Chapter4. Trip zum Pambok Wasserfall

Kraft der Natur! Öffne dich mir! Ich gebe mich dir hin und atme deine Klarheit, lasse sie sich in mir ausbreiten wie eine kalte Kompresse auf dem unruhigen Geist des Großstädters, o Wonne der Frischluft, Reinheit des Baches, die den Göttern entsprungen sein muss.

Seht doch! Ein Spalt öffnet sich zwischen den massiven Felsen und das Wasser prescht triumphierend hinab in eine natürliche Badewanne ohne Quietsche-Entchen, kratergleich! Ein Schauspiel, gleichermaßen friedlich und gewaltig, entgeht dem Betrachter nicht ohne Jauchzer, und wenn doch, möge ihn sofort und ohne Umwege, also gewissermaßen auf der Stelle ein Frosch bepieseln für dieses Verhalten, denn es ist schändlich, oh himmlische Achtfaltigkeit, die du kreislich geschlossen die Ewigkeit umspannst, mit deiner Güte und Herrlichkeit!

Da kommt er, eingehüllt in Stein, stolz und mit Hall, der rauscht durch die Umgebung, der Pambok Wasserfall!

Sein beruhigendes Rauschen umspült die stressgeplagten Ohren sanft, schenkt Entspannung in einer sonst so lauten Welt, lässt einen innehalten und sich besinnen.

Mein Ausflug dorthin lohnte alle Mühe. Alle Mühe, nachdem ich mit dem Fahrrad bergauf und bergab gedüst bin.

Die Landschaft von Nordthailand ist überwältigend.

Überall Wald, Wiesen, Bäume, Palmen. Und diese massiven Berge mit ihren fruchtbaren Tälern. Die Vegetation ist reichhaltig und das Klima ist weniger feucht. Nur die Temperaturunterschiede sind etwas anstrengend. Denn nachts kann es sehr kalt werden, während es tagsüber heiß ist.

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Die Straße vor mir zog sich endlos in die Höhe, ich versuchte alles herauszuholen aus meiner Fitness, doch die Kraft reichte nicht aus. Ich musste mal wieder absteigen und schieben. Mal wieder, weil dies keine Seltenheit ist, denn mein Fahrrad war zwar gar nicht mal so schlecht, aber seine Gangschaltung reichte bei weitem nicht für diese steilen Straßen aus. Doch bei aller Anstrengung: Die Belohnung ist jedes mal atemberaubend. Denn bei dieser Abfahrt erreicht man eine solche Geschwindigkeit, dass einem die Ohren schlackern. Ich liebe das. Da spüre ich die ganze Freiheit des Reisens und des Lebens – ja, durch die Berge heizen mit dem Rad ist himmlisch. Dem Himmel so nah.

Auf diesem Weg ging es viele male auf und ab, nur unterbrochen von Zwischenstopps, um die Weite der Landschaft einzuatmen. Schließlich traf ich am Parkplatz vor den Toren des Wasserfalls ein und ging zu Fuß weiter. Dem Flusslauf folgend, über eine niedliche, typischerweise schon halb zerfetzte Dschungelbrücke, lief ich in Richtung des Pambok, aber hob ihn mir noch für später auf, folgte stattdessen nach rechts oben einem Pfad, der hinter den Wasserfall führte, wo der Fluss seinen Weg fortsetzte.

Dort entdeckte ich zwei Becken, in die man eintauchen kann, süße kleinere Wasserfälle und die ganze Schönheit dieser Welt. Nun, ich war etwas spät aufgebrochen, was ein bisschen Schade ist, denn es lohnt sicher am Fluss noch weiter entlang zu wandern und mehr von der Gegend zu erkunden, bei all der Pracht!

Ja, ich war etwas spät und es würde bald die Dämmerung einsetzen. Deshalb musste ich rechtzeitig wieder zurückfahren.

Doch vorher…

Herrliche Kraft des Bergwassers, versorge mich mit neuer Lebensenergie, spende Klarheit, lass mich erwachen im Körper, Geiste und der Seele!

Zwar hatte ich das so lebenswichtige Handtuch vergessen, aber ich war ja nicht per Anhalter unterwegs und lasse mich auch gerne mal von der Luft trocknen.

Nachdem ich also eingetaucht war in dieses herrliche klare Becken, war ich bereit mir Pambok anzuschauen.

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Und im Anschluss daran ging es wieder zurück durch die Landschaft mit dem Rad, aber noch nicht nach Pai, erst stattete ich noch dem Rice Harvest Festival in Tacome Pai unweit der Stelle, an der man Richtung Wasserfall einbiegen muss, meinen respektvollen Besuch ab, der etwa zwei Stunden andauerte und wo ich u.a. wieder auf Pontes stieß.

Das Rice Harvest Festival fand vom 26. – 28.12. auf der Organic Farm statt, die übrigens auch eine Volunteering Farm ist mit einem recht preisgünstigen Angebot für die ersten vier Wochen und danach kostenfreiem Aufenthalt.

Nun, mir war nicht nach viel Trubel zumute, war ich doch gerade ausgiebig durch die Landschaft gerauscht. Aber eine schöne Farm, dass muss man sagen. Ich genoss das Abendessen dort, führte ein paar Unterhaltungen und zog dann wieder ab.

Insgesamt ein guter belebender Tag, den ich morgens mit dem Wechsel vom Giant Guesthouse ins KK Hut begann, nachdem mir James aus der Zirkus Schule dazu geraten hatte. Das KK Hut wird von sehr herzlichen, lieben Thais geführt und die Preise sind fast schon zu gut um wahr zu sein. Dabei ist sogar Frühstück inklusive.

Zudem traf ich vor dem Trip in Pai noch auf einen Traveller, der mir von etwas speziellem berichtete; Dem Wat Tam Wua, einer Tempelanlage auf dem Highway Richtung Mae Hong Son, der unbegrenzte Retreats auf Spendenbasis anbietet, d.h. man kann kommen, so lange bleiben und so viel geben wie man möchte. Großartig! Genau was ich gesucht habe.

So wurde an diesem 27.12. nicht nur Klarheit in meinem Kopf geschaffen, sondern auch ein weiterer Grundstein für diese Reise gelegt, ich sagte ja im letzten Kapitel dass die Sache mit der Meditation als einziges noch fehle (und eine angenehme preisgünstigere Unterkunft).

Kraft der Natur! Eröffne dich mir! Spende mir Gelassenheit und neue Kraft! O Wonne der Frischluft, Reinheit des Baches, die den Göttern entsprungen sein muss!

Chapter 3. Das Reisen, das Universum und der ganze Rest

!!! Dies ist nicht der vollständige Artikel!

Ja, das ist wahr, auch wenn er so schon verdammt lang ist.

Aufgrund dessen dass er eben sonst zu lang ist, aber auch wegen dem ein- oder anderen brisanten Material wird er in dieser kürzeren Version veröffentlicht.

Bei Interesse könnt ihr euch bei mir melden und ich schicke dann gern die Komplettfassung per e-mail an euch.

Well… insgesamt ist sicher noch nicht alles ganz rund, aber ich bin froh, dass dieses Kapitel nun abgeschlossen ist und wünsche viel Vergnügen beim Lesen. Konstruktive Kritik und alles andere bitte auch gern an mich. Kommentare kann man hier ganz einfach hinterlassen.

Love+Light !!!

Endlich angekommen.

Viele Strapazen liegen hinter mir und ich bin äußerst erleichtert, dass diese nun vorüber sind.

Meine Gefühle zu den Dingen waren im allgemeinen eher unbefriedigend und hinzu kommt dass ich ja diese Krankheit auskurieren musste.

Die Zugfahrt nach Chiang Mai brachte einen ersten richtigen Höhepunkt und eine Wende mit sich, diese Zugfahrt war ziemlich witzig.

Man nehme einen alten Zug, der wirklich langsam fährt, vielmals Pausen einlegt und über einen wir-lassens-hier-mal-so-richtig-krachen-während-wir-frühstücken-waggon verfügt und Türen enthält, die am Tage nicht so ganz wissen oder vielmehr mit nachdrücklichem Wohlwollen vergessen haben, dass sie eigentlich geschlossen sein müssten. Nun packe man dieses Gefährt in ein exotisches Land und lasse es durch enorm beeindruckende hohe Berge brettern. Nun, es ist ein gewisses Happening, und diese Türen von denen ich hier voller Respekt spreche, sind keine gewöhnlichen Türen…

Sie sind intelligente Wesen aus Trotz-Dem-Metal, die genau wissen, dass es dem Schaffner missfällt, wenn sich durchgeknallte Backpaper zu weit hinaushängen während der Fahrt. Wobei sich-zu-weit-hinaushängen definitiv ein adrenalin-ausschüttendes und glückshormon aktivierendes Spektakel darstellt, wenn es über Brücken fetzt, an Schildern vorbeirauscht, Palmen den Weg säumen und verrückte Hunde mit interessanten Namen wie hat-n-knall oder spinnt-n-bisschen schwer beschäftigt damit sind, wie sie nun auf die andere Seite der Gleise kommen mögen.

Nun hat der geneigte Leser womöglich eine gewisse Vorstellung erhalten und dem hinzugefügt werden muss sicher dass diese absolut spektakuläre Landschaft, die einem auf diesem Weg kurz vor Chiang Mai am frühen kühlen Morgen geboten wird, eine wahrhaft eindrückliche Erfahrung hinterlässt, wenn man von Sinnen berauscht in der nördlichen Hauptstadt Thailands eingetroffen ist.

Und aus dem Äther schießt eine Stimme, die da verkündet; „You wanna die?“, es ist kein geringerer als der Schaffner, der zu später Stunde dann doch noch was mitbekommen hat und des weiteren gezielt darum bittet, man solle doch das Feld räumen, woraufhin sich natürlich die Tür einen abfreut, im siebten Himmel schwebt, denn sie hat gewonnen.

In Chiang Mai eingetroffen, gerade den Bahnhof verlassen, ruft mich eine Stimme zu sich, und es ist keine geringere als eine von jenen Stimmen, die einen auffordert ein Taxi zu nehmen, in diesem Falle eines der roten preisgünstigen, und eines dass bereits völlig überfüllt ist. Ich erkläre mich bereit und steige hinzu, habe gerade genug Platz um einigermaßen zu sitzen und genieße im folgenden die Fahrt in die Innenstadt.

Auf dieser, meiner zweiten Reise durch das Land bin ich außerordentlich gut gerüstet, habe alles dabei, was ich benötige oder benötigen könnte und so habe ich auch eine Visitenkarte des Gasthauses in dass ich gebracht werden möchte; Diva Guesthouse im alten Stadtviertel. Allerdings habe ich keinerlei Reservierung getätigt und so erfahre ich vor Ort, dass alles restlos ausgebucht ist bis zum Ende des Jahres, was aber auch kein Problem darstellt, da ich direkt nebenan im Same Same Guesthouse eine gleichwertige gute Unterkunft finde, um ein paar Tage zu bleiben. Ein Dormitory für 120 Baht die Nacht. Was will ich mehr?

Nun, gesund werden.

Denn diese bescheuerte Krankheit hält sich hartnäckig, traktiert mich mit ihren unangenehmen Schmerzen, welche hauptsächlich an der linken Seite meines Kopfes Party feiern, sich einen eisgekühlten Drink in meinem Ohr genehmigen und darüber hinaus ab und zu im Hals einen Tango tanzen und selbst vor oralem Sex in meinem Kopf nicht zwangsläufig zurückschrecken. Auch wenn das Trainsurfing atemberaubend gewesen war, so gut für mein Immunsystem war es wohl nicht aufgrund der morgendlich sehr kühlen Brise, die mir um die Ohren peitschte.

Ich halte aber tapfer durch. Sage den Schmerzen weiterhin den Kampf an und erlaube es dem Herrn Ibuprofen mir weiter Unterstützung zu leisten.

Der erste Abend in Chiang Mai ist erquicklich in der Gesellschaft einer Schweizerin und wir drehen eine Runde um den Block zum lokalen Markt, der allerhand Früchte und warme Kost zu bieten hat und ich kaue auf einer Reihe Guave Stengel herum. Die kühle Brise ist eine willkommene Abwechslung gegenüber der Hitze Koh Samets. Seltsam, wie sich das Empfinden ändert, wenn man nüchternen Geistes durch die Welt schreitet.

Am nächsten Morgen gibt es wieder einmal Porrige im populären Julies Guesthouse, welches einst von den Leuten vom Diva gegründet wurde, diesmal mit Soja Milch. Beim Genuss eines weiteren Cyber-Smoke Pina Colada treffe ich auf einen Schweden mit Dreads; Pontes, der wie auch ich nach Pai weiterreisen will und wir unterhalten uns ein bisschen. Ich sollte ihn später dort wieder treffen.

Doch zurück zum Porrige und zum Essen im allgemeinen.

Dieses zählt nun mit zu meinem Frühstücksrepertoire und stellt eine gesunde Alternative zum American Breakfast dar, ich meine, hier in Thailand gibt es so viel Ei, überall ist es präsent und ich liebe Ei. Es schummelt sich in die vegetarischen Reis- und Nudelgerichte, ins Frühstück, in die sehr nützlichen Banana Cakes (gut fürs Trekking) und auf meiner ersten Reise habe ich es dauerhaft in mich hineingestopft. Doch nun bin ich bewusster und pendele zwischen Porrige und dieser Möglichkeit.

Das Thai Food ist großartig, keine Frage, und im Norden des Landes kommt man als Vegetarier voll auf seine Kosten – in Chiang Mai hieß meine erste Wahl Yellow Curry with Tofu (Suppe mit Kartoffeln und serviert mit Reis). Gewisse Rituale pegeln sich bei mir an jedem Ort immer ein, so saß ich in Chiang Mai dieser Tage morgens meistens im Julies mit meinem Porrige.

Die Thais essen gerne Suppe, morgens gibt es die traditionelle Reissuppe mit Hühnchen oder Schwein, die ohne Fleisch nach gar nichts schmeckt, wie ich feststellen musste. Mal sehen wie es in Laos zugeht.

Was die Getränke angeht… unschlagbar, da ja die bekannten Früchte alle in Thailand wachsen, ich für meinen Teil mag Mango Shake am liebsten, aber natürlich ist Kokosnuss ein absoluter Hammer, wobei mir da nur der Shake mit der Kokosnussmilch zusagt, nicht der mit dem reinen Direktsaft.

Im allgemeinen ist die Ernährung definitiv ein Hit, denn es ist alles frisch und vieles gesünder als bei uns in Deutschland.

Nach dem Frühstück steht er dann an; Der Gang ins Krankenhaus zu einem Arzt (bzw. die etwas anstrengende Fahrt mit dem gerade ausgeliehenen Fahrrad, anstrengend weil es bei den Chaoten die hinter unzähligen Steuern sitzen ein nahezu unmöglicher Akt ist, sich wieder in den Verkehr einzugliedern wenn man von der einen Seite kommt und wieder auf die andere Seite des zwischen den beiden Straßen fließenden Flusses wechseln möchte, aber egal, die Sonne scheint und das finde ich fein, es muss doch irgendwie schon Sommer sein, sorry, dass ist leider kein Buch, sonst würden solche Zwischenbemerkungen die hier in Klammern stehen wie bei Pratchett Fußnoten sein und dann könnte ich z.B. auch erklären dass die Chiang Maier Altstadt von einer Straße umkreist wird und sich zwischen beiden Richtungen der Fluss befindet, nun, jetzt habt ihr vielleicht den Faden verloren, einfach noch mal lesen und den Text in Klammern der keine Fußnote ist, ausblenden, ha, ich liebe Penetranz!), um herauszufinden, was für mysteriöse Dinge es da ohne Aufenthaltsgenehmigung in meinem Körper wagen, auf den Putz zu hauen.

Nach der Klärung der Formalitäten im Eingangsbereich darf ich mich in einen Warteraum setzen, wo auf einem dieser Domestikationsapparate etwas irritierende, überbunte Serien und Werbespots flimmern und ich denke mir, hmm, in einigen Punkten sind die Menschen alle gleich bescheuert und das trifft definitiv auf den Schwachsinn zu, der da läuft… welch Glück ist es da doch, dass ich nicht den blassesten Schimmer einer Ahnung davon habe, was die da quasseln.

Nun, der Arzt erlöst mich schließlich und untersucht meine Ohren, Nasenlöcher, sowie den Rachenraum und stellt im Anschluss daran fest, dass mein Ohr in Ordnung ist (ich hatte nämlich vermutet, dass es eine Mittelohrentzündung ist).

Die Konversation gestaltet sich schwierig und ich bin danach wenig schlauer als vorher, da ich immer noch nicht weiß, was für Dinge da in mir Schabernack treiben, nur so viel, dass es wohl irgendeine Entzündung ist und ich nicht so hart essen solle, inklusive Weiterbehandlung mit Herrn Ibuprofen. Zumindest hat er mich etwas beruhigt, scheint wohl nur halb so wild zu sein das ganze.

Was allerdings nur bedingt gegen den Faktor hilft, nicht ganz auf der Höhe zu sein – ich muss es wohl hinnehmen.

An dieser Stelle springe ich mal etwas weiter und lasse einen Tag aus, dieser Bericht würde sonst jeden Rahmen sprengen und alle Rekorde brechen, was er ohnehin schon tut, weil er wohl der längste aller Zeiten wird.

Deshalb und da er in der Kürze manchmal die Würze liegt: An diesem nächsten Tag besuchte ich zwei kleinere und den größten Tempel in der Altstadt (und hatte dabei mehr Ruhe als beim ersten Tempelausflug in Bangkok), was auch seinen Reiz hatte, aber viel spannender war der darauffolgende Ausflug…

In Chiang Mai, 21.12.2012

Die Welt ist nicht untergegangen.

Die Welt existiert nach wie vor und die Mayas haben dennoch recht behalten, denn es ist der Beginn einer neuen Zeit … Wir sind mittendrin in diesem Prozess.

Wat Doi Suthep ist der Tempel, den es zu sehen gilt hoch über der Stadt, zu dem ein rasant ansteigender kurvenreicher Asphalt mit drei Spuren führt, und den ich bereits fast zwei Jahre zuvor erleben durfte.

Ich sitze hinter einem Londoner auf seinem Motorbike und die Fahrt ist eine ebenso rasante Fahrt. Es ist auf dieser Reise das erste mal dass ich bei jemanden mitfahre und es ist wie eh und je eine Mischung aus Spaß und Nervenkitzel. Hinzu kommt die immer stärker werdende Kälte des Berges, die einem knallhart ins Gesicht peitscht und einen frösteln lässt. Gänsehaut gesellt sich dazu. Und andere Scooter rauschen an uns vorbei.

Plötzlich öffnet sich ein Spaltbreit die Landschaft neben der Straße und erlaubt einen Blick auf die Stadt, wir halten, um uns das anzusehen, bevor es weitergeht in Richtung Wat Doi Suthep, den wir irgendwann nach unzähligen scharfen Kurven erreichen.

Diese Tempelanlage ist der absolute Clou.

Meisterhafte Architektur und uralte Buddha-Reliquien vereinen sich hier zu einer einzigartigen Komposition. Schon den Gang zu den Anlagen bildet eine vielstöckige breite Treppe mit zwei Drachen an den Seiten die sich die gesamte Treppe emporschlengeln. Es ist ein Fest. Die typischen goldenen und bunten Dächer, große Bronzeglocken, Elefantenstatuen.

Wir erreichen den zentralen Bereich etwa gegen fünf und bleiben ca. anderthalb Stunden, während dessen wir an einer kleinen Zeremonie teilnehmen, bei der wir hinter den Mönchen im Kreis gehen. Ein schöner Akt an diesem 21.12., dieses besonderen Datums und der Wintersonnenwende.

Der eigentümliche goldene Glanz bleibt diesmal leider aus, wie ich ihn bei meinem ersten Besuch erleben durfte, aber es ist dennoch ein erleuchtendes Erlebnis. Damals nämlich fiel das Sonnenlicht derartig speziell ein, dass der zentrale Bereich quasi „in Flammen“ gesetzt wurde – das Gold der Bauten wurde derartig verstärkt, dass es geradezu im Auge brannte und ich den Eindruck gewann komplett davon eingehüllt zu werden. Das war unbeschreiblich gewesen, die betreffenden Fotos existieren, nur sind Fotos eben nur Fotos.

Schließlich verlassen wir diesen Ort wieder, was natürlich heißt, den Abstieg zu wagen. Nun ist bereits die Dämmerung vorbei und das bedeutet, es wird scheiße frostig bei der mörderischen Talfahrt zurück. Ich habe weitsichtig wie ich bin natürlich an meinen geliebten und gleichzeitig einzigen Pullover gedacht, aber mein Londoner Begleiter eher weniger. Für ihn wurde es eine anstrengende Tortur hinunter, doch das war nicht das einzige schwierige Kapitel dieses Tages für ihn. Er hatte zuvor am Morgen einen Strafzettel erhalten, nachdem sie sein Bike abgeschleppt hatten mit der Begründung es könne nur an bestimmten Tagen auf dieser Seite der Straße abgestellt werden – klingt nach Abzocke, denn er musste 400 Baht hinlegen für den Spaß.

Nun, jedenfalls sollte auch noch eine weitere Gaudi des Tages für ihn folgen – für uns besser gesagt. Nachdem wir die Fahrt hinab hinter uns gebracht haben, fahre ich weiter mit meinem Fahrrad dass ich am Fuße des Berges abgestellt hatte, weil ich u.a einen Besuch im Zoo unternahm (wo ich auch auf meinen Begleiter traf), zurück zum Hostel. Und von dort aus gehen Berlin und London los um ein bisschen zu feiern. Den Weltuntergang ausklingen zu lassen mit ein paar kühlen Drinks und einer Partie Billard. Wir erkunden zuerst ein bisschen Chiang Mais Nachtleben und dann trinken wir Cocktails in einem Laden bevor wir schließlich an unser vorläufiges Ziel kommen – der Pool Billard Bar mit Thai Girls am Tresen. London hatte eine der Ladys bereits zuvor erspäht und zu seinem Favoriten für diesen Abend auserkoren. Nun, gut sah sie aus, keine Frage, und wollte einen Drink spendiert bekommen. London lud sie ein, flirtete los, ich am Tresen daneben und gönne mir einen Cybersmoke.

Die Dame hinterm Tresen fängt mit mir an zu plaudern und ist fasziniert von meiner E-Zigarette und meinen Augen. Na, vielleicht wird der Abend interessanter als ich dachte, überlege ich still vor mich hin (besser gesagt: meine Libido).

Ich amüsiere mich auf jeden Fall.

Im weiteren Verlauf spielen wir Pool, unterhalten uns, wie das eben so ist, nicht wahr, nur denke ich die ganze Zeit darüber nach, ob hier auch alles mit rechten Dingen zu geht.

London knutscht schon mit Lady und Berlin spielt Pool mit Dame und irgendwann ist klar, dass die Frauen mit in unser Hostel kommen möchten.

Ich bin schwer verwirrt, weil ich immer noch zweifle und mich eigentlich nur ein bisschen amüsieren will mit Billard (ich! nicht meine Libido) und schließlich geht London mit Lady vor und ich sitze da. Plötzlich kommt London zurück und verkündet: „Lets Go! Trust Me!“, woraufhin ich ihm folge und die süße Wahrheit ans Licht kommt.

Ladyboys.

That’s It.

 

Interlude

Die Strapazen sind erst einmal vorbei.

Mit zunehmender Penetranz schlich sich mir von hinten ein Unwohlsein heran, das meinen Körper gleichsam meiner Psyche massiv angriff – Krieg musste die Folgen sein. Hadern mit mir selbst, Sinn und Unsinn der Reise, Erwartungen, ja, große, zu hohe Erwartungen, die nicht erfüllt werden, ein bitterer Geschmack auf der Zunge, die Ungeduld, die sich aufdrängt und einem an den Nerven zerrt wie das Drahtseil über einer hohen Klippe. Der Abgrund weit weg, aber sichtbar und dass allein genügt, um Angst und Schrecken zu verbreiten oder die mir bekannte Panik, die mich offenbar zu gern hat, da sie mich ständig verfolgt.

Keine Panik! sagt dass Buch, welches ich bei mir habe, genauso wie mein Handtuch.

Zum Glück.

 

Aber ohne Witz: Es ging mir zunehmend weniger gut, beginnend mit dem ersten Tag des Weiterreisens nach Koh Samet, wo heftiges Kopfstechen und allgemeine Erschöpfungserscheinungen meine gesamte Stimmung auf ein Minimum herunterdrückten.

Diese Krankheit ist gekommen um zu bleiben, ja, blieb auf Koh Samet und auch in Chiang Mai, wenn auch weniger aggressiv, und ich wurde quasi genötigt, täglich das Ibuprofen in mich hineinzustopfen, da es schlicht nicht anders auszuhalten war.

Dennoch…

Auf nach Pai!

 Der fünfte und letzte Tag in Chiang Mai bringt wieder mehr Unwohlsein, innere Unruhe und die Entzündung mit sich und so richtig freuen kann ich mich nur sporadisch auf den Ort meiner Träume.

Am entscheidenden Morgen stehe ich schließlich sieben Uhr in der Frühe auf, packe allen Kram zusammen und gehe noch mal ordentlich frühstücken, bevor der Mini Van mit Verspätung anrückt (und mich damit fast wahnsinnig macht, ich habe an diesem Morgen überhaupt keine Geduld, auch wenn ich weiß, dass die im Reisegepäck nicht fehlen darf, gerade in Thailand)

Die Fahrt durch die Berge verbringe ich mit Musik in den Ohren und fühle mich nicht sonderlich.

Warnung: Zeitform wird jetzt geändert, vielen Dank für das Interesse an diesen Berichten, sie werden in Kürze vor Spannung platzen wie ein nasser Reissack.

Schließlich erreichten wir Pai.

Ich gönnte mir erst einmal ein Essen und machte mich dann auf den Weg in Richtung Farm, in zwar gefühlt-dezenter aber in Wirklichkeit doch großer Vorfreude darauf, die Katzen wieder zu sehen. Und alles andere. Und überhaupt.

Die Sonne schien und der Ort war recht ordentlich besucht, die Straßen gefüllt mit Leben, die eine oder andere vom Affen abstammende Bioform schenkte mir ein Lächeln. Ja, bald bin ich da, dachte ich mir und erlaubte mir ein Lächeln. Oder zwei. Oder drei.

Dann lief ich über die große Brücke, vorbei am Don’t Cry, der Late-Night-Bar, an welcher damals Paula aus Italien oft Feuer gespielt hatte, weiter den bekannten Pfad hinauf, der sich von einer geteerten Straße in einen Feldweg verwandelt, weiter und weiter an Bananenpalmen vorbei und in die Berge hinein, majestätisch wie sie sich um einen schließen und plötzlich rechts und links emporragen, alles beherrschend, einnehmend, massiv.

Bis aufkommende Zweifel größer werden, die unterschwellig schon etwas länger anwesend waren. Oh, diese Intuition, die oft so schwammig ist, dass man sie nur unzureichend klar wahr nehmen, deuten kann. Was, wenn die Farm gar nicht mehr da ist?

Es geht weiter, die Sonne gleißt am Firmament, beharrlich, doch nicht so unbarmherzig wie im Süden des Landes, mit Reiserucksack und Stadtrucksack, Wasser in der Hand.

Scooter brettern an mir vorbei, das Tal nicht mehr weit entfernt. Bis…

Bis es sichtbar wird. Der kleine Staudamm. Doch was ist das? Ein Schild, das zur Happy Mountain Bar deutet?

Hm, ich bleibe optimistisch.

Doch nein, auch das Tippi in dem ich wohnte, ist nirgends zu sehen.

Hier stimmt was nicht.

Ja, die Farm existiert nicht mehr. Die Pai Jungle Farm ist Geschichte. Hat sich verwandelt in die sogenannte „Happy Mountain Bar“ – so glücklich macht mich das nicht.

Ganz im Gegenteil – das setzt ja wohl allem die Krone auf, jetzt reicht es, nach all den Strapazen, Krankheit, Unwohlsein, bin ich im falschen Film, ist das mein ach-so-toller-wunderschöner Traum in den ich zurückgekehrt bin. Wohl eher ein Alptraum.

Ja ein Alptraum, ich bin die dreckige Gabel in einem schlechten Film aus Muha Huli, in dem Voodoo-Priester abartige Dinge mit alten Hunden, Fußnägeln, Kinderblut und jahrhundertealtem Besteck anstellen.

Ich bin geplagt, weder das alte Gefühl der Lebendigkeit, das bei-mir-seins, des schlichten Ich-Seins oder übersprudelndes Leben ist zurückgekehrt, noch ist die Farm überhaupt weiter existent, was kommt wohl als nächstes?

Meine Eingeweide verabschieden sich von mir in einem Anflug von Größenwahn um einen witzigeren Körper zu suchen? Die Sonne verlässt das Land? Bananen verwandeln sich in Rosinen? Ich hasse Rosinen, Mann!

Was ist hier los? Ich dachte, die Welt wäre am 21. untergegangen, heute ist doch der 23.12.!

Ich war geschockt, bestürzt und enttäuscht. Ich saß in der Nähe der Bar und sah mich um, alles anders, nichts mehr wie im Februar 2011. Die einzige Konstante ist die Veränderung, ließ mich jemand etwas später, dem ich davon erzählte, wissen. Wie wahr. Und ich bin ein Narr? Nun, ich bin einfach in positiver Naivität davon ausgegangen, dass schon alles klar geht, dieser Kosmos noch existiert. Hätte ja auch mal vorher nachfragen können. Aber: Alles teil des Plans, oder? Teil des zu gehenden Weges. Ich redete mit dem Barmann, der kaum dem Englischen zugänglich ist, jedenfalls nicht ausreichend, um ihm zu erklären, was ich von ihm will und dass er hier eigentlich gar nicht sein dürfte, dass hier doch was völlig anders sein müsste, verdammte Hacke, doch er versteht mich nicht. Aber ich habe noch ein Ass im Ärmel und zeige ihm auf Facebook die Bilder von der Farm, woraufhin er versteht, was mich beschäftigt.

Dann noch mal schwierige Konversation, bis er meint, die Farm sei seit fünf Monaten nicht mehr da.

Es war bitterlich. Bitter traurig. Was für ein schwerer Moment für mich, der absolute Tiefpunkt war erreicht.

Ja, ich geriet in eine Art Schockzustand, ich fühlte mich so was von deplatziert und fremd in Pai und Thailand, wirklich schmerzend. Statt hochüberströmendem Glücksgefühl nun erschreckende Kälte.

Das Wort Reiseabbruch blitze mehrmals auf und verschwand wieder.

Auf jeden Fall dachte ich zumindest darüber nach, meinen Plan komplett zu verändern, wozu noch lange in Pai bleiben, aber nein, es gibt ja noch das Glücks-Camp im Januar, oder?

 

Die Enttäuschung perfekt.

Doch ist nicht die Enttäuschung etwas gutes, man wird ent – täuscht. Hat sich also ge – täuscht?

Nun, in diesem Falle nahe an der Wahrheit. Was erwartete ich eigentlich? Ich erwartete überhaupt – ich sollte wohl besser anfangen zu leben, d.h. mich treiben zu lassen. Neuen Dingen offen zu begegnen.

Ich habe mich verfahren, doch keine Sorge: Rettung naht.

Zuerst einmal besorgte ich eine Packung Zigaretten, das war jetzt alles einfach zu viel des Guten gewesen, ich musste mich irgendwie runterholen, das Level war bedrohlich niedrig geworden, dass mir beinahe schwindlig wurde. Kein fester Halt mehr unter den Füßen. Dann suchte ich mir einen Bungalow, ich fand das Giant, die noch einen frei hatten, nachdem ich mehrere abgeklappert hatte und alle voll gewesen waren (High Season, viele Leute zu Weihnachten in der Stadt).

Und dann ließ ich irgendwann schließlich los. Ich weiß nicht mehr genau was an diesem Abend noch alles passierte, ich weiß nur, ich traf Pontes aus Schweden wieder und saß am Lagerfeuer und wandelte noch ein bisschen durch die Walking Street wie ein Gespenst ohne Gewicht, ja so leicht wie eine Feder. Aber zwei Sachen sind unvergessen: Zum einen gingen Pontes, ich und ein paar Mädels in die Bamboo Bar, wo eine irre Drum-N-Bass Party vonstatten ging und alle wie bekloppt auf dem Bambusboden herumsprangen, der wie eine Wippe, bzw. ein Trampolin zurückfederte und das war eine seltsam komische Angelegenheit. Die aber befreite ohne Frage (ein bisschen wie auf dem Fusion-Festival auf den Netzen zwischen den Bäumen, zurück in die Kindheit, schwerelos, voll im Moment). Zum anderen sah ich mir das 17.Act Absurdum Weihnachtstürchen an und es ballerte mich weg wie kein anderes. Ich konnte es kaum fassen. Da waren alle Höhepunkte des Jahres unseres Filmdrehs zu „Etwas Wundervolles“ vereint in einem unglaublichen Clip, jede Emotion die ich für jeden dieser Momente erlebt habe, flossen zusammen und sorgten für ein unheimliches High, ein energetisches Barsten, ein mächtiges großes Empfinden. Dank damit an dieser Stelle für den Meister, der dieses einzigartige Produkt fertig gestellt hat. Wie würde Tod aus der Scheibenwelt auf die Frage „Gelungen?“ wohl antworten? IN DER TAT.

Es war magisch, schön, ich ließ mich auf den Ort ein, eijeijei…

Magisches Pai

Der nächste Tag brachte so allerhand mit sich.

Zuerst einmal ging ich zum Frühstück ins Good Life wo es dass American Breakfast statt dem Lipton Yellow Label mit Muslim Black Tea gibt (ein wirklich guter Schwarztee für den ich auch nackt frühstücken würde wenn es sein muss). Nun, man kann eigentlich jeden Tee dazu ordern, wenn man möchte. Und das Tee-Menü ist einfach…

Also gut.

Das Good Life. Es ist das mit Abstand genialste Teehaus aller bekannten Welten im Multiversum. Ich neige ja mit Vorzug und vorsätzlich gerne zu Übertreibungen, aber dass ist nun wirklich eine Tatsache. Die Auswahl an intergalaktischen Tee- und Heilpflanzen lässt keine Wünsche offen. Es gibt Schwarze, Grüne, Weiße und Pu-Erh Tees, Ginger, Chamomille, Jiaolugan, Chrysanthemus Flower Herbal, Mate, Chai und das ist noch lange nicht alles. Und es sind nicht irgendwelche Sorten. Es sind jeweils die besten. Die Qualität im Good Life ist bemerkenswert.

Und natürlich gibt es nicht nur Tee, sondern auch Kaffee, Thai Food, Pasta, Honig, Bücher, Himalaya Salz, alles zum kaufen im Laden. Es ist Geschäft, Cafe, Restaurant, Bibliothek & Tee Haus in einem. Ich hänge da andauernd herum. Warum auch nicht? Allein die Karte zu studieren, erfreut mich immer wieder aufs neue.

Zu meinem Frühstück bestellte ich mir schließlich noch ein Chrysanthemus und machte mich an die Organisation einiger Dinge. Zum einen ging ich mir ein Fahrrad leihen, kaufte ein Pack Colloidales Silber und checkte die e-mails aus.

Heiligabend in Pai

Das Don’t Cry wurde von mir aufgesucht, weil ich auskundschaften wollte, wie es um Feuer Shows bestellt ist und wurde sogleich in Verpflichtungen verwickelt. Der Verantwortliche der Late Night Bar & Clubs bot mir an, den kommenden Abend zu den Festivitäten dort aufzutreten. Dafür gäbe es auch Freigetränke. Wir verabredeten uns zum entsprechenden Zeitpunkt und verblieben so.

Irgendwann traf ich auf Helen, die Engländerin, welche ich schon am Vortag über Pontes kennen gelernt hatte (und JA ich schließe damit Frieden! Kein Spott mehr gegen Engländerinnen, nun, zumindest über keine gut gebauten Engländerinnen, die genauso groß sind wie ich), die mich weiteren Leuten vorstellte und als Gruppe gemeinsam machten wir uns auf den Weg ins Bebop, dass ein weiteres Original darstellt und mich definitiv an die Serie Cowboy Bebop erinnert. Nun, ich schrieb einmal das bekannte Lied „Lonesome Town“ von Ricky Nelson würde zu Pai passen, und das Pai den Blues habe. Und wie. Es bleibt dabei.

Helen und ich saßen hinter dem etwas angetrunkenen Spanier auf dessen geliehenem Motorbike und düsten Richtung Bebop, was für ein irrer Trip. Zudem waren viele Polizisten in der Stadt wegen Royalem Besuch, der Prinzessin höchstpersönlich nämlich.

Dort angekommen entfernte ich mich jedoch auch schon wieder von der Truppe um einer neuen Truppe beizutreten, draußen am Lagerfeuer, wo ich besonders mit Martin aus Holland und einer Japanerin namens Mae philosophierte.

Ich hatte die beiden bereits im Good Life am selben Tag getroffen, und die Magie von Pai bringt immer die richtigen Leute zusammen (siehe altes Kapitel zu Pai).

Mit Martin hatte ich hochinteressante, tiefe, spirituelle und intellektuelle Gespräche über die politische Lage auf der Welt, dem großen Erwachen der Menschen, dem Geist des Fusion Festivals, dem Geist von Pai (dem jenem der Fusion in vielerlei Hinsicht ähnelt wie wir feststellten, natürlich nur im übertragenen Sinne), und Dingen wie Telepathie, Indigos, Telekinese und Luciden Träumen.

Diese Gespräche fanden im Good Life ihren Anfang und setzten sich im Rahmen des heiligen Abends im Bebop und gegenüber in der Reggae Bar fort.

Wir sind alle eins. Wir sind alle Teil der Erde. De facto: Wir sind die Erde.

Martin geht es genauso wie mir und noch ein anderes Mädchen hat die gleiche Erfahrung gemacht. Für uns war 2011 das schlimmste Jahr unseres Lebens und 2012 das beste, vielleicht werden wir auf etwas vorbereitet, da kommt ein Sturm auf uns zu, dem wir uns tapfer entgegen stellen müssen, mit Mut, mit Kraft, mit Liebe, mit Entschlossenheit, und die können wir offenbar gerade sammeln.

Meine Seelische Ankunft an diesem Orte voller guter Energie ereignete sich also an diesem Abend und den folgenden…

Das Wahnsinnsjahr 2012!

Hatte ich zuvor so hart zu kämpfen wie kaum eine Zeit zuvor, schloss sich dieses energetische lebendige kreative Jahr an, dass wohl mit Abstand das interessanteste meines Lebens darstellt.

Unvergessen bleibt der letzte Besuch des JobCenters, wo ich als „Aufstocker“ einen neuen Bearbeiter zugewiesen bekam, welcher mir allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz „eine gute Erleuchtung“ wünschte.

Marokko, Barcelona, Life Of Brain, Etwas Wundervolles, Thailand…, doch dass alles sind nur Eckdaten.

Die wahren Höhepunkte gelten der Erfahrung…

Schwebend über einer Theaterbühne, von Zombies gefressen und dabei fast ohnmächtig geworden, in diesem Sinne gefühlt wie neu geboren und gerade frisch aus dem Mutterleib geschwemmt worden, gejagt von Agenten, von einem Fantasten erweckt und mit dem Vorschlaghammer traktiert, bis die Gefühle schließlich herauskommen mussten, irgendwie, wenn auch noch etwas verhalten.

Das 17.Video, wie schon beschrieben; es bringt es auf den Punkt. So viele Veränderungen sind geschehen, so viel altes wurde abgelegt, so viel Raum geschaffen für neues, für die Dinge, die da vom Universum bereit gestellt werden, um sie zu ergreifen.

Ich habe den Kaffeekonsum eingestellt und auch gewissen anderen Substanzen entsagt, habe meine Wohnung aufgegeben, was eine komplette Erneuerung voraussetzt. Der Cybersmoke hat die Zigarette abgelöst.

Nun, man muss etwas mit dem Leben anfangen. Man muss sich darum kümmern. Glück ist eine so scheinbar einfache Sache aber man muss bereit sein dafür, es verzichtet ab einem gewissen Alter darauf, sich von alleine zu einem zu gesellen.

Ein weiterer 7-Jahres-Zyklus endet und du befindest dich in der totalen Transformation, der Rundum-Erneuerung und jene Phase des Übergangs ist eine, der du Sorgfalt und Beachtung schenken musst, während der du schauen sollst, was für einen Fokus du wählst. Weise zu wählen ist entscheidend.

Es geht um uns alle. Wir erwachen und/oder müssen erwachen und die Machthungrigen und Fehlgeleiteten da draußen zur Besinnung bringen, wie genau, dass ist die Frage, denn alternative Medizin und Energien sind ausschlaggebend, bringen jedoch dem sogenannten Wirtschaftskapitalismus nicht den Profit, nach dem die Irren gieren. Die bringen nur dass an den Start, was am meisten Schotter abwirft, aber nicht die essentiellen Dinge, die uns allen und allem hier auf dem Planeten Erde das beste bringen.

Die Klimasünden auch hier in Thailand z.B. sind enorm und wahrscheinlich ist China noch krasser unterwegs. Ich schreibe hier und heute, dem 3.Januar, genau einen Monat unterwegs, diese Passage des Kapitels und habe gestern, beim Auflegen in der Reggae-Bar das BBC World Weather angeschaut, dass einen doch ganz schön in Angst und Schrecken versetzen kann, wenn man nicht gerade in guter Verfassung ist. Also ich verfolge dieses ganze Thema sehr ausgiebig in den letzten vier Jahren, ist so eine Art Hobby von mir geworden und ich habe die brandaktuellen News.

Am 23.12. kam die Meldung, dass sich die Westantarktis wesentlich schneller erwärmt als erwartet, also ungewöhnlich schnell, vorhergehende Meldungen erklären, dass der Meeresspiegel schneller stiege als gedacht und am 19.09. hieß es „Rapide Eisschmelze am Nordpol“, die Eisdecke sei in den letzten dreißig Jahren um die Hälfte geschrumpft. Nun, um zu den aktuellen Wetterdaten vom 03.01. zu kommen; In London sind es satte 12 Grad, in Berlin frühlingshafte 9, in Moskau nur minus 5, Reykjavik misst 2, New York 6, d.h. auf der ganzen Welt ist es unnatürlich warm.

Und noch eine aktuellere Meldung, ich sitze hier und beende gerade das gesamte Kapitel (es ist mittlerweile der 11.01.); vorgestern sind folgende Neuigkeiten eingetroffen: „Das Wetter in Australien spielt verrückt und der Klimawandel zeigt seine hässliche Seite. Seit Anfang 2013 ächzt „Down Under“ unter der seit Jahrzehnten schlimmsten Hitzewelle und wird von verheerenden Buschfeuern heimgesucht. Es ist inzwischen sogar so heiß, dass australische Wetterkarten neue Farben bekommen haben – dunkles Lila und Pink.“ sowie eine weitere Meldung vom gleichen Tag: „Der Winter spielt verrückt: Haselsträucher blühen, Holunder und Weiden treiben aus, und in Dresden wurde schon der erste Storch gesichtet. Botaniker amüsiert das allerdings nicht. Sie befürchten erhebliche Schäden an Wild- und Nutzpflanzen, falls nach der langen Wärmeperiode nun der Winter noch einmal mit aller Macht zurückkommen sollte.“ Und: „Nach dem warmen Januar 2012 wurde der Februar zum zweitkältesten seit 1952, darauf folgte ein extrem trockener März, der nasseste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und ein August mit Temperaturrekorden.“

Nun, worauf ich hinaus will ist der Umstand dass der Weltenwandel die nächste Stufe erreicht hat. Und damit komme ich zurück zu meinen Ausführungen über die Gespräche am Heiligabend mit Martin, aber auch all der anderen, die ich bisher geführt habe.

Wir müssen vorbereitet sein, gewappnet für die Zukunft, aber ich denke wenn wir daran arbeiten ist vieles zu retten. Viele gute Ideen existieren und viele gute Ideen werden bereits praktiziert. Die Natur zurückzuholen, einzubinden, z.B. in den Städten, auf den Häuserdächern anzubauen. In Angkor habe ich Palmen gesehen (weiß nicht mehr genau wie die heißen, irgendwas mit Weillm), die in der Lage sind, das Wasser aufzubereiten, so dass es als Trinkwasser über einen Brunnen genutzt werden kann und es gibt Inder mit altem Wissen darum, wie man ausgedörrte Böden erneuert und eine blühende Landschaft zurückbringt.

Interesting Times already.

Interesting Times.

Don’t Cry

Wie dem auch sei, der Heilige Abend war reichhaltig an Austausch (am Ende nahm ich mir noch meine Poi zur Hand und übte ein weilchen auf der Freifläche des Giant nahe des Flusses am Lagerfeuerplatz mit meinen Kopfhörern und der dafür üblichen bombastischen Beats mit viel Vergnügen) und so ging es auch den folgenden Tag weiter. Und zudem mit dem ersten großen Auftritt im Don’t Cry.

Vorher sprach ich mich mit dem Verantwortlichen ausreichend ab und nahm Flyer entgegen, die ich in mehreren Bars verteilte. Dann kehrte ich noch mal zurück zum Dont Cry, aber es war immer noch kein Publikum da, also ging ich hinüber in die benachbarte Bamboo Bar, die zwar ebenfalls leer war, aber in der wieder massiver Drum-N-Bass schepperte, und das schrie nach den Poi, die ich sofort zückte, dazu spielte und mich tiefer und tiefer hineinsteigerte, fast wie im Fieber, schließlich extrem ausflippte und so exzessiv wie selten durch den Kosmos hüpfte (dabei gelangen mir ein paar interessante nie zuvor erreichte Bewegungen wie mir scheint, die man wahrscheinlich schon als ziemliche Verrenkungen beschreiben kann). Als ich komplett aus der Puste war, stattete ich der Aufwärm-Party im Giant einen Besuch ab, wo einige der üblichen Verdächtigen zu den letzten Takten Psy Trance tanzten, bevor diese zu Ende ging und die meisten Anwesenden ins Don’t Cry wechselten.

Ich war natürlich nervös, wie üblich. Ich hatte diese, meine allerersten Poi zuvor in den Kreuzberger Jonglier-Katakomben erstanden (wo der Ladeninhaber eine geschlagene Dreiviertelstunde zu spät kam, und ich dadurch spannenderweise bei der Besorgung weiterer Technik für meine E-Zigaretten auf einen alten Freund und einen Assistenznehmer aus meinem Job bei Lebenswege traf – wäre er nicht zu spät gekommen, hätte ich die beiden nicht getroffen, ein weiteres dieser 2012er Erlebnisse) und nun war der Zeitpunkt gekommen, sie einzuweihen. Interessant ist hierbei, dass ich schon seit geraumer Zeit Feuerpoi spielen wollte und dass jedes Mal, wenn es kurz davor war, nicht passierte (an dieser Stelle liebe grüße an Antonia, ich weiß du sagtest, dass erst der richtige Zeitpunkt kommen muss).

Ich bereitete alles vor, ein paar Anwesende erwarteten die Show bereits und irgendwann war der Moment schließlich da. Ich setzte meine Kopfhörer auf mit dem Maori Beat von Highlight Tribe und zündete die Poi an. Es war ein Fest. Ein Rausch. Eine Ekstase. Und es war in jeder Hinsicht ein runder, in sich für diesen Abend perfekt geschlossener Akt, wie ein gutes DJ Set. Nach mir folgten dann zwei weitere Artisten, die auch ihr bestes gaben. Ein gelungener schöner Abend.

 

Am 26.12.

Pai ist unglaublich.

Hier scheint alles möglich zu sein. Alles ist möglich, ja, ein Sammelsorium aus Backpapern aus aller Welt findet hier das Paradies auf Erden vor, so wie auch ich, in gewisser weise, denn erste Heilung ist geschehen.

Was ich hier in den ersten vier Tagen seit meiner Ankunft erleben durfte, ist schier außergewöhnlich, schlicht bemerkenswert und einfach wundervoll.

Ich bin so vielen Menschen begegnet, die interessant sind, mit denen ich tiefe Gespräche führen konnte und die mich wieder an so einiges erinnert haben, dass von Bedeutung und wertvoll ist im Leben.

Es scheint, als seien aus allen Winkeln dieses Planeten Künstler und Kreative hierher gekommen, um sich zu treffen und mal ernsthaft über die ein- oder anderen offenen Fragen zu philosophieren und zusammen zu kommen, um zu jammen, jonglieren, feiern, und um mal eben im großartigen World Tea House „Good Life in Pai“ Kraft zu tanken, zu entspannen oder erstaunliche Bücher zu lesen.

Alleine am 26.12., was im übrigen mit der wichtigste Tag war, ging einfach alles glatt. Alles kam auf mich zu, ich hatte keine großen Erwartungen mehr, ich wusste einfach, dass irgendwie alles gut ist und gut wird, fühlte mich entspannt und frei, und schwupps, finde ich die Circus School, wo ein Engländer einer Gruppe von Leuten Tricks und Kniffs beibringt, wie man mit Poi, Stab und so allerhand umgehen kann, was es für Möglichkeiten gibt (diese Schule wurde mir bereits –gestern- den Tag zuvor empfohlen, hatte sie jedoch nicht gefunden nach der Wegbeschreibung) Ich gesellte mich hinzu und erhielt sogleich alle Auskünfte, ich könne einsteigen mit 15euro, und wäre dann immer herzlich willkommen. Training von 11-14 und 15-20 Uhr. Dann freies Spiel und Austausch. Doppelstab und Poi, Shaken, Kevlar anbauen am Stab, alles was ich will. Und interessante Leute mit denen man lernt. Sogar Lampenöl ist am Start, kein hirnloses Benzin (was nun echt ne Schande ist und viel zu heiß brennt).

Am Lagerfeuer lauschte ich den Geschichten über rauchende und beißende Affen auf Koh Phi Phi, malende Elefanten und dem Gesang eines kleinen Mädchens aus Deutschland.

Doch es prickelte mir schon zu sehr in den Fingern und so gönnte ich mir noch ein Spiel mit dem Feuer. Poi und Stab im Anschluss.

Ich nahm mir vor am nächsten Tag umzuziehen in einen preiswerteren Bungalow gleich in der Nähe des Zirkus, der mir empfohlen wurde und anschließend zum Wasserfall zu fahren. Und tags darauf würde das Training losgehen. Oh ich freue mich, das stand so gar nicht auf meinem Plan, aber nach meinem ersten großen Auftritt merkte ich schon, dass ich jetzt bereit bin, um ernsthaft neue Moves zu lernen. Tja, es stimmt, geht eine Tür zu – die Pai Jungle Farm – geht eine andere auf – die Circus School. Jetzt verstehe ich es und das ist wahrscheinlich auch besser, denn es gibt keine Wiederholung und wäre die Farm noch da, würde ich Pai vielleicht gar nicht so intensiv kennen lernen wie ich diesmal tue.

Nachdem ich von dannen zog, wieder über die herrliche Strohbrücke (ich hoffe das stimmt!) über den Pai River zurück am Edible Jazz vorbei, wo es sonntags Jam Sessions aka Open Mic gibt, beschloss ich noch irgendwas zu wollen, nicht direkt Trubel, also im sinne von Party oder so, das war ja schon die drei Tage zuvor mehr oder weniger gewesen, aber irgendwas, bevor ich bereit (bin, alte Version) sein würde weiter an diesem Bericht hier zu arbeiten, und es war phänomenal, ich bekam zum einen meine erste Jam Session geliefert, die ich mir so sehr wünsche seit meiner Ankunft in Pai, auch wenn ich wieder mehr in Gespräche verwickelt wurde und nur bei drei Stücken Trommel spielte (dafür aber mit voller Hingabe!), zum anderen traf ich draußen am Feuer sitzend einen Kerl, der allen Ernstes die Liquids für meine E-Zigaretten selber herstellt und mich eingeladen hat einen Tag vor Silvester bei ihm im Art & Music vorbeizukommen, wo es zudem auch noch Live Music, Art Gallery und Fire Show gäbe (offenbar kann ich da schon wieder spielen, welch Glück), nun, ich will unbedingt sehen wie er das anstellt.

Fazit

Weihnachten hat sich ein bisschen angefühlt wie ein Fusion-Festival, der gleiche Spirit. Wieder Kind sein, wieder in der Kindheit ohne Angst und mit Vertrauen verweilen, schwerelos, voll im Moment. Vielleicht sogar ein Stück weit „Kindheit nachholen“? Nun, wenn es einem an Kindheit mangelte, versteht sich. Und so habe ich an Weihnachten ein wenig empfunden.

Alles wird. Alles gelingt. Alles ist möglich.

Nun habe ich schon einen Teil was meinem Selbst, meines (Wollens) Willens entspricht gefunden – Circus School mit täglichem Training, Jam Sessions, und wenn ich Traktor auf dem Laptop installiert habe, und es funktioniert, sogar Auftrittsmöglichkeiten als DJ…, fehlen nur noch die Sache mit der Meditation, da kommt aber das Glücks-Camp ab 9.Januar hereingeflogen, wo Meditationskurse und auch Yoga sowie G-Matrix von Meistern angeboten werden wird.

Weitere Möglichkeiten sind Kochkurs, Qi Gong und Kung Fu, heiße Quellen, Trekking, nun, Langeweile kommt hier nicht auf.

Ich bin offenbar doch zuhause. Beim letzten und ersten mal als ich Pai verließ hatte ich so ein schmerzliches Gefühl in allem in mir, dass ist unbeschreiblich wie stark und intensiv das war, sogar die Katze auf der Farm schien zu wollen, dass ich bleibe, da sie sich an mir angekuschelte und zerrte wie wild, und auf dem Weg zum Sammelpunkt der Vans nach Chiang Mai, zerbrach fast mein Herz, wobei ich eher der Meinung bin, dass ich es schlicht verloren habe, es blieb in Pai, ohne mich, und ich träumte im folgenden halben Jahr häufig von diesem Ort, er ließ mir keine Ruhe, Fernweh durchströmte mich wie das Blut unsere Körper, und ich hatte das starke Empfinden, unvollständig zu sein. Am falschen Orte zu verweilen.

Nun, ich bin zurück. Und ich kann wachsen. Mir geht es so gut wie seit langem nicht mehr. Tja, vom einen Extrem ins nächste geflogen, ich brauchte wohl etwas Zeit um anzukommen.

Es ist der bisher magischste schönste Ort den ich in meinem Leben kennen gelernt habe.

euer endlich-zufriedener

Paolo Jones

 

Ende

 

Es war ein unglaubliches Jahr, danke noch einmal an diejenigen, die das alles möglich gemacht haben und für die Videos, die das „alles“ ja schon ganz gut rüberbringen.

Wünschen wir uns ein ebenso reichhaltiges neues Jahr, mit einem wundervollen Abschluss

sozusagen…

Lassen wir Etwas Wundervolles geschehen.

Packen wir alle gemeinsam an.

Denn es ist unsere Zeit!

J

Chapter 2. Koh Samet

Vierter Tag der Reise.

Ich sitze im Travellers und schaue mir die erste Hälfte von Darjeeling Limited an, nachdem ich ein ziemlich gutes Frühstück hinter mir habe. Die Räumlichkeit passt zum Film, da die Tische und Stühle im indischen Stil aus Holz geschnitzt sind und Pflanzen das ganze hervorragend untermalen.

Es dauert noch eine ganze weile bis ich zum Mini Van gerufen werde und die Zeit vergeht mit einem hinter-dem-zug-herhechtenden Bill Murray, drei verrückten Brüdern auf Tranquilizern und einer unfassbar hübschen Inderin.

Typischerweise kommt der Mini Van zu spät und die Fahrt ist einmal mehr eine Fahrt mit Hochgeschwindigkeit, wie ich sie einmal von Kambodscha aus über den Highway erlebt habe; es ist auch derselbe Highway, den wir nehmen.

Auf dem Weg, während wir eine Pause an einer Tankstelle einlegen, damit der Van weiterhin sein immenses Tempo halten kann, lerne ich eine Kanadierin, einen Belgier und einen Isländer kennen, die alle schon weit herum gekommen sind und spannende Geschichten zu erzählen haben.

Es dauert nicht lange, bis wir an der Zwischenstation in der Nähe des Hafens angekommen sind, uns die Zeit vertreiben, und schließlich unsere kurze Fahrt vom Festland hinüber auf die Insel unternehmen.

Koh Samet ist eine sehr kleine Insel unweit der Küste in Richtung Kambodscha und meine Wahl dorthin zu reisen lag in dem Fakt, erst einmal eine Woche am Strand verbringen zu wollen, bevor es direkt in den Norden des Landes gehen sollte.

Doch schon bevor wir das Boot besteigen, melden sich starke allgemeine Kraftlosigkeit und Kopfschmerzen bei mir an, auch nichts gegen eine Fahrt dorthin zu haben.

Auf dem Boot ist es dann so heftig, dass ich Zeit habe, um mir ausgiebig Sorgen zu machen, wobei die ballernde Sonne nicht gerade eine Hilfe darstellt.

Nun, ich mache das beste daraus und versuche dennoch zu genießen, schon bald sind wir auf der Insel angekommen.

Die beiden Kerle wollen lustigerweise zum selben Resort wie ich, dem Samet Ville Resort, welches ich bei google.maps entdeckt habe, als ich mich zuhause vorbereitete.

Ich erfahre allerdings dass jeder von ihnen 2000 Baht dafür hinblättern muss, was mich als Low Budget Longstay Backpaper natürlich abschreckt.

Ich fahre trotzdem mit, weil ich in den schmalen Süden möchte (die Insel ist breit im Norden und wird gen Süden dann immer schmaler, schaut von oben echt putzig aus) und mir denke dass es schon eine preisgünstigere Möglichkeit in der Nähe geben wird.

Die Fahrt mit dem typisch offenen Thai-Taxi mutiert zu einer spektakulär-knackigen Tour, die uns alle kräftig durchschüttelt und dazu zwingt uns gut festzuhalten, um nicht den Halt zu verlieren.

Während die Straße des Zentrums im Norden, wo Resort and Resort gereiht ist und sich der lange Hauptstrand befindet, noch human und gerade verläuft, kann man den weiteren Verlauf in Richtung Süden getrost als irrsinnig bezeichnen. Die angebliche Straße ist schlicht und einfach nicht existent, es ist ein verdammter Schotterweg bestehend aus Erde, Sand und Steinen. Und Löchern. Die Löcher nicht zu vergessen.

Sie sieht aus als wären vor nicht allzu langer Zeit Bomben auf der Insel eingeschlagen, nichts anderes kann wohl diese mondartigen Krater verursacht haben. In der Realität allerdings, wird es wohl die Flut in der Regenzeit gewesen sein, die sich gerne damit die Zeit vertreibt, die Straße zu transformieren und ihr so jedes Jahr aufs neue eine andere Gestalt zu schenken.

Der Weg ist auf jeden Fall eine Gaudi, es rumpelt und wackelt und rumpelt und wackelt, dass sich einem der Magen umdreht und sich die Erdnüsse, die ich zu mir genommen habe, in erstklassigen Mus a la Cartè verwandeln.

Schließlich knallt es mächtig neben unseren Ohren und es scheint, als würden zu bestimmten Tageszeiten wohl doch Bomben auf die Straße nieder hageln.

Es ist der vordere linke Reifen, der sich irgendeinen einsamen Stein oder etwas anderes sehr spitzes geküsst hat und der Belgier berichtet es unserem Fahrer, der es nicht mitbekommen hat. Wir stoppen an der höchsten Stelle der Straße, parken dort und beenden so unsere Fahrt.

Während wir auf das nächste Taxi warten, schlendere ich gelassen über den schmalen Pfad zu unserer rechten zu einer Klippe, von wo aus einem der Blick auf das Meer freigegeben wird, weit und blau erstreckt es sich zur linken, wird nur ein Stück weit gestoppt zur rechten, wo sich eine kleine Ecke Festland erstreckt.

Bald kommt das nächste Taxi, voller Chinesen, und bringt uns zum Samet Ville, wo wir nach kurzem Gang an der Rezeption landen.

Das Samet Ville ist definitiv ein luxuriöses Anwesen mit Pool, Holzschaukeln, einem kleinen versteckten steinigen und einem pornösen lagunenartigen Traumstrand.

Es gibt ein überdachtes Restaurant mit dazugehörigem Außenbereich und Gäste, die hauptsächlich aus Russen und Chinesen bestehen.

Bald merke ich, dass es keine weiteren Low-Budget Bungalows in Reichweite gibt und dass Taxi verlangt 400 Baht von mir, da ich der einzige bin der kurz vor Dämmerung zurück in den Norden fahren will.

Ich entscheide mich für eine Nacht zu bleiben, es gibt noch die preiswerteste Variante und zwar die Hälfte eines Doppel-Bungalows mit Fan für 1100 Baht (sind fast 30 Euro).

Das Zimmer ist nicht gerade komfortabel zu dem Preis, aber das Bett ist gut genug, dass ich nach der betonartigen Matratze in Bangkok wie ein König schlafen kann und es gibt wenigstens im Preis inbegriffenes Frühstücksbuffet.

Am nächsten Morgen stehe ich mit der Dämmerung auf und genieße ein wahrhaft großartigen Morgen und dieser sollte auch der beste während der ganzen folgenden Woche auf Samet bleiben. Dafür hat es sich definitiv gelohnt, einmalig so viel für eine Nacht hinzublättern.

Ich tauche ein in das Meer, dass sich warm und salzig um mich schließt, während die Sonne jungfräulich vor meinen Augen aufgeht, schwimme eine halbe Stunde vorwärts und rückwärts, genieße die herrliche Ruhe und Entspannung – ein Segen nach der Hektik und guter Frühsport noch dazu. Der Strand ist wahrlich wundervoll, mit feinem Sand und klarem Wasser.

Das Frühstücksbuffet ist der Knaller, mit Reissuppe, Früchten, Toast, Ei, Tee, eben allem drum und dran, und dabei treffe ich erneut auf den Isländer und Belgier. Wir verbringen auch den Rest des Vormittags gemeinsam für ein Weilchen am Strand und fahren dann zurück in den Norden, wo die beiden in ein weiteres recht teures Resort einchecken, das fast genauso heißt wie das vorherige und ich mache mich auf die kurze Suche nach einem anderen Space.

Dieser befindet sich keine 500meter weiter an einer kleinen Straße, welche von der zerbombten Hauptraße abgeht, an einem von den Touristenmassen ausreichend abgeschirmten Ort und nennt sich Lelawadee Guesthouse. Dort bittet mich eine alte Dame Platz zu nehmen und zu warten, bis die Eigentümerin kommen werde.

Diese erscheint dann um mir zu offenbaren, dass ein Zimmer 500 Baht die Nacht koste und ich willige erstmal ein, um später mit ihr 450 Baht auszuhandeln, da ich eine Woche bleibe.

Das Gasthaus ist komplett neu und alles ist sehr sauber und, nun, neu und ich verbringe die komplette Woche gerne dort.

Der schöne Morgen mit all der Entspannung ist vorbei und der Abend hält im Gegenzug eine Party bereit, zu der mich die Kanadierin einlädt, als ich sie in der geschäftigen Hauptmeile im Norden treffe, mit der Bitte, doch die beiden Kerle mit zu schleppen.

Diese Party ist der absolute Mist, wir trinken aus einem Bucket (was dann das zweite mal in meinem Leben darstellt) Wodka Red Bull und nach einer weile (mit einem ausreichenden Pegel im Blut) lassen wir uns auf die in Wahrheit extrem miserable Musik ein, um am Ende völlig auszuflippen bis wir halbnackt auf den Tischen tanzen.

Nun, es ist nicht ganz so erniedrigend wie die Full Moon, aber es kommt dem sehr nahe.

Irgendwann hört diese Farce auf und ich befinde mich inmitten der Insel irgendwo zwischen Bungalows und auf einem kleinen Weg, mit meiner Kopflampe beleuchtet und muss mir eingestehen dass ich mich hoffnungslos verlaufen habe. Die Szene ist recht creepy und ich bin echt erleichtert als ich es endlich in mein Bett geschafft habe, um bis zum nächsten Nachmittag durchzuschlafen.

Tja, was für ein Montag auf Koh Samet.

Die nächsten Tage verbrachte ich damit, jeden Tag zum 7eleven zu wandern, um mich mit Wasser und Nüssen zu versorgen und bleibe ansonsten viel im Bett, da es mir immer schlechter geht. Ich schwitze extrem unter der Decke und beginne mit Terry Pratchetts Pyramiden, ein fantastisches Buch.

Es gibt schließlich noch zwei spezielle Tage, an denen ich mich zum einen an den Nordstrand begebe (es gibt nur einen einzigen Strand im Norden, alle anderen befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite) und zum anderen zu Fuß den gesamten Weg ans Südkap zurücklege.

Der Tag am Strand beginnt mit der Erkundung des nahen Sees, welcher allerdings künstlich zu sein scheint. Man kann ihn gut auf google.maps sehen, da wirkt er allerdings etwas größer als er ist. Ich entdecke ein paar schöne Schmetterlinge und ein Wesen, dass mir gänzlich unbekannt ist, mit schwarz-gelben Flügeln und einem schwarz-roten Körper, das elegant auf weißen Blüten landet.

Irgendwann verlasse ich diesen Ort wieder und auf meinem Weg zum Strand kreuzt noch ein Jugendcamp meinen Weg, von wo aus einem ein guter Blick auf das Meer gegeben wird.

Koh Samets Vegetation besteht hauptsächlich aus Wald, ist kaum tropisch und weniger üppig im Vergleich zu den Inseln im Süden Thailands. In diesem Sinne empfinde ich es, um ganz ehrlich zu sein, als ein bisschen langweilig. Dementsprechend fehlen auch viele tropische Vögel und andere Tiere, wodurch ich auch keine nennenswerten Geräuschaufnahmen habe machen können.

Der Nordstrand ist sehr ruhig und entspannt, kaum Leute die ihre fetten Ärsche auf dem Sand verteilen und so habe ich einen angenehmen Ort zum schwimmen, sonnen und –zum ersten mal- Poitraining gefunden. Ein großartiger Nachmittag vergeht damit und endet in einem ebenso großartigen Sonnenuntergang, der sein rotes Licht malerisch über den Horizont verteilt. Das Poispiel ist sehr energetisch, ich steigere mich bis zum Maximum hinein und wirbele mehrfach in hoher Geschwindigkeit um die eigene Achse, während die Wi vermutlich auch rückwärts dazu rotiert.

Kommen wir nun zu etwas völlig anderem…

Der Plastikmüll der am Strand angeschwemmt wird. Dieser ist nicht unbedingt ein Einzelfall auf Koh Samet. Ob Flaschen oder Beutel, es ist eine ganze Menge was sich da so sammelt und ich schrieb während der letzten Reise schon einmal ansatzweise über die Umweltproblematik in Thailand. Ich sagte, ich würde gar nicht darüber nachdenken wollen, was dies bedeutet. Nun tue ich es.

Der Plastikmüll ist in Thailand erheblich und teilweise verbrennen die Einheimischen den Dreck sogar. Im 7eleven geben sie einem immer eine Plastiktüte dazu und man sollte deshalb sagen, dass man keine möchte.

So wie auf Koh Samet der Plastik angeschwemmt wird, habe ich es auch noch nicht erlebt. Nun, das Festland ist nicht weit entfernt und Rayong und Pattaya, zwei Großstädte mit viel Industrie, befinden sich dort.

Ich werde im nächsten Kapitel noch näher darauf eingehen, berichte jetzt erst noch vom letzten Tag auf Samet, wo ich den Trip in den Süden unternommen habe.

Es sind ungefähr anderthalb Stunden Fußmarsch und es geht auf und ab auf der zerbombten Straße, da die Insel immer schmaler wird, werden auch die Resorts weniger auf diesem Weg.

Es ist nicht besonders spektakulär und in der Mittagshitze definitiv mühsig. Ich schätze es sind so sieben Kilometer von meinem Gasthaus aus bis zum Ende der Insel – dem Südkap. Ich lausche der herzerwärmenden Stücke von Eva Wunderbar, die mich sanft über die Zeit tragen, mich fliegen lassen über den Boden, winzige Tränen der Freude entlockend…

Nun, ich kreuze wieder das Samet Ville Resort und etwas später das Paradee, dass, wie ich feststelle, die einzige bewachte Hotelanlage auf dieser Insel darstellt.

Kurz vor Ende der Insel befindet sich dann noch ein Resort, dass viele Hängematten und Schaukeln zu bieten hat, wo ich mir Banana Cake und Erdnüsse gönne und eine einstündige Verschnaufpause einlege in einer der Hängematten. Das erste mal Hängematte auf der Reise! Ich schaukele für mein Leben gern und in Hängematten fühle ich mich zuhause, aber sie muss ständig weit schwingen, sonst ist es nur halb so interessant.

Kurze Zeit danach stehe ich schließlich am Südkapp und betrachte die Mikroinsel die sich an Samet anschließt und das offene weite Meer. Plastik wurde angespült und ein alter Latschen.

Ich atme die Weite.

Die Weite des Kosmos, die Weite des Seins.

Als ich mich auf dem Rückweg befinde und erneut das Paradee kreuze, jene bewachte Hotelanlage, keimt in mir ein spontaner Gedanke auf, dass ich dieses Anwesen von innen sehen will – dass ich mich nicht irritieren lasse von diesen Sicherheitsfuzzis.

Eine Ecke entfernt, die Straße hinauf und um die Ecke, entdecke ich einen kleinen Pfad durch den Wald, den ich ohne zu zögern einschlage. Ich bin sicher; es gibt einen anderen Eingang!

Der Pfad führt zu einem kleinen Platz mit einer Feuerstelle und ich kann das Resort schon erkennen, schleiche mich vorsichtig um die Ecke eines Bambuszauns und bin drin. Die Häuser sind weiß und wirklich extrem nobel. Ein „Wächter“ kommt mir entgegen und will wissen, wohin ich gehe, mein Herz klopft und ich antworte schnell, dass ich unterwegs zum Strand sei, nur dass der Weg den ich gehe, gar nicht wirklich zum Strand führt, wie mir kurze Zeit später klar wird.

Der Weg endet an einem der Häuser und geht in einen anderen kleinen Pfad über, der nach links oben weg führt, weg vom Resort und schließlich in den Wald. Ich bin nervös wegen des Wächters und bin unsicher, denke mir, er wird Verstärkung holen und zurückkehren.

Im Wald gibt es viele DSCF5328SpDSCF5332innennetze und der Pfad ist sehr klein, ich muss mich durch Sträucher und Äste kämpfen, doch ich verlaufe mich ziemlich schnell und werde mehrere male von lästigen Moskitos gestochen, was mich dazu veranlasst, wieder zum Resort zu gehen. Von dort aus erkenne ich den Strand, der wesentlich kleiner ist als jener im Samet Ville und sehr idyllisch wirkt. Doch ich traue mich nicht ganz, den Pfad dorthin zu nehmen, ich gebe auf, will keinen Ärger.

Behutsam schleiche ich den Weg entlang wie Pteppic in Pyramiden und gehe nicht wieder die selbe Route, sondern mache mich geradewegs an dem Ausgang aus dem Staub, der direkt neben dem Haupteingang liegt, wo mich der Wächter von außen nur leicht kritisch beäugt.

Nun, das war der Trip in den Süden.

Mein Fazit zu Koh Samet;

Es ging mir die meiste Zeit über nicht so gut und ich Samet ist darüber hinaus keine großartig lohnende Insel. Es ist die Insel, auf der Thais, Chinesen und Russen Urlaub machen, wo es am Wochenende voll wird im Gegensatz zur Woche, wo Plastikflaschen angespült werden und kaum Palmen am Strand stehen (am Nordstrand waren jedoch ein paar wenige). In diesem Sinne stimmt es vielleicht auch nicht ganz, dass der Regen in der Regenzeit die Straße transformiert. Es soll wohl wesentlich weniger Regen geben als auf den südlichen Inseln wie Panghan oder Phi Phi. Keine wirkliche Alternative dazu also, aber es bot sich eben an, weil ich ja zu Anfang erst einmal an den Strand wollte und es nicht so weit entfernt von Bangkok ist. Ich bin froh, als ich wieder im Boot zurück ans Festland sitze und etwas neues beginnt.

Das nächste Kapitel ist schon fast fertig, dauert aber vielleicht noch so 2-3 Tage und wird sehr lang (hat jetzt schon 10 Seiten)

Ein frohes neues euch allen!