthep ist der Tempel, den es zu sehen gilt hoch über der Stadt, zu dem ein rasant ansteigender kurvenreicher Asphalt mit drei Spuren führt, und den ich bereits fast zwei Jahre zuvor erleben durfte.

Ich sitze hinter einem Londoner auf seinem Motorbike und die Fahrt ist eine ebenso rasante Fahrt. Es ist auf dieser Reise das erste mal dass ich bei jemanden mitfahre und es ist wie eh und je eine Mischung aus Spaß und Nervenkitzel. Hinzu kommt die immer stärker werdende Kälte des Berges, die einem knallhart ins Gesicht peitscht und einen frösteln lässt. Gänsehaut gesellt sich dazu. Und andere Scooter rauschen an uns vorbei.

Plötzlich öffnet sich ein Spaltbreit die Landschaft neben der Straße und erlaubt einen Blick auf die Stadt, wir halten, um uns das anzusehen, bevor es weitergeht in Richtung Wat Doi Suthep, den wir irgendwann nach unzähligen scharfen Kurven erreichen.

Diese Tempelanlage ist der absolute Clou.

Meisterhafte Architektur und uralte Buddha-Reliquien vereinen sich hier zu einer einzigartigen Komposition. Schon den Gang zu den Anlagen bildet eine vielstöckige breite Treppe mit zwei Drachen an den Seiten die sich die gesamte Treppe emporschlengeln. Es ist ein Fest. Die typischen goldenen und bunten Dächer, große Bronzeglocken, Elefantenstatuen.

Wir erreichen den zentralen Bereich etwa gegen fünf und bleiben ca. anderthalb Stunden, während dessen wir an einer kleinen Zeremonie teilnehmen, bei der wir hinter den Mönchen im Kreis gehen. Ein schöner Akt an diesem 21.12., dieses besonderen Datums und der Wintersonnenwende.

Der eigentümliche goldene Glanz bleibt diesmal leider aus, wie ich ihn bei meinem ersten Besuch erleben durfte, aber es ist dennoch ein erleuchtendes Erlebnis. Damals nämlich fiel das Sonnenlicht derartig speziell ein, dass der zentrale Bereich quasi „in Flammen“ gesetzt wurde – das Gold der Bauten wurde derartig verstärkt, dass es geradezu im Auge brannte und ich den Eindruck gewann komplett davon eingehüllt zu werden. Das war unbeschreiblich gewesen, die betreffenden Fotos existieren, nur sind Fotos eben nur Fotos.

Schließlich verlassen wir diesen Ort wieder, was natürlich heißt, den Abstieg zu wagen. Nun ist bereits die Dämmerung vorbei und das bedeutet, es wird scheiße frostig bei der mörderischen Talfahrt zurück. Ich habe weitsichtig wie ich bin natürlich an meinen geliebten und gleichzeitig einzigen Pullover gedacht, aber mein Londoner Begleiter eher weniger. Für ihn wurde es eine anstrengende Tortur hinunter, doch das war nicht das einzige schwierige Kapitel dieses Tages für ihn. Er hatte zuvor am Morgen einen Strafzettel erhalten, nachdem sie sein Bike abgeschleppt hatten mit der Begründung es könne nur an bestimmten Tagen auf dieser Seite der Straße abgestellt werden – klingt nach Abzocke, denn er musste 400 Baht hinlegen für den Spaß.

Nun, jedenfalls sollte auch noch eine weitere Gaudi des Tages für ihn folgen – für uns besser gesagt. Nachdem wir die Fahrt hinab hinter uns gebracht haben, fahre ich weiter mit meinem Fahrrad dass ich am Fuße des Berges abgestellt hatte, weil ich u.a einen Besuch im Zoo unternahm (wo ich auch auf meinen Begleiter traf), zurück zum Hostel. Und von dort aus gehen Berlin und London los um ein bisschen zu feiern. Den Weltuntergang ausklingen zu lassen mit ein paar kühlen Drinks und einer Partie Billard. Wir erkunden zuerst ein bisschen Chiang Mais Nachtleben und dann trinken wir Cocktails in einem Laden bevor wir schließlich an unser vorläufiges Ziel kommen – der Pool Billard Bar mit Thai Girls am Tresen. London hatte eine der Ladys bereits zuvor erspäht und zu seinem Favoriten für diesen Abend auserkoren. Nun, gut sah sie aus, keine Frage, und wollte einen Drink spendiert bekommen. London lud sie ein, flirtete los, ich am Tresen daneben und gönne mir einen Cybersmoke.

Die Dame hinterm Tresen fängt mit mir an zu plaudern und ist fasziniert von meiner E-Zigarette und meinen Augen. Na, vielleicht wird der Abend interessanter als ich dachte, überlege ich still vor mich hin (besser gesagt: meine Libido).

Ich amüsiere mich auf jeden Fall.

Im weiteren Verlauf spielen wir Pool, unterhalten uns, wie das eben so ist, nicht wahr, nur denke ich die ganze Zeit darüber nach, ob hier auch alles mit rechten Dingen zu geht.

London knutscht schon mit Lady und Berlin spielt Pool mit Dame und irgendwann ist klar, dass die Frauen mit in unser Hostel kommen möchten.

Ich bin schwer verwirrt, weil ich immer noch zweifle und mich eigentlich nur ein bisschen amüsieren will mit Billard (ich! nicht meine Libido) und schließlich geht London mit Lady vor und ich sitze da. Plötzlich kommt London zurück und verkündet: „Lets Go! Trust Me!“, woraufhin ich ihm folge und die süße Wahrheit ans Licht kommt.

Ladyboys.

That’s It.

 

Interlude

Die Strapazen sind erst einmal vorbei.

Mit zunehmender Penetranz schlich sich mir von hinten ein Unwohlsein heran, das meinen Körper gleichsam meiner Psyche massiv angriff – Krieg musste die Folgen sein. Hadern mit mir selbst, Sinn und Unsinn der Reise, Erwartungen, ja, große, zu hohe Erwartungen, die nicht erfüllt werden, ein bitterer Geschmack auf der Zunge, die Ungeduld, die sich aufdrängt und einem an den Nerven zerrt wie das Drahtseil über einer hohen Klippe. Der Abgrund weit weg, aber sichtbar und dass allein genügt, um Angst und Schrecken zu verbreiten oder die mir bekannte Panik, die mich offenbar zu gern hat, da sie mich ständig verfolgt.

Keine Panik! sagt dass Buch, welches ich bei mir habe, genauso wie mein Handtuch.

Zum Glück.

 

Aber ohne Witz: Es ging mir zunehmend weniger gut, beginnend mit dem ersten Tag des Weiterreisens nach Koh Samet, wo heftiges Kopfstechen und allgemeine Erschöpfungserscheinungen meine gesamte Stimmung auf ein Minimum herunterdrückten.

Diese Krankheit ist gekommen um zu bleiben, ja, blieb auf Koh Samet und auch in Chiang Mai, wenn auch weniger aggressiv, und ich wurde quasi genötigt, täglich das Ibuprofen in mich hineinzustopfen, da es schlicht nicht anders auszuhalten war.

Dennoch…

Auf nach Pai!

 Der fünfte und letzte Tag in Chiang Mai bringt wieder mehr Unwohlsein, innere Unruhe und die Entzündung mit sich und so richtig freuen kann ich mich nur sporadisch auf den Ort meiner Träume.

Am entscheidenden Morgen stehe ich schließlich sieben Uhr in der Frühe auf, packe allen Kram zusammen und gehe noch mal ordentlich frühstücken, bevor der Mini Van mit Verspätung anrückt (und mich damit fast wahnsinnig macht, ich habe an diesem Morgen überhaupt keine Geduld, auch wenn ich weiß, dass die im Reisegepäck nicht fehlen darf, gerade in Thailand)

Die Fahrt durch die Berge verbringe ich mit Musik in den Ohren und fühle mich nicht sonderlich.

Warnung: Zeitform wird jetzt geändert, vielen Dank für das Interesse an diesen Berichten, sie werden in Kürze vor Spannung platzen wie ein nasser Reissack.

Schließlich erreichten wir Pai.

Ich gönnte mir erst einmal ein Essen und machte mich dann auf den Weg in Richtung Farm, in zwar gefühlt-dezenter aber in Wirklichkeit doch großer Vorfreude darauf, die Katzen wieder zu sehen. Und alles andere. Und überhaupt.

Die Sonne schien und der Ort war recht ordentlich besucht, die Straßen gefüllt mit Leben, die eine oder andere vom Affen abstammende Bioform schenkte mir ein Lächeln. Ja, bald bin ich da, dachte ich mir und erlaubte mir ein Lächeln. Oder zwei. Oder drei.

Dann lief ich über die große Brücke, vorbei am Don’t Cry, der Late-Night-Bar, an welcher damals Paula aus Italien oft Feuer gespielt hatte, weiter den bekannten Pfad hinauf, der sich von einer geteerten Straße in einen Feldweg verwandelt, weiter und weiter an Bananenpalmen vorbei und in die Berge hinein, majestätisch wie sie sich um einen schließen und plötzlich rechts und links emporragen, alles beherrschend, einnehmend, massiv.

Bis aufkommende Zweifel größer werden, die unterschwellig schon etwas länger anwesend waren. Oh, diese Intuition, die oft so schwammig ist, dass man sie nur unzureichend klar wahr nehmen, deuten kann. Was, wenn die Farm gar nicht mehr da ist?

Es geht weiter, die Sonne gleißt am Firmament, beharrlich, doch nicht so unbarmherzig wie im Süden des Landes, mit Reiserucksack und Stadtrucksack, Wasser in der Hand.

Scooter brettern an mir vorbei, das Tal nicht mehr weit entfernt. Bis…

Bis es sichtbar wird. Der kleine Staudamm. Doch was ist das? Ein Schild, das zur Happy Mountain Bar deutet?

Hm, ich bleibe optimistisch.

Doch nein, auch das Tippi in dem ich wohnte, ist nirgends zu sehen.

Hier stimmt was nicht.

Ja, die Farm existiert nicht mehr. Die Pai Jungle Farm ist Geschichte. Hat sich verwandelt in die sogenannte „Happy Mountain Bar“ – so glücklich macht mich das nicht.

Ganz im Gegenteil – das setzt ja wohl allem die Krone auf, jetzt reicht es, nach all den Strapazen, Krankheit, Unwohlsein, bin ich im falschen Film, ist das mein ach-so-toller-wunderschöner Traum in den ich zurückgekehrt bin. Wohl eher ein Alptraum.

Ja ein Alptraum, ich bin die dreckige Gabel in einem schlechten Film aus Muha Huli, in dem Voodoo-Priester abartige Dinge mit alten Hunden, Fußnägeln, Kinderblut und jahrhundertealtem Besteck anstellen.

Ich bin geplagt, weder das alte Gefühl der Lebendigkeit, das bei-mir-seins, des schlichten Ich-Seins oder übersprudelndes Leben ist zurückgekehrt, noch ist die Farm überhaupt weiter existent, was kommt wohl als nächstes?

Meine Eingeweide verabschieden sich von mir in einem Anflug von Größenwahn um einen witzigeren Körper zu suchen? Die Sonne verlässt das Land? Bananen verwandeln sich in Rosinen? Ich hasse Rosinen, Mann!

Was ist hier los? Ich dachte, die Welt wäre am 21. untergegangen, heute ist doch der 23.12.!

Ich war geschockt, bestürzt und enttäuscht. Ich saß in der Nähe der Bar und sah mich um, alles anders, nichts mehr wie im Februar 2011. Die einzige Konstante ist die Veränderung, ließ mich jemand etwas später, dem ich davon erzählte, wissen. Wie wahr. Und ich bin ein Narr? Nun, ich bin einfach in positiver Naivität davon ausgegangen, dass schon alles klar geht, dieser Kosmos noch existiert. Hätte ja auch mal vorher nachfragen können. Aber: Alles teil des Plans, oder? Teil des zu gehenden Weges. Ich redete mit dem Barmann, der kaum dem Englischen zugänglich ist, jedenfalls nicht ausreichend, um ihm zu erklären, was ich von ihm will und dass er hier eigentlich gar nicht sein dürfte, dass hier doch was völlig anders sein müsste, verdammte Hacke, doch er versteht mich nicht. Aber ich habe noch ein Ass im Ärmel und zeige ihm auf Facebook die Bilder von der Farm, woraufhin er versteht, was mich beschäftigt.

Dann noch mal schwierige Konversation, bis er meint, die Farm sei seit fünf Monaten nicht mehr da.

Es war bitterlich. Bitter traurig. Was für ein schwerer Moment für mich, der absolute Tiefpunkt war erreicht.

Ja, ich geriet in eine Art Schockzustand, ich fühlte mich so was von deplatziert und fremd in Pai und Thailand, wirklich schmerzend. Statt hochüberströmendem Glücksgefühl nun erschreckende Kälte.

Das Wort Reiseabbruch blitze mehrmals auf und verschwand wieder.

Auf jeden Fall dachte ich zumindest darüber nach, meinen Plan komplett zu verändern, wozu noch lange in Pai bleiben, aber nein, es gibt ja noch das Glücks-Camp im Januar, oder?

 

Die Enttäuschung perfekt.

Doch ist nicht die Enttäuschung etwas gutes, man wird ent – täuscht. Hat sich also ge – täuscht?

Nun, in diesem Falle nahe an der Wahrheit. Was erwartete ich eigentlich? Ich erwartete überhaupt – ich sollte wohl besser anfangen zu leben, d.h. mich treiben zu lassen. Neuen Dingen offen zu begegnen.

Ich habe mich verfahren, doch keine Sorge: Rettung naht.

Zuerst einmal besorgte ich eine Packung Zigaretten, das war jetzt alles einfach zu viel des Guten gewesen, ich musste mich irgendwie runterholen, das Level war bedrohlich niedrig geworden, dass mir beinahe schwindlig wurde. Kein fester Halt mehr unter den Füßen. Dann suchte ich mir einen Bungalow, ich fand das Giant, die noch einen frei hatten, nachdem ich mehrere abgeklappert hatte und alle voll gewesen waren (High Season, viele Leute zu Weihnachten in der Stadt).

Und dann ließ ich irgendwann schließlich los. Ich weiß nicht mehr genau was an diesem Abend noch alles passierte, ich weiß nur, ich traf Pontes aus Schweden wieder und saß am Lagerfeuer und wandelte noch ein bisschen durch die Walking Street wie ein Gespenst ohne Gewicht, ja so leicht wie eine Feder. Aber zwei Sachen sind unvergessen: Zum einen gingen Pontes, ich und ein paar Mädels in die Bamboo Bar, wo eine irre Drum-N-Bass Party vonstatten ging und alle wie bekloppt auf dem Bambusboden herumsprangen, der wie eine Wippe, bzw. ein Trampolin zurückfederte und das war eine seltsam komische Angelegenheit. Die aber befreite ohne Frage (ein bisschen wie auf dem Fusion-Festival auf den Netzen zwischen den Bäumen, zurück in die Kindheit, schwerelos, voll im Moment). Zum anderen sah ich mir das 17.Act Absurdum Weihnachtstürchen an und es ballerte mich weg wie kein anderes. Ich konnte es kaum fassen. Da waren alle Höhepunkte des Jahres unseres Filmdrehs zu „Etwas Wundervolles“ vereint in einem unglaublichen Clip, jede Emotion die ich für jeden dieser Momente erlebt habe, flossen zusammen und sorgten für ein unheimliches High, ein energetisches Barsten, ein mächtiges großes Empfinden. Dank damit an dieser Stelle für den Meister, der dieses einzigartige Produkt fertig gestellt hat. Wie würde Tod aus der Scheibenwelt auf die Frage „Gelungen?“ wohl antworten? IN DER TAT.

Es war magisch, schön, ich ließ mich auf den Ort ein, eijeijei…

Magisches Pai

Der nächste Tag brachte so allerhand mit sich.

Zuerst einmal ging ich zum Frühstück ins Good Life wo es dass American Breakfast statt dem Lipton Yellow Label mit Muslim Black Tea gibt (ein wirklich guter Schwarztee für den ich auch nackt frühstücken würde wenn es sein muss). Nun, man kann eigentlich jeden Tee dazu ordern, wenn man möchte. Und das Tee-Menü ist einfach…

Also gut.

Das Good Life. Es ist das mit Abstand genialste Teehaus aller bekannten Welten im Multiversum. Ich neige ja mit Vorzug und vorsätzlich gerne zu Übertreibungen, aber dass ist nun wirklich eine Tatsache. Die Auswahl an intergalaktischen Tee- und Heilpflanzen lässt keine Wünsche offen. Es gibt Schwarze, Grüne, Weiße und Pu-Erh Tees, Ginger, Chamomille, Jiaolugan, Chrysanthemus Flower Herbal, Mate, Chai und das ist noch lange nicht alles. Und es sind nicht irgendwelche Sorten. Es sind jeweils die besten. Die Qualität im Good Life ist bemerkenswert.

Und natürlich gibt es nicht nur Tee, sondern auch Kaffee, Thai Food, Pasta, Honig, Bücher, Himalaya Salz, alles zum kaufen im Laden. Es ist Geschäft, Cafe, Restaurant, Bibliothek & Tee Haus in einem. Ich hänge da andauernd herum. Warum auch nicht? Allein die Karte zu studieren, erfreut mich immer wieder aufs neue.

Zu meinem Frühstück bestellte ich mir schließlich noch ein Chrysanthemus und machte mich an die Organisation einiger Dinge. Zum einen ging ich mir ein Fahrrad leihen, kaufte ein Pack Colloidales Silber und checkte die e-mails aus.

Heiligabend in Pai

Das Don’t Cry wurde von mir aufgesucht, weil ich auskundschaften wollte, wie es um Feuer Shows bestellt ist und wurde sogleich in Verpflichtungen verwickelt. Der Verantwortliche der Late Night Bar & Clubs bot mir an, den kommenden Abend zu den Festivitäten dort aufzutreten. Dafür gäbe es auch Freigetränke. Wir verabredeten uns zum entsprechenden Zeitpunkt und verblieben so.

Irgendwann traf ich auf Helen, die Engländerin, welche ich schon am Vortag über Pontes kennen gelernt hatte (und JA ich schließe damit Frieden! Kein Spott mehr gegen Engländerinnen, nun, zumindest über keine gut gebauten Engländerinnen, die genauso groß sind wie ich), die mich weiteren Leuten vorstellte und als Gruppe gemeinsam machten wir uns auf den Weg ins Bebop, dass ein weiteres Original darstellt und mich definitiv an die Serie Cowboy Bebop erinnert. Nun, ich schrieb einmal das bekannte Lied „Lonesome Town“ von Ricky Nelson würde zu Pai passen, und das Pai den Blues habe. Und wie. Es bleibt dabei.

Helen und ich saßen hinter dem etwas angetrunkenen Spanier auf dessen geliehenem Motorbike und düsten Richtung Bebop, was für ein irrer Trip. Zudem waren viele Polizisten in der Stadt wegen Royalem Besuch, der Prinzessin höchstpersönlich nämlich.

Dort angekommen entfernte ich mich jedoch auch schon wieder von der Truppe um einer neuen Truppe beizutreten, draußen am Lagerfeuer, wo ich besonders mit Martin aus Holland und einer Japanerin namens Mae philosophierte.

Ich hatte die beiden bereits im Good Life am selben Tag getroffen, und die Magie von Pai bringt immer die richtigen Leute zusammen (siehe altes Kapitel zu Pai).

Mit Martin hatte ich hochinteressante, tiefe, spirituelle und intellektuelle Gespräche über die politische Lage auf der Welt, dem großen Erwachen der Menschen, dem Geist des Fusion Festivals, dem Geist von Pai (dem jenem der Fusion in vielerlei Hinsicht ähnelt wie wir feststellten, natürlich nur im übertragenen Sinne), und Dingen wie Telepathie, Indigos, Telekinese und Luciden Träumen.

Diese Gespräche fanden im Good Life ihren Anfang und setzten sich im Rahmen des heiligen Abends im Bebop und gegenüber in der Reggae Bar fort.

Wir sind alle eins. Wir sind alle Teil der Erde. De facto: Wir sind die Erde.

Martin geht es genauso wie mir und noch ein anderes Mädchen hat die gleiche Erfahrung gemacht. Für uns war 2011 das schlimmste Jahr unseres Lebens und 2012 das beste, vielleicht werden wir auf etwas vorbereitet, da kommt ein Sturm auf uns zu, dem wir uns tapfer entgegen stellen müssen, mit Mut, mit Kraft, mit Liebe, mit Entschlossenheit, und die können wir offenbar gerade sammeln.

Meine Seelische Ankunft an diesem Orte voller guter Energie ereignete sich also an diesem Abend und den folgenden…

Das Wahnsinnsjahr 2012!

Hatte ich zuvor so hart zu kämpfen wie kaum eine Zeit zuvor, schloss sich dieses energetische lebendige kreative Jahr an, dass wohl mit Abstand das interessanteste meines Lebens darstellt.

Unvergessen bleibt der letzte Besuch des JobCenters, wo ich als „Aufstocker“ einen neuen Bearbeiter zugewiesen bekam, welcher mir allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz „eine gute Erleuchtung“ wünschte.

Marokko, Barcelona, Life Of Brain, Etwas Wundervolles, Thailand…, doch dass alles sind nur Eckdaten.

Die wahren Höhepunkte gelten der Erfahrung…

Schwebend über einer Theaterbühne, von Zombies gefressen und dabei fast ohnmächtig geworden, in diesem Sinne gefühlt wie neu geboren und gerade frisch aus dem Mutterleib geschwemmt worden, gejagt von Agenten, von einem Fantasten erweckt und mit dem Vorschlaghammer traktiert, bis die Gefühle schließlich herauskommen mussten, irgendwie, wenn auch noch etwas verhalten.

Das 17.Video, wie schon beschrieben; es bringt es auf den Punkt. So viele Veränderungen sind geschehen, so viel altes wurde abgelegt, so viel Raum geschaffen für neues, für die Dinge, die da vom Universum bereit gestellt werden, um sie zu ergreifen.

Ich habe den Kaffeekonsum eingestellt und auch gewissen anderen Substanzen entsagt, habe meine Wohnung aufgegeben, was eine komplette Erneuerung voraussetzt. Der Cybersmoke hat die Zigarette abgelöst.

Nun, man muss etwas mit dem Leben anfangen. Man muss sich darum kümmern. Glück ist eine so scheinbar einfache Sache aber man muss bereit sein dafür, es verzichtet ab einem gewissen Alter darauf, sich von alleine zu einem zu gesellen.

Ein weiterer 7-Jahres-Zyklus endet und du befindest dich in der totalen Transformation, der Rundum-Erneuerung und jene Phase des Übergangs ist eine, der du Sorgfalt und Beachtung schenken musst, während der du schauen sollst, was für einen Fokus du wählst. Weise zu wählen ist entscheidend.

Es geht um uns alle. Wir erwachen und/oder müssen erwachen und die Machthungrigen und Fehlgeleiteten da draußen zur Besinnung bringen, wie genau, dass ist die Frage, denn alternative Medizin und Energien sind ausschlaggebend, bringen jedoch dem sogenannten Wirtschaftskapitalismus nicht den Profit, nach dem die Irren gieren. Die bringen nur dass an den Start, was am meisten Schotter abwirft, aber nicht die essentiellen Dinge, die uns allen und allem hier auf dem Planeten Erde das beste bringen.

Die Klimasünden auch hier in Thailand z.B. sind enorm und wahrscheinlich ist China noch krasser unterwegs. Ich schreibe hier und heute, dem 3.Januar, genau einen Monat unterwegs, diese Passage des Kapitels und habe gestern, beim Auflegen in der Reggae-Bar das BBC World Weather angeschaut, dass einen doch ganz schön in Angst und Schrecken versetzen kann, wenn man nicht gerade in guter Verfassung ist. Also ich verfolge dieses ganze Thema sehr ausgiebig in den letzten vier Jahren, ist so eine Art Hobby von mir geworden und ich habe die brandaktuellen News.

Am 23.12. kam die Meldung, dass sich die Westantarktis wesentlich schneller erwärmt als erwartet, also ungewöhnlich schnell, vorhergehende Meldungen erklären, dass der Meeresspiegel schneller stiege als gedacht und am 19.09. hieß es „Rapide Eisschmelze am Nordpol“, die Eisdecke sei in den letzten dreißig Jahren um die Hälfte geschrumpft. Nun, um zu den aktuellen Wetterdaten vom 03.01. zu kommen; In London sind es satte 12 Grad, in Berlin frühlingshafte 9, in Moskau nur minus 5, Reykjavik misst 2, New York 6, d.h. auf der ganzen Welt ist es unnatürlich warm.

Und noch eine aktuellere Meldung, ich sitze hier und beende gerade das gesamte Kapitel (es ist mittlerweile der 11.01.); vorgestern sind folgende Neuigkeiten eingetroffen: „Das Wetter in Australien spielt verrückt und der Klimawandel zeigt seine hässliche Seite. Seit Anfang 2013 ächzt „Down Under“ unter der seit Jahrzehnten schlimmsten Hitzewelle und wird von verheerenden Buschfeuern heimgesucht. Es ist inzwischen sogar so heiß, dass australische Wetterkarten neue Farben bekommen haben – dunkles Lila und Pink.“ sowie eine weitere Meldung vom gleichen Tag: „Der Winter spielt verrückt: Haselsträucher blühen, Holunder und Weiden treiben aus, und in Dresden wurde schon der erste Storch gesichtet. Botaniker amüsiert das allerdings nicht. Sie befürchten erhebliche Schäden an Wild- und Nutzpflanzen, falls nach der langen Wärmeperiode nun der Winter noch einmal mit aller Macht zurückkommen sollte.“ Und: „Nach dem warmen Januar 2012 wurde der Februar zum zweitkältesten seit 1952, darauf folgte ein extrem trockener März, der nasseste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und ein August mit Temperaturrekorden.“

Nun, worauf ich hinaus will ist der Umstand dass der Weltenwandel die nächste Stufe erreicht hat. Und damit komme ich zurück zu meinen Ausführungen über die Gespräche am Heiligabend mit Martin, aber auch all der anderen, die ich bisher geführt habe.

Wir müssen vorbereitet sein, gewappnet für die Zukunft, aber ich denke wenn wir daran arbeiten ist vieles zu retten. Viele gute Ideen existieren und viele gute Ideen werden bereits praktiziert. Die Natur zurückzuholen, einzubinden, z.B. in den Städten, auf den Häuserdächern anzubauen. In Angkor habe ich Palmen gesehen (weiß nicht mehr genau wie die heißen, irgendwas mit Weillm), die in der Lage sind, das Wasser aufzubereiten, so dass es als Trinkwasser über einen Brunnen genutzt werden kann und es gibt Inder mit altem Wissen darum, wie man ausgedörrte Böden erneuert und eine blühende Landschaft zurückbringt.

Interesting Times already.

Interesting Times.

Don’t Cry

Wie dem auch sei, der Heilige Abend war reichhaltig an Austausch (am Ende nahm ich mir noch meine Poi zur Hand und übte ein weilchen auf der Freifläche des Giant nahe des Flusses am Lagerfeuerplatz mit meinen Kopfhörern und der dafür üblichen bombastischen Beats mit viel Vergnügen) und so ging es auch den folgenden Tag weiter. Und zudem mit dem ersten großen Auftritt im Don’t Cry.

Vorher sprach ich mich mit dem Verantwortlichen ausreichend ab und nahm Flyer entgegen, die ich in mehreren Bars verteilte. Dann kehrte ich noch mal zurück zum Dont Cry, aber es war immer noch kein Publikum da, also ging ich hinüber in die benachbarte Bamboo Bar, die zwar ebenfalls leer war, aber in der wieder massiver Drum-N-Bass schepperte, und das schrie nach den Poi, die ich sofort zückte, dazu spielte und mich tiefer und tiefer hineinsteigerte, fast wie im Fieber, schließlich extrem ausflippte und so exzessiv wie selten durch den Kosmos hüpfte (dabei gelangen mir ein paar interessante nie zuvor erreichte Bewegungen wie mir scheint, die man wahrscheinlich schon als ziemliche Verrenkungen beschreiben kann). Als ich komplett aus der Puste war, stattete ich der Aufwärm-Party im Giant einen Besuch ab, wo einige der üblichen Verdächtigen zu den letzten Takten Psy Trance tanzten, bevor diese zu Ende ging und die meisten Anwesenden ins Don’t Cry wechselten.

Ich war natürlich nervös, wie üblich. Ich hatte diese, meine allerersten Poi zuvor in den Kreuzberger Jonglier-Katakomben erstanden (wo der Ladeninhaber eine geschlagene Dreiviertelstunde zu spät kam, und ich dadurch spannenderweise bei der Besorgung weiterer Technik für meine E-Zigaretten auf einen alten Freund und einen Assistenznehmer aus meinem Job bei Lebenswege traf – wäre er nicht zu spät gekommen, hätte ich die beiden nicht getroffen, ein weiteres dieser 2012er Erlebnisse) und nun war der Zeitpunkt gekommen, sie einzuweihen. Interessant ist hierbei, dass ich schon seit geraumer Zeit Feuerpoi spielen wollte und dass jedes Mal, wenn es kurz davor war, nicht passierte (an dieser Stelle liebe grüße an Antonia, ich weiß du sagtest, dass erst der richtige Zeitpunkt kommen muss).

Ich bereitete alles vor, ein paar Anwesende erwarteten die Show bereits und irgendwann war der Moment schließlich da. Ich setzte meine Kopfhörer auf mit dem Maori Beat von Highlight Tribe und zündete die Poi an. Es war ein Fest. Ein Rausch. Eine Ekstase. Und es war in jeder Hinsicht ein runder, in sich für diesen Abend perfekt geschlossener Akt, wie ein gutes DJ Set. Nach mir folgten dann zwei weitere Artisten, die auch ihr bestes gaben. Ein gelungener schöner Abend.

 

Am 26.12.

Pai ist unglaublich.

Hier scheint alles möglich zu sein. Alles ist möglich, ja, ein Sammelsorium aus Backpapern aus aller Welt findet hier das Paradies auf Erden vor, so wie auch ich, in gewisser weise, denn erste Heilung ist geschehen.

Was ich hier in den ersten vier Tagen seit meiner Ankunft erleben durfte, ist schier außergewöhnlich, schlicht bemerkenswert und einfach wundervoll.

Ich bin so vielen Menschen begegnet, die interessant sind, mit denen ich tiefe Gespräche führen konnte und die mich wieder an so einiges erinnert haben, dass von Bedeutung und wertvoll ist im Leben.

Es scheint, als seien aus allen Winkeln dieses Planeten Künstler und Kreative hierher gekommen, um sich zu treffen und mal ernsthaft über die ein- oder anderen offenen Fragen zu philosophieren und zusammen zu kommen, um zu jammen, jonglieren, feiern, und um mal eben im großartigen World Tea House „Good Life in Pai“ Kraft zu tanken, zu entspannen oder erstaunliche Bücher zu lesen.

Alleine am 26.12., was im übrigen mit der wichtigste Tag war, ging einfach alles glatt. Alles kam auf mich zu, ich hatte keine großen Erwartungen mehr, ich wusste einfach, dass irgendwie alles gut ist und gut wird, fühlte mich entspannt und frei, und schwupps, finde ich die Circus School, wo ein Engländer einer Gruppe von Leuten Tricks und Kniffs beibringt, wie man mit Poi, Stab und so allerhand umgehen kann, was es für Möglichkeiten gibt (diese Schule wurde mir bereits –gestern- den Tag zuvor empfohlen, hatte sie jedoch nicht gefunden nach der Wegbeschreibung) Ich gesellte mich hinzu und erhielt sogleich alle Auskünfte, ich könne einsteigen mit 15euro, und wäre dann immer herzlich willkommen. Training von 11-14 und 15-20 Uhr. Dann freies Spiel und Austausch. Doppelstab und Poi, Shaken, Kevlar anbauen am Stab, alles was ich will. Und interessante Leute mit denen man lernt. Sogar Lampenöl ist am Start, kein hirnloses Benzin (was nun echt ne Schande ist und viel zu heiß brennt).

Am Lagerfeuer lauschte ich den Geschichten über rauchende und beißende Affen auf Koh Phi Phi, malende Elefanten und dem Gesang eines kleinen Mädchens aus Deutschland.

Doch es prickelte mir schon zu sehr in den Fingern und so gönnte ich mir noch ein Spiel mit dem Feuer. Poi und Stab im Anschluss.

Ich nahm mir vor am nächsten Tag umzuziehen in einen preiswerteren Bungalow gleich in der Nähe des Zirkus, der mir empfohlen wurde und anschließend zum Wasserfall zu fahren. Und tags darauf würde das Training losgehen. Oh ich freue mich, das stand so gar nicht auf meinem Plan, aber nach meinem ersten großen Auftritt merkte ich schon, dass ich jetzt bereit bin, um ernsthaft neue Moves zu lernen. Tja, es stimmt, geht eine Tür zu – die Pai Jungle Farm – geht eine andere auf – die Circus School. Jetzt verstehe ich es und das ist wahrscheinlich auch besser, denn es gibt keine Wiederholung und wäre die Farm noch da, würde ich Pai vielleicht gar nicht so intensiv kennen lernen wie ich diesmal tue.

Nachdem ich von dannen zog, wieder über die herrliche Strohbrücke (ich hoffe das stimmt!) über den Pai River zurück am Edible Jazz vorbei, wo es sonntags Jam Sessions aka Open Mic gibt, beschloss ich noch irgendwas zu wollen, nicht direkt Trubel, also im sinne von Party oder so, das war ja schon die drei Tage zuvor mehr oder weniger gewesen, aber irgendwas, bevor ich bereit (bin, alte Version) sein würde weiter an diesem Bericht hier zu arbeiten, und es war phänomenal, ich bekam zum einen meine erste Jam Session geliefert, die ich mir so sehr wünsche seit meiner Ankunft in Pai, auch wenn ich wieder mehr in Gespräche verwickelt wurde und nur bei drei Stücken Trommel spielte (dafür aber mit voller Hingabe!), zum anderen traf ich draußen am Feuer sitzend einen Kerl, der allen Ernstes die Liquids für meine E-Zigaretten selber herstellt und mich eingeladen hat einen Tag vor Silvester bei ihm im Art & Music vorbeizukommen, wo es zudem auch noch Live Music, Art Gallery und Fire Show gäbe (offenbar kann ich da schon wieder spielen, welch Glück), nun, ich will unbedingt sehen wie er das anstellt.

Fazit

Weihnachten hat sich ein bisschen angefühlt wie ein Fusion-Festival, der gleiche Spirit. Wieder Kind sein, wieder in der Kindheit ohne Angst und mit Vertrauen verweilen, schwerelos, voll im Moment. Vielleicht sogar ein Stück weit „Kindheit nachholen“? Nun, wenn es einem an Kindheit mangelte, versteht sich. Und so habe ich an Weihnachten ein wenig empfunden.

Alles wird. Alles gelingt. Alles ist möglich.

Nun habe ich schon einen Teil was meinem Selbst, meines (Wollens) Willens entspricht gefunden – Circus School mit täglichem Training, Jam Sessions, und wenn ich Traktor auf dem Laptop installiert habe, und es funktioniert, sogar Auftrittsmöglichkeiten als DJ…, fehlen nur noch die Sache mit der Meditation, da kommt aber das Glücks-Camp ab 9.Januar hereingeflogen, wo Meditationskurse und auch Yoga sowie G-Matrix von Meistern angeboten werden wird.

Weitere Möglichkeiten sind Kochkurs, Qi Gong und Kung Fu, heiße Quellen, Trekking, nun, Langeweile kommt hier nicht auf.

Ich bin offenbar doch zuhause. Beim letzten und ersten mal als ich Pai verließ hatte ich so ein schmerzliches Gefühl in allem in mir, dass ist unbeschreiblich wie stark und intensiv das war, sogar die Katze auf der Farm schien zu wollen, dass ich bleibe, da sie sich an mir angekuschelte und zerrte wie wild, und auf dem Weg zum Sammelpunkt der Vans nach Chiang Mai, zerbrach fast mein Herz, wobei ich eher der Meinung bin, dass ich es schlicht verloren habe, es blieb in Pai, ohne mich, und ich träumte im folgenden halben Jahr häufig von diesem Ort, er ließ mir keine Ruhe, Fernweh durchströmte mich wie das Blut unsere Körper, und ich hatte das starke Empfinden, unvollständig zu sein. Am falschen Orte zu verweilen.

Nun, ich bin zurück. Und ich kann wachsen. Mir geht es so gut wie seit langem nicht mehr. Tja, vom einen Extrem ins nächste geflogen, ich brauchte wohl etwas Zeit um anzukommen.

Es ist der bisher magischste schönste Ort den ich in meinem Leben kennen gelernt habe.

euer endlich-zufriedener

Paolo Jones

 

Ende

 

Es war ein unglaubliches Jahr, danke noch einmal an diejenigen, die das alles möglich gemacht haben und für die Videos, die das „alles“ ja schon ganz gut rüberbringen.

Wünschen wir uns ein ebenso reichhaltiges neues Jahr, mit einem wundervollen Abschluss

sozusagen…

Lassen wir Etwas Wundervolles geschehen.

Packen wir alle gemeinsam an.

Denn es ist unsere Zeit!

J

Chapter 2. Koh Samet

Vierter Tag der Reise.

Ich sitze im Travellers und schaue mir die erste Hälfte von Darjeeling Limited an, nachdem ich ein ziemlich gutes Frühstück hinter mir habe. Die Räumlichkeit passt zum Film, da die Tische und Stühle im indischen Stil aus Holz geschnitzt sind und Pflanzen das ganze hervorragend untermalen.

Es dauert noch eine ganze weile bis ich zum Mini Van gerufen werde und die Zeit vergeht mit einem hinter-dem-zug-herhechtenden Bill Murray, drei verrückten Brüdern auf Tranquilizern und einer unfassbar hübschen Inderin.

Typischerweise kommt der Mini Van zu spät und die Fahrt ist einmal mehr eine Fahrt mit Hochgeschwindigkeit, wie ich sie einmal von Kambodscha aus über den Highway erlebt habe; es ist auch derselbe Highway, den wir nehmen.

Auf dem Weg, während wir eine Pause an einer Tankstelle einlegen, damit der Van weiterhin sein immenses Tempo halten kann, lerne ich eine Kanadierin, einen Belgier und einen Isländer kennen, die alle schon weit herum gekommen sind und spannende Geschichten zu erzählen haben.

Es dauert nicht lange, bis wir an der Zwischenstation in der Nähe des Hafens angekommen sind, uns die Zeit vertreiben, und schließlich unsere kurze Fahrt vom Festland hinüber auf die Insel unternehmen.

Koh Samet ist eine sehr kleine Insel unweit der Küste in Richtung Kambodscha und meine Wahl dorthin zu reisen lag in dem Fakt, erst einmal eine Woche am Strand verbringen zu wollen, bevor es direkt in den Norden des Landes gehen sollte.

Doch schon bevor wir das Boot besteigen, melden sich starke allgemeine Kraftlosigkeit und Kopfschmerzen bei mir an, auch nichts gegen eine Fahrt dorthin zu haben.

Auf dem Boot ist es dann so heftig, dass ich Zeit habe, um mir ausgiebig Sorgen zu machen, wobei die ballernde Sonne nicht gerade eine Hilfe darstellt.

Nun, ich mache das beste daraus und versuche dennoch zu genießen, schon bald sind wir auf der Insel angekommen.

Die beiden Kerle wollen lustigerweise zum selben Resort wie ich, dem Samet Ville Resort, welches ich bei google.maps entdeckt habe, als ich mich zuhause vorbereitete.

Ich erfahre allerdings dass jeder von ihnen 2000 Baht dafür hinblättern muss, was mich als Low Budget Longstay Backpaper natürlich abschreckt.

Ich fahre trotzdem mit, weil ich in den schmalen Süden möchte (die Insel ist breit im Norden und wird gen Süden dann immer schmaler, schaut von oben echt putzig aus) und mir denke dass es schon eine preisgünstigere Möglichkeit in der Nähe geben wird.

Die Fahrt mit dem typisch offenen Thai-Taxi mutiert zu einer spektakulär-knackigen Tour, die uns alle kräftig durchschüttelt und dazu zwingt uns gut festzuhalten, um nicht den Halt zu verlieren.

Während die Straße des Zentrums im Norden, wo Resort and Resort gereiht ist und sich der lange Hauptstrand befindet, noch human und gerade verläuft, kann man den weiteren Verlauf in Richtung Süden getrost als irrsinnig bezeichnen. Die angebliche Straße ist schlicht und einfach nicht existent, es ist ein verdammter Schotterweg bestehend aus Erde, Sand und Steinen. Und Löchern. Die Löcher nicht zu vergessen.

Sie sieht aus als wären vor nicht allzu langer Zeit Bomben auf der Insel eingeschlagen, nichts anderes kann wohl diese mondartigen Krater verursacht haben. In der Realität allerdings, wird es wohl die Flut in der Regenzeit gewesen sein, die sich gerne damit die Zeit vertreibt, die Straße zu transformieren und ihr so jedes Jahr aufs neue eine andere Gestalt zu schenken.

Der Weg ist auf jeden Fall eine Gaudi, es rumpelt und wackelt und rumpelt und wackelt, dass sich einem der Magen umdreht und sich die Erdnüsse, die ich zu mir genommen habe, in erstklassigen Mus a la Cartè verwandeln.

Schließlich knallt es mächtig neben unseren Ohren und es scheint, als würden zu bestimmten Tageszeiten wohl doch Bomben auf die Straße nieder hageln.

Es ist der vordere linke Reifen, der sich irgendeinen einsamen Stein oder etwas anderes sehr spitzes geküsst hat und der Belgier berichtet es unserem Fahrer, der es nicht mitbekommen hat. Wir stoppen an der höchsten Stelle der Straße, parken dort und beenden so unsere Fahrt.

Während wir auf das nächste Taxi warten, schlendere ich gelassen über den schmalen Pfad zu unserer rechten zu einer Klippe, von wo aus einem der Blick auf das Meer freigegeben wird, weit und blau erstreckt es sich zur linken, wird nur ein Stück weit gestoppt zur rechten, wo sich eine kleine Ecke Festland erstreckt.

Bald kommt das nächste Taxi, voller Chinesen, und bringt uns zum Samet Ville, wo wir nach kurzem Gang an der Rezeption landen.

Das Samet Ville ist definitiv ein luxuriöses Anwesen mit Pool, Holzschaukeln, einem kleinen versteckten steinigen und einem pornösen lagunenartigen Traumstrand.

Es gibt ein überdachtes Restaurant mit dazugehörigem Außenbereich und Gäste, die hauptsächlich aus Russen und Chinesen bestehen.

Bald merke ich, dass es keine weiteren Low-Budget Bungalows in Reichweite gibt und dass Taxi verlangt 400 Baht von mir, da ich der einzige bin der kurz vor Dämmerung zurück in den Norden fahren will.

Ich entscheide mich für eine Nacht zu bleiben, es gibt noch die preiswerteste Variante und zwar die Hälfte eines Doppel-Bungalows mit Fan für 1100 Baht (sind fast 30 Euro).

Das Zimmer ist nicht gerade komfortabel zu dem Preis, aber das Bett ist gut genug, dass ich nach der betonartigen Matratze in Bangkok wie ein König schlafen kann und es gibt wenigstens im Preis inbegriffenes Frühstücksbuffet.

Am nächsten Morgen stehe ich mit der Dämmerung auf und genieße ein wahrhaft großartigen Morgen und dieser sollte auch der beste während der ganzen folgenden Woche auf Samet bleiben. Dafür hat es sich definitiv gelohnt, einmalig so viel für eine Nacht hinzublättern.

Ich tauche ein in das Meer, dass sich warm und salzig um mich schließt, während die Sonne jungfräulich vor meinen Augen aufgeht, schwimme eine halbe Stunde vorwärts und rückwärts, genieße die herrliche Ruhe und Entspannung – ein Segen nach der Hektik und guter Frühsport noch dazu. Der Strand ist wahrlich wundervoll, mit feinem Sand und klarem Wasser.

Das Frühstücksbuffet ist der Knaller, mit Reissuppe, Früchten, Toast, Ei, Tee, eben allem drum und dran, und dabei treffe ich erneut auf den Isländer und Belgier. Wir verbringen auch den Rest des Vormittags gemeinsam für ein Weilchen am Strand und fahren dann zurück in den Norden, wo die beiden in ein weiteres recht teures Resort einchecken, das fast genauso heißt wie das vorherige und ich mache mich auf die kurze Suche nach einem anderen Space.

Dieser befindet sich keine 500meter weiter an einer kleinen Straße, welche von der zerbombten Hauptraße abgeht, an einem von den Touristenmassen ausreichend abgeschirmten Ort und nennt sich Lelawadee Guesthouse. Dort bittet mich eine alte Dame Platz zu nehmen und zu warten, bis die Eigentümerin kommen werde.

Diese erscheint dann um mir zu offenbaren, dass ein Zimmer 500 Baht die Nacht koste und ich willige erstmal ein, um später mit ihr 450 Baht auszuhandeln, da ich eine Woche bleibe.

Das Gasthaus ist komplett neu und alles ist sehr sauber und, nun, neu und ich verbringe die komplette Woche gerne dort.

Der schöne Morgen mit all der Entspannung ist vorbei und der Abend hält im Gegenzug eine Party bereit, zu der mich die Kanadierin einlädt, als ich sie in der geschäftigen Hauptmeile im Norden treffe, mit der Bitte, doch die beiden Kerle mit zu schleppen.

Diese Party ist der absolute Mist, wir trinken aus einem Bucket (was dann das zweite mal in meinem Leben darstellt) Wodka Red Bull und nach einer weile (mit einem ausreichenden Pegel im Blut) lassen wir uns auf die in Wahrheit extrem miserable Musik ein, um am Ende völlig auszuflippen bis wir halbnackt auf den Tischen tanzen.

Nun, es ist nicht ganz so erniedrigend wie die Full Moon, aber es kommt dem sehr nahe.

Irgendwann hört diese Farce auf und ich befinde mich inmitten der Insel irgendwo zwischen Bungalows und auf einem kleinen Weg, mit meiner Kopflampe beleuchtet und muss mir eingestehen dass ich mich hoffnungslos verlaufen habe. Die Szene ist recht creepy und ich bin echt erleichtert als ich es endlich in mein Bett geschafft habe, um bis zum nächsten Nachmittag durchzuschlafen.

Tja, was für ein Montag auf Koh Samet.

Die nächsten Tage verbrachte ich damit, jeden Tag zum 7eleven zu wandern, um mich mit Wasser und Nüssen zu versorgen und bleibe ansonsten viel im Bett, da es mir immer schlechter geht. Ich schwitze extrem unter der Decke und beginne mit Terry Pratchetts Pyramiden, ein fantastisches Buch.

Es gibt schließlich noch zwei spezielle Tage, an denen ich mich zum einen an den Nordstrand begebe (es gibt nur einen einzigen Strand im Norden, alle anderen befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite) und zum anderen zu Fuß den gesamten Weg ans Südkap zurücklege.

Der Tag am Strand beginnt mit der Erkundung des nahen Sees, welcher allerdings künstlich zu sein scheint. Man kann ihn gut auf google.maps sehen, da wirkt er allerdings etwas größer als er ist. Ich entdecke ein paar schöne Schmetterlinge und ein Wesen, dass mir gänzlich unbekannt ist, mit schwarz-gelben Flügeln und einem schwarz-roten Körper, das elegant auf weißen Blüten landet.

Irgendwann verlasse ich diesen Ort wieder und auf meinem Weg zum Strand kreuzt noch ein Jugendcamp meinen Weg, von wo aus einem ein guter Blick auf das Meer gegeben wird.

Koh Samets Vegetation besteht hauptsächlich aus Wald, ist kaum tropisch und weniger üppig im Vergleich zu den Inseln im Süden Thailands. In diesem Sinne empfinde ich es, um ganz ehrlich zu sein, als ein bisschen langweilig. Dementsprechend fehlen auch viele tropische Vögel und andere Tiere, wodurch ich auch keine nennenswerten Geräuschaufnahmen habe machen können.

Der Nordstrand ist sehr ruhig und entspannt, kaum Leute die ihre fetten Ärsche auf dem Sand verteilen und so habe ich einen angenehmen Ort zum schwimmen, sonnen und –zum ersten mal- Poitraining gefunden. Ein großartiger Nachmittag vergeht damit und endet in einem ebenso großartigen Sonnenuntergang, der sein rotes Licht malerisch über den Horizont verteilt. Das Poispiel ist sehr energetisch, ich steigere mich bis zum Maximum hinein und wirbele mehrfach in hoher Geschwindigkeit um die eigene Achse, während die Wi vermutlich auch rückwärts dazu rotiert.

Kommen wir nun zu etwas völlig anderem…

Der Plastikmüll der am Strand angeschwemmt wird. Dieser ist nicht unbedingt ein Einzelfall auf Koh Samet. Ob Flaschen oder Beutel, es ist eine ganze Menge was sich da so sammelt und ich schrieb während der letzten Reise schon einmal ansatzweise über die Umweltproblematik in Thailand. Ich sagte, ich würde gar nicht darüber nachdenken wollen, was dies bedeutet. Nun tue ich es.

Der Plastikmüll ist in Thailand erheblich und teilweise verbrennen die Einheimischen den Dreck sogar. Im 7eleven geben sie einem immer eine Plastiktüte dazu und man sollte deshalb sagen, dass man keine möchte.

So wie auf Koh Samet der Plastik angeschwemmt wird, habe ich es auch noch nicht erlebt. Nun, das Festland ist nicht weit entfernt und Rayong und Pattaya, zwei Großstädte mit viel Industrie, befinden sich dort.

Ich werde im nächsten Kapitel noch näher darauf eingehen, berichte jetzt erst noch vom letzten Tag auf Samet, wo ich den Trip in den Süden unternommen habe.

Es sind ungefähr anderthalb Stunden Fußmarsch und es geht auf und ab auf der zerbombten Straße, da die Insel immer schmaler wird, werden auch die Resorts weniger auf diesem Weg.

Es ist nicht besonders spektakulär und in der Mittagshitze definitiv mühsig. Ich schätze es sind so sieben Kilometer von meinem Gasthaus aus bis zum Ende der Insel – dem Südkap. Ich lausche der herzerwärmenden Stücke von Eva Wunderbar, die mich sanft über die Zeit tragen, mich fliegen lassen über den Boden, winzige Tränen der Freude entlockend…

Nun, ich kreuze wieder das Samet Ville Resort und etwas später das Paradee, dass, wie ich feststelle, die einzige bewachte Hotelanlage auf dieser Insel darstellt.

Kurz vor Ende der Insel befindet sich dann noch ein Resort, dass viele Hängematten und Schaukeln zu bieten hat, wo ich mir Banana Cake und Erdnüsse gönne und eine einstündige Verschnaufpause einlege in einer der Hängematten. Das erste mal Hängematte auf der Reise! Ich schaukele für mein Leben gern und in Hängematten fühle ich mich zuhause, aber sie muss ständig weit schwingen, sonst ist es nur halb so interessant.

Kurze Zeit danach stehe ich schließlich am Südkapp und betrachte die Mikroinsel die sich an Samet anschließt und das offene weite Meer. Plastik wurde angespült und ein alter Latschen.

Ich atme die Weite.

Die Weite des Kosmos, die Weite des Seins.

Als ich mich auf dem Rückweg befinde und erneut das Paradee kreuze, jene bewachte Hotelanlage, keimt in mir ein spontaner Gedanke auf, dass ich dieses Anwesen von innen sehen will – dass ich mich nicht irritieren lasse von diesen Sicherheitsfuzzis.

Eine Ecke entfernt, die Straße hinauf und um die Ecke, entdecke ich einen kleinen Pfad durch den Wald, den ich ohne zu zögern einschlage. Ich bin sicher; es gibt einen anderen Eingang!

Der Pfad führt zu einem kleinen Platz mit einer Feuerstelle und ich kann das Resort schon erkennen, schleiche mich vorsichtig um die Ecke eines Bambuszauns und bin drin. Die Häuser sind weiß und wirklich extrem nobel. Ein „Wächter“ kommt mir entgegen und will wissen, wohin ich gehe, mein Herz klopft und ich antworte schnell, dass ich unterwegs zum Strand sei, nur dass der Weg den ich gehe, gar nicht wirklich zum Strand führt, wie mir kurze Zeit später klar wird.

Der Weg endet an einem der Häuser und geht in einen anderen kleinen Pfad über, der nach links oben weg führt, weg vom Resort und schließlich in den Wald. Ich bin nervös wegen des Wächters und bin unsicher, denke mir, er wird Verstärkung holen und zurückkehren.

Im Wald gibt es viele DSCF5328SpDSCF5332innennetze und der Pfad ist sehr klein, ich muss mich durch Sträucher und Äste kämpfen, doch ich verlaufe mich ziemlich schnell und werde mehrere male von lästigen Moskitos gestochen, was mich dazu veranlasst, wieder zum Resort zu gehen. Von dort aus erkenne ich den Strand, der wesentlich kleiner ist als jener im Samet Ville und sehr idyllisch wirkt. Doch ich traue mich nicht ganz, den Pfad dorthin zu nehmen, ich gebe auf, will keinen Ärger.

Behutsam schleiche ich den Weg entlang wie Pteppic in Pyramiden und gehe nicht wieder die selbe Route, sondern mache mich geradewegs an dem Ausgang aus dem Staub, der direkt neben dem Haupteingang liegt, wo mich der Wächter von außen nur leicht kritisch beäugt.

Nun, das war der Trip in den Süden.

Mein Fazit zu Koh Samet;

Es ging mir die meiste Zeit über nicht so gut und ich Samet ist darüber hinaus keine großartig lohnende Insel. Es ist die Insel, auf der Thais, Chinesen und Russen Urlaub machen, wo es am Wochenende voll wird im Gegensatz zur Woche, wo Plastikflaschen angespült werden und kaum Palmen am Strand stehen (am Nordstrand waren jedoch ein paar wenige). In diesem Sinne stimmt es vielleicht auch nicht ganz, dass der Regen in der Regenzeit die Straße transformiert. Es soll wohl wesentlich weniger Regen geben als auf den südlichen Inseln wie Panghan oder Phi Phi. Keine wirkliche Alternative dazu also, aber es bot sich eben an, weil ich ja zu Anfang erst einmal an den Strand wollte und es nicht so weit entfernt von Bangkok ist. Ich bin froh, als ich wieder im Boot zurück ans Festland sitze und etwas neues beginnt.

Das nächste Kapitel ist schon fast fertig, dauert aber vielleicht noch so 2-3 Tage und wird sehr lang (hat jetzt schon 10 Seiten)

Ein frohes neues euch allen!

Chapter 1. Ankunft in Thailand

Bangkok.

Flughafen.

Zahlreiche Neuankömmlinge strömen zu den Schaltern, welche jene letzte Barriere markieren, bevor es mal wieder heißt; es wird heiß im Land des Lächelns. Denn draußen erwartet dich die Hitze der Nacht, die schwüle Brise der Hauptstadt, meist bestehend aus einer Mischung aus Abgasen, Müllgestank, exotischen Gewürzen und Tiger Balsam.

Ich bin zurück. Zurück in meinem Traum, mir schien es ein ganzes Leben her zu sein, doch ist es anscheinend präsenter als ich dachte.

Die Neuankömmlinge rücken langsam vor, Schritt für Schritt ins Paradies. Aus meinen Kopfhörern schwingt der sanfte Klang des ersten Albums von Ulrich Schnauss in meine Ohren, ein Prickeln fährt durch meinen Körper, warm und angenehm, ich bin gleich dran.

Dann geht alles sehr schnell, so schnell wie nie, und ich warte auch nur geringfügig lange auf meinen Rucksack.

Glorreiche Brise, die du durch meine Nasenlöcher strömst direkt ins verwirrte Hirn, dass noch nicht so richtig weiß, was eigentlich los ist im Hause Jones.

Das Unübliche, doch Übliche, da schon zum zweiten male, dummes Hirn.

Ankunft in Thailand.

Ja, diesmal ging alles viel schneller, musste ich doch beim letzten Trip fast einen halben Tag in Doha zubringen, weil ich erst so spät gebucht hatte.

Diesmal gab es nur zwei Stunden, die wie im Fluge vergingen, in der Zwischenwelt Abu Dhabis… und in den Maschinen selbst konnte ich mir die Zeit einmal mit Liebesgrüßen aus Moskau und das andere mal dem neuesten Batman vertreiben, nur unterbrochen von leichten Turbulenzen hier und da, was dem Film durchaus entsprach.

Nun, nach 16 Stunden letztendlich, mit etwas Verspätung also…

Bangkok.

Flughafen.

Ich spreche zwei Deutsche an, ob sie eine Ahnung haben, welcher Wechselkurs der richtige auf der Anzeige ist, also der, den man am Automaten ausgezahlt bekommt, und sie scheinen noch weniger irgendeinen Schimmer zu haben, als ich, aber so ist das eben mit Schimmern, auf die ist kein Verlass, verdammte Saubande.

Was solls, ich komme also mit Moe und seinem Kumpel ins Gespräch, die zur Kao San wollen, aber schon wieder kleinen blassen Schimmer haben, wie, in diesem Falle aber ich. Mit dem Zug nämlich, nicht mehr mit dem Bus, der wurde abgeschafft.

Nun, ist auch viel bequemer, preiswerter, schneller und überhaupt, da weiß man doch wie der Hase läuft und woran man ist.

Schon bald stehen wir auf dem Endbahnhof und treffen auf zwei weitere Deutsche, ein Pärchen, dass etwas älter ist als wir es sind, die sich ein Taxi bestellen möchten, wo wir uns natürlich sofort dranhängen und bääm – Kao San Road.

Wie habe ich die gehasst beim ersten mal, völlig überfordert war ich von den Eindrücken, all die übertriebenen Lichter, die wahnsinnigen besoffenen Engländer und all die Leute die einem was verkaufen wollen – ganz besonders die verdammte Pussy Show.

Irgendwie vermisse ich die Aufregung, ja ich bin gut drauf, alles super glatt gegangen, kaum was bezahlt für den Weg bis zu Kao San und interessante Gespräche innerhalb der kleinen Reisegruppe, die sich gebildet hat. Aber irgendwie ohne diese prickelnde pochende mächtige Aufregung vom ersten mal, was nur eins heißen kann; es ist wie beim Sex!

Nun, ich weiß wo ich hin will und es ist kurioserweise direkt gegenüber von dem Hotel welches sich die beiden Jungs ausgeguckt haben. Dieses ist jedoch viel zu teuer und sie riskieren einen Versuch mir zu folgen in das; Peachy Guesthouse.

Dies hat Doppelbettzimmer mit Fan für 160 Baht (ziemlich genau 4 Euro), was das Langzeit-Backpaper-Herz doch mehr als erfreut, junges Volk da draußen, oder wie oder wer oder watt oder wieso eigentlich oder nich?

Dafür sind die Betten hart wie Beton, aber es ist dafür ein wenig abseits gelegen von den totalen Tourimeilen.

Also, die folgenden zwei Tage und drei Nächte insgesamt verbinge ich in Bangkok und gegenüber dem ersten male muss ich doch sagen, gibt es zwar weniger prickelnde Aufregung, dafür aber umso mehr Gelassenheit, die dem jungfräulich empörten Chaos entschieden entgegen tritt mit einem HaHa! Erschrecken tust du mich nicht mehr, du alte Hauptstadt-Sau! Ja, wirklich, ich bin geradezu überstürzt geflohen vor zwei Jahren aus diesem Moloch, dass mich fressen wollte wie hungrige Monsterspinnen eine kleine sensible Ladyboy-Fliege.

Doch nun, ich genieße die Zeit, gehe abends noch mit der Kurzzeit-Reisegruppe ins Jazz Happens! wo eine Funky Band guten Sound zum Besten gibt und schlendere mit den beiden Jungs sogar über die Kao San, wo Pad Thai mir den Abend zu versüßen versteht.

Am nächsten Tag gibt es dann weiteres Schlendern, und eine wirklich gelungene belebende liebliche Thai-Massage, woraufhin der zweite Tag zum Ausflug ruft: Besichtigung des Grand Palace und Wat Pho, des Tempels, der den liegenden Buddha zu bieten hat und dieser Trip ist wirklich sein Versprechen wert; golden schimmernde und in allen Farben strahlende buddhistische Bauten, die einen so vereinnahmen, dass man eigentlich gar nicht mehr weg will, so geht es mir jedenfalls immer, zumindest kann man sich daran wahrhaftig nicht satt sehen, so viel steht fest.

Ich habe früher Tomb Raider gespielt, ich war süchtig nach diesem Computerspiel, und die Realität sieht definitiv besser aus. Nur fehlen mir leider ein bisschen die Rätsel, die ich lösen muss, der Ruf des schicksalshaften Abenteuers, bei dem es verborgene Schätze und längst vergessene Artefakte zu entdecken gibt.

Nun, es ist auch kein Wunder, bei all den Touristen, das gleiche Problem hatte ich schon in Angkor Wat, Kambodscha. All diese Assis… oh, ich meine natürlich Touris.

Am wohlsten fühle ich mich immer wenn ich alleine neues entdecken kann, da wo keiner sonst hingeht, verweile und alles in Ruhe beschaue. Ja, das ist es. Den einen Abend in Bangkok lief ich durch einen andere Tempelanlage nahe der Kao San, da schien schon geschlossen zu sein, es gab allerdings eine Pforte, die geöffnet war und ich stürzte mich ins Vergnügen… es war schon dunkel und der Hauch des Geheimnisvollen haftete der Szenerie an, es war schön, ja das hat Spass gemacht.

Und kurz darauf durfte ich Teil einer chinesischen Zeremonie werden, bei der etwa hundert Menschen einmal um den Block liefen, angeführt von ein paar Mönchen und die schließlich endete an einem hübschen chinesischen Wat. Das war beeindruckend.

Also…

Ich erkundete Angkor mit dem Fahrrad, was kaum ein anderer Irrer sonst allen Erntes machen möchte denn der Wankende wird dabei seinen Verstand verlieren, ich entdeckte eine Volunteer Farm in Pai, auf die ich zurückkehre um mein dort verlorenes Herz zurückzuholen, ich schwang den Feuerstab wie ein tollwütiges Eichhörnchen an einem pornösen und nicht mehr ganz legalen Strand und flitzte todesmutig über die Full Moon Party – der wohl mit Abstand abartigsten Feier aller Welten, ich kletterte über eine halb nicht mehr existente Brücke mit einem 20meter Abgrund darunter und was mag wohl als nächstes kommen… bleibt dran wenn es wieder heißt; Paolo Jones macht Südostasien unsicher und alle englischen Mädchen müssen entsetzt fliehen, denn sie haben keine Chance!

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